Im Jahre 2004 (A.D.), in welchem Mel Gibson mit seinem kontroversen Erfolgsfilm „the Passion of the Christ“ endgültig zu einer der einflussreichsten Personen Hollywoods avancierte, produzierte er im Rahmen seiner „Icon“-Filmschmiede auch den Selbstjustiz-Thriller „Paparazzi“, mit welchem der TV-Serien-Regisseur Paul Abascal (“Viper“/“Sentinel“/“Nash Bridges“) sein Kinodebüt feiern konnte, das aber letztendlich weit weniger Aufsehen seitens der Presse, des Publikums oder in Sachen Einspielergebnis erregte als Gibsons „Herzensprojekt“…
Schauspieler Bo Laramie (Cole Hauser – „Tears of the Sun“) hat es in Hollywood geschafft: Mit der Hauptrolle in einem aufwändigen Action-Blockbuster steht er nun im absoluten Blickpunkt der Öffentlichkeit und wird als aufgehender Mega-Star gefeiert – was er auch in vollen Zügen genießt, obwohl ihm der ganze Rummel um seine Person noch sehr ungewohnt ist. Selbstverständlich ist ihm bewusst, dass sein neuer Status diese „Begleiterscheinungen“ zwangsläufig mit sich bringt, doch ein Eindringen der Medien in sein Privatleben ist er nicht gewollt zu akzeptieren, weshalb er eines Tages den aufdringlichen Fotographen Rex Harper (Tom Sizemore – „Heat“) niederschlägt, als dieser Fotos seines Sohnes Zach (Blake Bryan) bei einem Fußballspiel schießt. In Folge dessen wird Laramie verhaftet und zu „Anger Management“-Sitzungen verurteilt.
Eines Abends verfolgen Harper und drei seiner Kollegen (Daniel Baldwin, Tom Hollander, Kevin Gage) Laramie und dessen Frau Abby (Robin Tunney – „the Craft“) mit ihren Fahrzeugen nach einem Empfang, wobei sie Bo durch ihre aggressive Fahrweise sowie ständiges Fotografieren mit Blitzlicht derart bedrängen, dass dieser in einen schweren Unfall verwickelt wird, aus dem Abby und Zach schwer verletzt hervorgehen. Bevor die Paparazzi Fahrerflucht begehen, machen sie noch Aufnahmen der Verletzten und verkaufen diese später an die Regenbogenpresse, doch da keine konkreten Beweise für deren Beteiligung am Unfall existieren, kann man sie dafür auch nicht belangen…
Als einer jener Fotographen (Gage) wenige Tage später ein weiteres Foto von Bo in einer privaten Situation schießt, rast dieser wütend davon und verwickelt seinerseits den Paparazzo aus Versehen in einen Unfall, in Folge dessen ihn Laramie nach einer unglücklichen Bemerkung bewusst sterben lässt. Das Hochgefühl dieses Erlebnisses auskostend, macht er sich daraufhin ans Werk, auch die andern drei Beteiligten aus dem Weg zu räumen, während der ermittelnde Detektive (Dennis Farina – „Get Shorty“) die zurückgelassenen Spuren verfolgt und allmählich einen konkreten Verdacht entwickelt…
Man könnte meinen, hinter der Idee zu „Paparazzi“ würde Hollywoods Wunschdenken stehen, es den realen Vertretern jener Zunft mal so richtig heimzuzahlen (wenn auch nur in filmischer Form), doch in Wirklichkeit artet der Thriller keineswegs zu einer bloßen Rachephantasie dieser Art aus, sondern nutzt die Idee des Showbusiness-Hintergrunds nur, um eine „standard“-Selbstjustizstory in einem „unverbrauchten“ Umfeld zu präsentieren.
Die Ausgangslage mag dabei auf den ersten Blick extrem oder überspitzt wirken, aber es ist ja inzwischen allgemein bekannt, dass Paparazzi für gute Geschichten sehr weit gehen, es mit der Wahrheit nicht immer genau nehmen sowie dass ihre Aktionen tatsächlich mal unglücklich ausarten können (man betrachte nur mal den tragischen Tod Prinzessin Dianas).
