Gutmensch Mel „Hell“ Gibson ist wieder da! Diesmal zwar nur als Produzent und mit einem Kurzauftritt, aber immerhin. Dadurch weiß man wenigstens, dass der Film von ganz oben abgesegnet ist. Diesmal gibt’s jedoch keine kleine Sado-Maso-Geschichte aus einem 2000 Jahre alten Buch, sondern stattdessen mal so richtig eins auf die Omme! Auch fundamentalistische Christen, für die sich-schuldig-fühlen, die-andere-Backe-hinhalten, sich-Bilder-von-einem-zu-Tode-gefolterten-Menschen-aufhängen, Selbstgeißelung sowie symbolischer Kannibalismus (Leib und Blut Jesu’ in Oblatenform und Wein knuspern und schlürfen) das Tollste unter der Sonne ist, wollen mal Spaß haben! Und den findet man natürlich – wie alles – in der Bibel, und zwar im Alten Testament. Was naheliegend ist, denn ab dem Neuen Testament ist Spaß bekanntermaßen verboten. Dann doch mal lieber richtig nach der guten alten Auge-um-Auge-Methode die Sau rauslassen. Und das geht so:
Hollywood-Shootingstar Bo Laramie, gespielt von Cole Hauser, wird von einer Bande besonders penetranter Paparazzis belästigt (Tom Sizemore verkommt hier als Chef der Bande zur Selbstparodie). Als die bösen Paparazzis einen Urfall verursachen, bei der Bo und seine Frau verletzt werden und sein Sohn im Koma landet, schlägt Bo zurück. Allerdings hat sich Detective Burton (Dennis Farina als eine Mischung aus Columbo und „Tante Käthe“ Rudi Völler) schon an seine Fersen geheftet... Preisfrage: wie würde ein Death Wish 6 ohne Charles Bronson (R.I.P.), aber stattdessen mit einem blassen Milchbubi in der Hauptrolle aussehen? Richtig, wie Paparazzi. Cole Hauser (2 Fast 2 Furious) ist so charismatisch wie eine Dose Hundefutter und eine krasse Fehlbesetzung für einen Rachefilm. Apropos Rachefilm: davon gab es ja im Jahr 2004 eine ganze Anzahl gelungene, z.B. Kill Bill Vol. 2, Oldboy und Man on Fire. Paparazzi und Walking Tall hingegen befinden sich am anderen Ende der Wurst, wobei letzterer doch noch eine kleine Ecke schlechter ist als Paparazzi.
Es ist ja nicht so, dass man aus der Thematik keinen guten Film hätte machen können. Ein Film, der sich ernsthaft mit dem Thema Paparazzi auseinandersetzt, könnte einiges Potenzial haben. Allerdings wohl kaum als naiver Exploitation-Film, wo gut und böse klar definiert sind (wie auch schon bei Gibsons Passion). Klar, dass der Film reichlich politisch unkorrekt ist – etwas, was mich weniger stört. Viel mehr fällt ins Gewicht, dass er nicht gewalttätig genug ist. Nein, ein Film ist nicht automatisch besser, wenn er brutaler ist – aber ein Exploitation-Rache-B-Movie eben schon. Da erwartet der (männliche) Zuschauer keinen lauen PG-13-Film, sondern dass es unmoralisch und hart zur Sache geht. Bei Paparazzi geht es zwar auch unmoralisch zur Sache, aber eben nicht besonders hart. Immerhin hat Paparazzi manchmal die Lacher auf seiner Seite, wenn auch sicher nicht beabsichtigt. Welche bekifften Drehbuchautoren kommen auf die Idee, die Hauptfigur (die ja ein kerniger Action-Star sein soll) Bo Laramie zu nennen? Klingt irgendwie nach einer einschlägigen Vergangenheit als Gay-Porno-Darsteller. Und überhaupt: Bo Willis, Sylvester Laramie, Bo Van Damme, Arnold Laramie, Bo Diesel...
Schon mit einem der beiden Namen hätte wahrscheinlich keiner der genannten Darsteller den Durchbruch geschafft, aber mit beiden Namen (Bo UND Laramie) wird es richtig lächerlich.
Warum gibt es trotz dieser Kritik doch noch eine vergleichsweise hohe Wertung von mir? Nun, Paparazzi ist zwar schlecht und für einen Genre-Film dieser Art zu soft. Aber als Trash-Film funktioniert er trotzdem noch ganz gut. Irgendwo zwischen unfreiwilliger Komödie und anspruchsloser B-Action angesiedelt, unterhält der Film über seine kurze Laufzeit noch gut genug, dass einem nicht langweilig wird. Und das ist schon mehr, als man von manch anderem Film behaupten kann. 4,5/10