Das kleine Waisenmädchen Lou ist über die Jahre zu der attraktiven Geschäftsfrau Lulu Wong [ Michelle Yeoh ] herangewachsen, die in der Zukunftsstadt Polaris City als Silver Hawk getarnt das Verbrechen bekämpft. Dabei soll sie von ihrem Sandkastenfreund und jetzigem Superintendent Rich Man [ Richie Yam ] aufgehalten werden, der aber nichts von der Doppelidentität weiss. Als er es doch herausbekommt, hat er auch ganz andere Sorgen; strebt doch der Kriminelle Alexander Wolfe [ Luke Gross ] die Weltherrschaft an und kidnapped dazu den Wissenschaftler Professor Ho Chung [ Daming Chen ]. Dieser hat eine Interaktive Künstliche Intelligenz entwickelt, die zusammen mit einem neuen Handyfabrikat die Menschen willenlos machen soll.
Addiert von seinem Assistenten Kit [ Brandon Chang ] gehen die unterschiedlichen Gesetzeshüter gemeinsam auf die Jagd.
Der Plot ist also weit hergeholt und zu vernachlässigen; eine Dr. Mabuse Kopie ohne filmhistorische Dimension. Die Zeichnung der Superheldenfigur Silver Hawk verläuft über Rückblenden zu ihrer Kindheit mit den bekannten Entwicklungsstadien und besitzt auch in der Gegenwart die aktuellen Probleme und Eigenschaften anscheinend jedes maskierten Verbrechensjägers. Wenig Zeit und viele Aufgaben, zudem noch die Tarnung auch vor Freunden und zusätzlich Ärger mit der Polizei. Hierbei natürlich ohne Drama, aber auch ohne grossartige Unterhaltungswerte; befinden wir uns doch in einem Film von Jingle Ma.
Das Hauptproblem ist dann noch nicht einmal die naïve Geschichte; dass haben die ähnlich gelagerten Black Mask 2 und Avenging Fist auch. Sondern sein Regisseur und sein ästhetischer Bildungsgrad. Jingle Ma ist ein ehemaliger Kameramann, der komplett in Bildern denkt und seine Sorgfalt alleinig darauf legt. Was nicht so ganz verkehrt ist. Nur leider ist es bei ihm das falsche Sehschema; er frönt dem Stil der Nüchternheit und Attraktionslosigkeit.
Es wird immer versucht, eine möglichst klinisch reine Optik zu schaffen; eine künstliche Sauberkeit zu erreichen, die den gesamten Bildkader seltsam steril macht. Haupttöne sind weiss. Nur Unfarben, wenig Buntes, metallen gegossen; wodurch auch ein relativ blasser Eindruck ohne jede Tiefenschärfe und Konturen entsteht. Die unterkühlten Locations sind sowohl in freier Natur als auch in der Urbanität immer wie geleckt; selbst die Lagerhallen beinhalten kein Staubkorn und schon gar keine Aura von Leben oder umgekehrt einer klaustrophobischen Grundstimmung.
Da hierbei die Bilder zum Zeigen und Erzählen nötig sind, macht das aus der reisserischen Story nur ein banale, wissenschaftlich natürlich strunzdumm wirkende Geschichte ohne Unreinheiten und nimmt zudem jede Effektivität aus der Inszenierung heraus. Wahrscheinlich aus Angst, es könnte ja mal etwas roher aussehen. Wo dort generelle Auflösungserscheinungen ein latentes Gefühl von Chaos und Unordnung bedingten, bleibt hier alles an der Oberfläche. Eine düstere Atmosphäre des Unentrinnbaren weicht technisierter Helligkeit und dem Hinsteuern auf ein vorhersehares Happy End; Spannung und Aufregung liegen ebenso wie Tempo - trotz einiger Actionszenen – aussen vor.
Silver Hawk ist als Film und Person dann ebenso künstlich wie Kollegin Tomb Raider und zudem noch ein asexueller Gutmensch. Stattet auch der Chinesischen Mauer einen Besuch ab, rettet und herzt dort entführte Pandas, arbeitet allgemeinnützig in Charities und unterhält nur eine rein brüderliche Zuneigung gegenüber Männern.
Ansonsten ist die Atmosphäre recht kindisch. Die wegen den Pappfiguren spürbare emotionale Kälte wird nur mühsam mit viel Grinsen und Schabernack überspielt; ganze zwei Goofs stehen auch an vorderer Besetzungsliste [ Yam und Chang ].
Das Negativum bei den Verbrechern wird auch aufgehoben; Wolfes Schergen haben ein weiches Herz und lassen später aus Dankbarkeit vom Showdown ab. Es werden keine Schusswaffen benutzt, fliesst kein Blut, wird keiner grossartig verletzt oder gar getötet.
In der Schönen Neuen Welt schlägt man bei den Kampfszenen auch sichtbar am Gegner vorbei; Ma hat die Angewohnheit, alles zu überstilisieren und so seine Schwächen noch zu betonen. Mehrere Blickwinkel und wiederholt verlangsamte Einstellungen fokussieren das Martial Arts rein auf die Ästhetik statt Wirkung; da wird sich auch schon einmal nur auf die Schatten der Kämpfenden konzentriert. Choreograph Ailen Sit macht wie auch in Tokyo Raiders oder Seoul Raiders eine scheinbar gute Arbeit; allerdings bar jeder Durchschlagskraft. Wodurch es auch auf der Ebene schnell eintönig wird; was natürlich schlecht ist, wenn man den Film schon nicht wegen seiner Handlung anschaut.
Man muss allerdings zugute halten, dass es selbst von hier aus immer noch steil abwärts gehen kann: Catwoman. Was natürlich kein richtiges Lob ist.