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In Kinsey wird die Lebensgeschichte des Biologen Alfred Kinsey beschrieben, welcher sich sehr für die Aufklärung und Beschreibung der menschlichen Sex-Praktiken und Fantasien eingesetzt hat. Professor Kinsey, der sich anfänglich mit der Entwicklung einer Wespe beschäftigt, beginnt im Alter von 45 Jahren die Entwicklung einer Studie zu beginnen, welche sich mit Sex beschäftigen. Mann muss wohl dazu sagen, dass sich die Geschichte im beginnenden 20. Jahrhundert abspielt und daher die Thematik noch sehr kleine Fortschritte gemacht hatte. Daher legen sich einige Schwierigkeiten in den Weg von Professor Kinsey, die ihn daran hindern die Welt aufzuklären.

Liam Neeson, der seinerseits den Professor Kinsey darstellt, läuft in Kinsey zu einer absoluten Höchstform auf, die nur durch seine Darbietung als Oskar Schindler aus Schindlers Liste überboten werden kann. Die Rolle des aufklärerischen Dozenten passt ihm wie aufs Gesicht geschnitten. Er wirkt so lebensecht, dass man ihm diesen Charakter vollends abkauft. Eigentlich verwunderlich, dass dieser Schauspieler noch nicht mit einem Oscar als bester Darsteller beschenkt wurde. Neben Liam Neeson macht auch Laura Linney einen wunderbaren Job. Sie stellt Clara, die Frau von Kinsey, ebenso gut dar wie Neeson Kinsey selbst. Clara steht technisch als ruhiger Gegenpol zu Kinsey und die Beziehung wird immer wieder aufs Neue strapaziert scheint aber unzerbrechlich zu sein. Rein schauspielerisch ist der Film also auf absolutem Top-Niveau.

Neben den sehr guten Schauspielern bietet Kinsey allerdings auch eine sehr interessante Geschichte. Selbst heute ist es für sehr viele Menschen noch sehr schwer über ihre Gefühle und Praktiken beim Sex zu sprechen. Der Film zeigt nur wie sehr viel extremer dieses Thema damals schon war. Gegen den forscherischen Drang Kinseys steht die mit Glauben bestückte, prüde Gesellschaft. Daher kommen auch immer wieder lustige Situationen zustande, vorallem wenn diese beiden Extrema aufeinander treffen. Kinsey schafft aber auch gegen die Übermacht der Gesellschaft das Interesse der Menschen am Sex zu steigern, so dass sich später fast alle mit dem Thema auseinander setzen wie es heutzutage auch schon fast wieder der Fall ist. Dadurch, dass man selbst ein wenig schüchtern oder prüde ist, kommt der Film aber nie aus der Fahrt. Der Zuschauer möchte gerne wissen wie es um die Studie weitergeht und dieses Interesse wird nie schwächer. Erst zum Ende des Films beginnt langsam die Sättigung einzusetzen, aber dieses Phänomen ist vom Film gewollt und funktioniert daher prächtig.

Auch technisch kann Kinsey überzeugen. Während anfangs viel in schwarz weiß dargestellt wird, versucht der Film über einen längeren Zeitraum die Farben spielen zu lassen. Dabei wirkt Kinsey nie zu bunt, sondern schafft es immer die richtigen Farbkombinationen zu finden um die Situation perfekt zu unterstützen.

Kinsey ist eine sehr gelungene Dokumentation über den einsamen Streiter Kinsey und dessen Probleme bei der Aufklärung der Menschen. Schauspieler und Technik sind dabei einsame spitze. Umbedingt anschauen!

FAZIT: 8/10

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