SPOILERWARNUNG!
Handlung:
In der norwegischen Küstenstadt Bergen lebt der kleine Junge Luke Eveshim zusammen mit seinen Eltern und seiner Oma Helga, die ihm immer Geschichten über echte Hexen erzählt. Anders als die Hexen in den Märchen, leben die echten Hexen generell unerkannt und überall auf der Welt. Sie verstecken ihr abscheuliches Erscheinungsbild hinter Masken und Perücken und töten am liebsten kleine Kinder. In ihren Kindertagen musste Helga miterleben, wie ihre beste Freundin Opfer einer solchen Hexe wurde, die für ihre Untat allerdings nie überführt werden konnte. Seitdem ist sie zu einer Art Expertin für Hexen geworden und kennt ihre Eigenarten, woran man sie erkennen und wie man ihnen aus dem Weg gehen kann.
Nachdem Lukes Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen, muss sich Helga fortan allein um die Erziehung ihres Enkels kümmern und umsorgt den Jungen liebevoll, wo sie nur kann. Um etwas Abstand zu gewinnen, ziehen sie nach England. Damit er sich besser eingewöhnt, schenkt sie Luke zwei Mäuse, die er nach Herzenslust trainiert. Eines Tages, während Luke in seinem Baumhaus spielt, macht er Bekanntschaft mit einer echten Hexe, die ihn mit einer Schlange als Geschenk und Schokolade zu sich locken will. Aber Luke durchschaut ihr Spiel, sodass sich die Hexe wieder unverrichteter Dinge davonmacht.
Unterdessen erkrankt Lukes Oma an Diabetes, woraufhin die beiden einen Erholungsurlaub in einem schicken Hotel unternehmen. Gleichzeitig mietet sich auch die “Königliche Gesellschaft für Verhinderung von Kindesmisshandlungen” in dem Hotel ein. Doch hinter dieser vermeintlich philanthropischen Gesellschaft unter der Leitung der arroganten und kaltschnäuzigen Eva Ernst verbirgt sich in Wahrheit eine Versammlung aller in England lebenden Hexen. Als Luke sich zufällig in dem Festsaal des Hotels versteckt, um mit seinen Mäusen zu spielen, wird er unfreiwillig Zeuge dieses Kongresses und erfährt, dass Eva Ernst die Oberhexe ist. Sie hat die Nase voll von den zig tausend Kindern, die in England leben und plant ihre endgültige Beseitigung. Sie beauftragt alle anderen Hexen damit, Süßwarenläden zu eröffnen, um die Kinder anzulocken. Mit einem Zaubertrank, der Menschen in Mäuse verwandelt, will sie alle Kinder vergiften lassen, damit diese dann als Mäuse von den Erwachsenen wie Ungeziefer beseitigt werden.
Ihr erstes Opfer ist der leicht übergewichtige und Schokolade liebende Bruno, der hier mit seinen Eltern ebenfalls Urlaub macht. Als Luke mit ansehen muss, wie Bruno mit vergifteter Schokolade in eine kleine Maus verwandelt wird, versucht er zu fliehen. Aber die Hexen fangen ihn und flößen ihm den Trank ein, der ihn ebenfalls in eine Maus verwandelt. Klein und flink entwischt er den Hexen und kann sich zusammen mit Bruno nach einer turbulenten Verfolgungsjagd zu seiner Oma ins Hotelzimmer in Sicherheit bringen.
Glücklicherweise beschränkt sich die Verwandlung der Kinder nur auf das Äußere, ihre Fähigkeit zu sprechen haben sie nicht einbüßen müssen. So schmieden sie gemeinsam einen Plan, wie sie den Zaubertrank der Oberhexe entreißen können, um das Unheil, das allen Kindern Englands droht, zu vereiteln. Von ihrem Balkon aus seilt Helga an einem Wollfaden ihres Strickzeugs ihren Mäuseenkel auf den Balkon der Oberhexe ab, die ihre Suite zufällig genau unter ihnen hat. Doch die Ausführung ihres Plans gestaltet sich schwieriger als erwartet, denn zunächst müssen sie die schwarze Katze der Oberhexe überlisten. Außerdem sind die Hexen überall, sogar als Hotelangestellte haben sie sich getarnt. Mit großem Aufwand und Einsatz seines Mäuselebens gelingt es Luke, eine Phiole mit dem Trank zu stehlen. In der Hotelküche bringt es Luke fertig, die für die Hexen bestimmte Kressesuppe mit dem Trank zu vermischen und richtet dabei ein gehöriges Chaos an.
Unterdessen haben sich alle Hexen im Speisesaal zum Dinner versammelt und erleben ihr blaues Wunder, als sie genüsslich die Suppe verspeisen. Nach einigen Minuten verwandeln sich alle Hexen in Mäuse und werden schließlich, währenddessen sich der Speiseraum in einen wahren Hexenkessel verwandelt, vom Hotelpersonal gejagt und erschlagen. Sogar die Oberhexe kommt nicht davon. Mit Mühe und Not schafft es Helga auch, den kleinen Bruno trotz seiner verwandelten Gestalt, seinen völlig verdutzten und panischen Eltern wiederzubringen.
