Review

*** SPOILERWARNUNG ***


Es sieht wie Selbstmord aus, was Firmenchef Simon Carala aus dem Leben scheiden ließ. Doch war es Mord, ausgeführt von seinem Mitarbeiter Julien Taverner, angestiftet durch dessen Geliebte und Ehefrau des Opfers Florence. Eine Nachlässigkeit Juliens setzt jedoch Ereignisse in Gang, die immer weitere Kreise ziehen.

Und so teilt sich die von Louis Malle inszenierte Geschichte, die auf dem gleichnamigen Roman von Noel Calef beruht, in mehrere Stränge. Julien, der im Fahrstuhl feststeckt und erst spät mit dem Ergebnis von verhängnisvollen Verwechslungen konfrontiert wird. Das Verhör, theaterhaft vor einem rein schwarzen Hintergrund vollzogen, lässt nicht mal mehr die Wahrheit als Möglichkeit zu. Sie passt nicht ins Bild, das sich Außenstehenden hier aufgrund aller Indizien bietet.
Denn die durch den Halbstarken Louis und seine Freundin Véronique verkompliziert sich alles. Dieser Handlungsstrang, auf den recht viel Zeit verwendet wird, ist jedoch auch der mit den größten Schwächen. Seine Relevanz für das Konstrukt der Handlung ist unstrittig, aber nicht alles wirkt da elegant gelöst. Dass Louis ein unsympathischer Depp ist, sei mal dahingestellt. Schert sich diese Jugend wohl auch nicht um Moral, wirkt der Mord am Motel doch zu schnell eskaliert. Gleichsam reagiert Véronique darauf völlig routiniert, was nicht zur Situation passen will. Zuhause sieht man dann nur den Ausweg im Suizid, das wirkt alles überhastet und melodramatisch. Andererseits kann man schon recht früh mäkeln, dass Julien am helllichten Tag an einer Hausfassade hochklettert und das niemand bemerkt. Es sind einfach ein paar Stolpersteine, die den sonst gelungenen Film straucheln lassen.

Eine Gewichtung zugunsten von Florence wäre ebenfalls interessant gewesen. Denn während alldem läuft sie gedankenverloren durch die Stadt und sucht Julien. So sie ihm zu Beginn des Films ihre Liebe versichert hat, so irrlichtert sie durch die sich verdunkelnden Straßen von Paris, sucht, zweifelt, verzweifelt. Die Nutzung des inneren Monologs ist atmosphärisch, die weitere Ergründung ihrer Figur wäre wünschenswert gewesen.
Maurice Ronet und insbesondere Jeanne Moreau spielen sehenswert. Dazu gibt es noch Lino Ventura in ein paar Auftritten als Kommissar, der diese Szenen mit seiner Präsenz gekonnt ergänzt. Die Filmmusik steuerte Jazz-Legende Miles Davis bei. Den Soundtrack improvisierte er in einer Nacht in einem Pariser Studio. Optisch ist Malles Film eher konventionell, wenn auch in manch stimmungsvollen Bildern eingefangen. Die Stadt wirkt entromantisiert.

Am Schluss kommt alles zusammen, fällt es für alle zusammen. Abseits des Subplots um die zwei jungen Leute puzzelt sich dieses Konstrukt ziemlich gut zusammen, ist gerade zum Ende hin recht spannend und durchweg dynamisch besichtigt es die außer Kontrolle geratene Tragik menschlichen Handelns.
„Man wird nicht nachsichtig mit mir sein. Weil ich dich über alles geliebt habe.“

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