Mel Gibson hatte ja selbst öfters Probleme mit Paparazzi und produzierte mit seiner Firma Icon Pictures einen Film, in dem dieser Berufsstand die Bösewichte stellt.
Bo Laramie (Cole Hauser) hat es geschafft: Mit dem Actionfilm „Adrenaline Force“ ist er zum heißen Star in Hollywood aufgestiegen. Der Dreh eines Sequels beginnt gerade, er wird von Fans umlagert und kann sich für seine Familie, bestehend aus Frau Abby (Robin Tunney) und Sohn Zach (Blake Michael Bryan), ein großes Haus leisten. Doch „Paparazzi“ will Sympathie für Stars erreichen, denn kurz darauf wird Bo mit Paparazzi-Fotos konfrontiert, die ihn und seine Frau nackt am Pool zeigen.
Der Paparazzo Rex Harper (Tom Sizemore) hat es ganz besonders auf Bo abgesehen und die Situation schaukelt sich soweit auf, dass Rex und seine Kollegen einen Unfall verursachen, bei dem Abby und Zach schwer verletzt werden. Bo will dies keinesfalls hinnehmen...
So sieht also Hollywoods Rache an einem Berufsstand aus, der den Stars schon seit Jahren das Leben schwer macht, aber gerade da liegt schon eines der Hauptmankos von „Paparazzi“: Die titelgebenden Sensationsgeier sind keine vernünftigen Bösewichte. Man häuft zwar Klischee an Klischee, die Schmierfinken gehen bei ihrer Jagd nach Sensationen von Verleumdung über Erpressung einer Zeugin bis hin zu Einbruch und sie verschulden auch den Unfall. Doch dies ist keine Absicht, sie rufen auch einen Krankenwagen und bedrohen nie direkt das Leben von Bos Familie – wodurch eventuelle Racheakte einfach nicht gerechtfertigt wirken. Klar, sicher propagieren alle Rachefilme Selbstjustiz, doch diese geben den Protagonisten immer einen triftigen Grund, so fadenscheinig er auch sein mag.
Zudem überlebt die komplette Familie den Unfall (Sohnemann erwacht zum Filmende natürlich aus dem Koma), dass der andere Fahrer dabei draufgeht, interessiert „Paparazzi“ kaum. Auch die Tatsache, dass natürlich ein freundlicher Ermittler Bos Taten deckt, lässt „Paparazzi“ doch noch fragwürdiger als jeden „Death Wish“-Film wirken, aber darum sollte man sich in diesem Genre eh nie besonders sorgen. „Paparazzi“ weiß zudem durch die wenig inspirierte, aber solide Regieleistung des sonstigen TV-Regisseurs Paul Abascal zu überzeugen, der zwar nur ein Handwerker ist, aber sich auf Stimmung und schicke Bilder versteht.
Die Story ist hingegen nur teilweise überzeugend und zeigt nur das Aufschaukeln des Privatkrieges zwischen Bo und den Paparazzi. Dabei sorgt Bo dann mehr oder weniger direkt für den Tod mehrere Paparazzi, jedoch wirken seine Taten halt nie gerechtfertigt (siehe oben), zudem stellen sich die Paparazzi immer so dreist und dämlich an, dass sie den Kleinkrieg weiter anheizen anstatt die Sache im Sande verlaufen zu lassen. So plätschert „Paparazzi“ dann bis zum Finale vor sich hin, hat keine großen Längen und einige von Bos Aktionen sind durchaus einfallsreich, nur so wirklich aufregend ist die Chose nie.
Dies liegt zum großen Teil auch einfach daran, dass „Paparazzi“ nur recht wenig Action zeigt. Bis zum Finale kaum Konfrontationen, diese sind auch sehr kurz, aber immerhin halbwegs roh in Szene gesetzt. Um den Actionanteil aufzupeppen, baut „Paparazzi“ noch ein paar Szenen vom Dreh von „Adrenaline Force 2“ ein, doch zum temporeichen Rachereißer reicht es aufgrund der wenigen Menge einfach nicht aus und so kann auch die Reißbrettstory nur teilweise aufgepeppt werden.
Dabei macht Cole Hauser, der in Filmen wie „Das Tribunal“, „Pitch Black“ und „Tigerland“ in Nebenrollen auffiel, seine Sache wirklich überraschend gut und hätte einen besseren Film verdient. Robin Tunney reißt als Ehefrau ihre Szenen ordentlich, aber nicht herausragend herunter, Dennis Farina gibt seine Standardrolle als Cop. Dafür ist das Fieslingsquartett mit Tom Hollander, Kevin Gage, William Baldwin und Tom Sizemore gut besetzt, die vier spielen auch schön schmierig, müssen aber stets gegen die furchtbare Klischeehaftigkeit ihrer Rollen ankämpfen. Produzent Mel Gibson hat einen Cameoauftritt als Patient einer Agressionstherapie, in Minirollen wirken noch Chris Rock, Matthew McConaughey, Vince Vaughn und Tim Thomerson mit.
So sieht also Hollywoods Abrechnung mit den Paparazzi aus: Von der Konstruktion nicht so wirklich überzeugend, actionarm und nicht übermäßig aufregend. Die stimmige Inszenierung, die vorhandenen Actionszenen und die recht flotte Erzählweise fallen positiv auf, doch trotzdem ist „Paparazzi“ nur gerade noch so Mittelmaß.