Regisseur Abascals Inszenierung ist solide und hochwertig, aber auch unspektakulär sowie im Aufzeigen der (Rache-) Taten erstaunlich zurückhaltend – diese werden nie explizit gezeigt oder ausgeschlachtet, wie man es bei einem Werk dieser Art hätte vermuten können (obwohl die „Suicide by Cop“-Szene schon cool war).
Cole Hauser („Pitch Black“) kann in seiner ersten richtigen Hauptrolle durchweg punkten. Seine Figur und Darstellung erweckt gegenüber den „schmierigen“ Fotographen auf Anhieb Sympathie. Darüber hinaus kann er sowohl bei den Actionszenen als auch als liebender Vater und Ehemann überzeugen. Sein Charakter wird zudem nie als perfekter Stratege dargestellt, sondern begeht bei seinen Taten amateurhafte Fehler (nimmt eine Waffe vom Set, vergisst seinen Stift etc).
Ihm gegenüber steht Tom Sizemore („Strange Days“) als besonders unsympathischer und rücksichtsloser Paparazzo Harper. Es ist schön, Sizemore (der im Rahmen seiner „Beziehung“ zu Heidi Fleiss im realen Leben ja genügend Erfahrungen mit jener Berufsgruppe sammeln konnte) mal wieder außerhalb von Gerichtssälen in einem unterhaltsamen Film zu sehen. Als Bösewicht hat er ja schon immer überzeugen können, und auch hier macht es Freude, ihm bei seinem Spiel zuzusehen, obwohl er sich dabei nahe an der Grenze zur Selbstparodie bewegt. Dennis Farina („Snatch“) hat sich bei seiner Rolle des Det.Burton offenkundig Inspector Columbo zum Vorbild genommen, denn sein Charakter ist ebenfalls immer freundlich und zurückhaltend (wodurch man ihn leicht unterschätzt), hinter der Fassade aber extrem kompetent. Die restliche „Paparazzi“-Crew hat man ebenfalls treffend besetzt, und zwar mit Daniel Baldwin („King of the Ants“), Tom Hollander („Gosford Park“) und Kevin Gage („Strangeland“). Einzig Robin Tunneys („Supernova“) Rolle fiel im Gesamtbild auffallend unbedeutend und nebensächlich aus.
In letzter Zeit kamen eine Reihe altmodischer Selbstjustiz-Filme (wie etwa „the Punisher“ oder „Man on Fire“) auf den Markt, zu denen „Paparazzi“ trotz des verminderten Härtegrades zweifelsohne gezählt werden muss – schließlich ist der Sympathieträger im Endeffekt ein Killer an der Schwelle zum Psychopathen, der zudem die moralische Instanz verkörpert.
Leider gibt es jedoch eine Reihe von Logikschwächen, die das Sehvergnügen etwas trüben, genauso wie die allgemeine Vorhersehbarkeit (kleiner Tipp: im Vorfeld nicht den Trailer anschauen!). Man hätte das Konzept in meinen Augen gerne satirischer oder gar parodistischer ausrichten können – quasi in Richtung „der Preis des Ruhmes oder amerikanischen Traums“. Trotzdem kann man sich über einige nette Anspielungen und Cameos (wie Mel Gibson, Chris Rock, Vince Vaughn, Matthew McConaughy) amüsieren. Nur bei der Namensgebung hat man zum Teil kräftig daneben gegriffen: Die Hauptfigur heißt Bo Laramie (!), sein Hit-Streifen „Adrenalin Force“ = leider bestenfalls unfreiwillig komisch!
Im Endeffekt bleibt der Eindruck eines oberflächlichen, aber unterhaltsamen Rache-Films zurück, den man wenigstens in einem bislang noch nicht ausgereizten Ambiente angesiedelt hat.
Fazit: „Paparazzi“ ist ein harmloser, unspektakulärer Selbstjustiz-Thriller vor dem Hintergrund des Showbusiness, der zwar kurzweilig zu unterhalten vermag, nach dem Sichten aber mindestens genauso schnell wieder vergessen ist … 5 von 10.