Natürlich schätzen viele von uns die Aufnahmen von J.L Hewitt am Strand, Halle Berry beim Joggen und Paris Hilton beim Einsteigen in eine Limousine.
Aber bis auf Letztgenannter entstehen diese Aufnahmen natürlich nicht auf freiwilliger Basis.
Zwar steht man im Showgeschäft ständig in der Öffentlichkeit, aber diese endet auch irgendwo im Familienkreis, in der Privatsphäre.
So zumindest ist die Sicht des von Mel Gibson produzierten Werkes über aufdringliche Sensationsreporter.
Im Mittelpunkt des Blitzlichtgewitters steht der Actionstar Bo Laramie (!), der seinen plötzlichen Erfolg noch gar nicht fassen kann. Dem passenden Umgang mit lästigen Fotografen ist er allerdings auch noch nicht gewachsen, so dass er dem schmierigen Paparazzo Harper erstmal eine ballert, weil der seine Familie belagert.
Harper schwört auf Rache und so kommt es zu einem folgeschweren Unfall, bei dem Bos Sohn schwer verletzt wird.
Bo setzt von nun an alles daran, die verantwortlichen Knipser aus dem Weg zu räumen.
Das ist endlich einmal ein neues Ambiente für einen üblichen Rachethriller. „Klick & Revenge“ könnte man sagen, denn die glitzernde Welt des Showbizz weicht schnell einer One-Man-Show, die Cole Hauser erstaunlich gut bewältigt.
Die Grundidee ist zumindest mal erfrischend, die Sicht eines Stars aufgetischt zu bekommen, der sich in seiner Intimsphäre gestört fühlt und so eindimensional penetrant, wie die Boulevardjournalisten hier dargestellt werden, entsprechend impulsiv handelt.
Natürlich ist es hanebüchen, wenn Bo, anstatt Anwälte und Polizei einzuschalten, auf eigene Faust kontert und treu dem „Ein Mann räumt mit Parasiten auf“ seinen Alleingang abzieht.
Dabei hat er sogar einige Tricks im Ärmel, die die Fotografen reichlich bedeppert dastehen lassen und sogar Det. Burton (Dennis Farina, routiniert sympathisch) ein paar kleine Rätsel aufgibt.
Somit wirkt die komplette Story auch arg überkonstruiert und in moralischer Hinsicht sehr fragwürdig, da Bos Handeln ohne Reflexion eher gefördert statt gestoppt wird.
Eine recht einseitige Abrechnung mit den Paparazzi Hollywoods.
Aber eine durchweg unterhaltsame, denn bei Bo ist immer was los.
Da ist das Blitzlichtgewitter auf dem roten Teppich erst der Anfang, aber wenn der fiese Harper und seine ebenso schmierigen Kollegen unterwegs sind, fällt es dem Zuschauer nicht schwer, sich auf Bos Seite zu schlagen und sein impulsives Agieren nachzuvollziehen.
Wer will schon in der Zeitung über sich lesen, man habe sich soeben seinen Penis operativ vergrößern lassen? Wer duldet schon, dass der eigenen Frau Drogenabhängigkeit vorgeworfen wird, dazu etliche Affären, ja sogar die frischesten Bilder, direkt nach einem folgenschweren Autounfall, dessen Hergang makabererweise an den Unfalltod von Prinzessin Diana erinnert.
Da werden auch höchst kriminelle Methoden seitens der Schmierfotografen eingesetzt, Einbruch, Erpressung, Vergewaltigung und allen voran natürlich Nötigung in jeder erdenklichen Situation. Alle kriminell, diese Typen.
Aber Schwarz-Weiß-Malerei kann manchmal viel Spaß bringen, auch wenn die Logiklöcher erheblich sind, wie überhaupt die komplette Story nicht nach ihrem Realitätsgehalt abgeklopft werden sollte.
Dabei nimmt sie sich aber auch nicht durchgehend ernst, was ein Kurzauftritt Mel Gibsons im Warteraum einer Psychologin verdeutlicht.
Auch die Anspielung auf die unüberschaubare Baldwin-Sippe, während Daniel Baldwin hier tatsächlich einen Fiesemöp gibt.
Überhaupt gibt es neben den Haupt- und Nebendarstellern viele gelungene Einsätze von bekannten Gesichtern wie Chris Rock als Pizzaboy oder Matthew McConaughey, der sich selbst auf einer Premiere spielt.
Für eingefleischte Actionfans bietet der Film allerdings recht wenig, denn bis auf besagte Autoverfolgung schlägt Bo selten explizit zu, der Gewaltfaktor ist gering und nur gegen Ende sprechen die Fäuste.
Aber der Unterhaltungswert ist hoch, die Hauptfigur wird nach kurzer Eingewöhnungsphase zum Sympathieträger, Tom Sizemore spielt den Paparazzo Harper hervorragend fies und die konsequente Herangehensweise des Rächers gerät zum Rachetrip ohne größeren Leerlauf, bei dem der Zuschauer zumindest emotional mitgerissen wird, wenn auch die Moral auf der Strecke bleibt.
Paparazzi stehe ich nach dem Sichten des gleichnamigen Streifens nach wie vor zwiespältig gegenüber, einerseits weiß ich durch sie, dass J-Lo´s Hintern im Bikini ziemlich breit aussieht, andererseits möchte ich auch nicht in ihrer Haut stecken…
Bin froh, weder Star, noch einer ihrer Jäger zu sein.
Knapp
7 von 10