Nachdem Luke und seine Oma wieder zu Hause angekommen sind, versucht Luke sich mit seinem Maus-Dasein abzufinden. Eines Tages erhält Helga eine unerwartete Lieferung eines ihr unbekannten Koffers. Als sie ihn öffnet, befindet sich darin das ganze Geld, das die Oberhexe an ihre Untergebenen für die Eröffnung der Süßwarenläden zur Verfügung stellen wollte. Luke hatte ohne Wissen seiner Oma im Hotel dafür gesorgt, dass der Koffer zu ihnen nach Hause geliefert wird. Neben der immensen Geldsumme befindet sich noch das Kästchen mit den Phiolen mit dem Zaubertrank und ein Notizbuch in dem Koffer. Darin stehen sämtliche Adressen aller in den USA lebenden Hexen. Somit wären Luke und seine Oma in der Lage, in die Staaten zu reisen und den Hexen dort den Garaus zu machen.
Eines Nachts nähert sich ein Auto dem Familienanwesen und Miss Irvine, die ehemalige Assistentin der Oberhexe, steigt aus. Sie ist als einzige der Verwandlung entgangen, weil sie von ihrer Meisterin vom Banquette ausgeschlossen wurde, bevor das Chaos ausgebrochen war. Der ständigen Schikanen überdrüssig, kündigte sie daraufhin ihren Dienst und wandte sich zum Guten. Sie bringt Luke nicht nur seine geliebten Mäuse zurück, sondern schenkt ihm auch seine menschliche Gestalt wieder. Ehe Miss Irvine wieder verschwindet, ruft Luke ihr am Fenster nach, dass sie auch Bruno wieder zurückverwandeln soll.
Kritik:
Hexen gibt es doch! Aber sie leben nicht als gutmütige Familienmitglieder in einem x-beliebigen Hochhaus oder verbringen ihre Freizeit auf Reiterhöfen, wie uns die bekannte und beliebte Kinder-Hörspielserie “Bibi Blocksberg” das weismachen will. Auch leben sie nicht zurückgezogen in windschiefen Hütten tief in wilden Wäldern, wie wir das aus unzähligen Märchen und Sagen kennen. In Roald Dahls bekanntem Kinderbuch “The Witches”, das von der BBC zu den 100 einflussreichsten Büchern gelistet wird, und der vorliegenden Adaption von Nicolas Roeg verweilen sie in einer perfekten Scheinexistenz mitten unter uns. Ihre Gefährlichkeit besteht darin, dass sie von der Erwachsenenwelt, die an Hexen und Zauberei nicht mehr glaubt, unerkannt ihr Unwesen treiben können. Hier ist die Hexe eine nette alte Dame von nebenan, dort eine hochgeachtete Geschäftsfrau.
Lediglich Kinder, wie die Oma unseres kleinen Helden Luke, die das Glück hatten, sich aus der Gewalt einer Hexe zu befreien, scheinen in der Lage zu sein, die Tarnung zu durchschauen. Die Pechvögel verschwinden für immer. Manchmal tauchen ihre Abbilder auf unerklärliche Weise in Gemälden auf. Bedauernswert und traurig stimmen ihre Erscheinungen, die sich obendrein verändern: sie wechseln ihre Position, wandeln ihre Gestalt und werden im Laufe der Zeit älter, bis sie irgendwann ganz aus dem Bild verschwinden. Es zeugt von einem makabren Spiel, das die Hexen mit ihren kindlichen Opfern und ihren Hinterbliebenen treiben, bis sie ihrer überdrüssig werden und ihre Existenz auf immer erlöschen lassen.
Regisseur Roeg gelingt es auch, die allegorische Deutung des Hasses auf Kinder, den insbesondere Dahls Vorlage fokussiert, anschaulich ins Licht zu rücken. Sowohl in Dahls Buch, als auch in Alan Scotts Drehbuchversion werden in einer allegorischen Betrachtungsweise Kindermörderinnen, die sich als philanthropische Gesellschaft zum Schutz für Kinder ausgeben, erst recht durch staatliche und private finanzielle Unterstützung in die Lage gebracht, ihre fürchterlichen Pläne in die Tat umzusetzen. Und das ist nicht nur bitterböse Ironie. In Kritikerkreisen macht sich gegenüber HEXEN HEXEN als Gesamtphänomen der Vorwurf des Antisemitismus bemerkbar. Zum einen, weil Roald Dahl keinen Hehl aus seiner Einstellung gegenüber Israel und jüdischen Einflüssen in den Medien gemacht hat. In seinem Buch bediene er nämlich sämtliche Klischees antisemitischer Propaganda wie die Verschwörungsmotive um Macht und Einfluss, endlos scheinenden finanzielle Mitteln, äußerliche Anpassungsfähigkeit (der Juden), als auch rituellen Kindermord. Zum anderen, weil die Verfilmung diese Vorurteile quasi unreflektiert übernehmen würde. (Darauf bezog sich beispielsweise die deutsche Journalistin Henrike Kolletzki in ihrer Kritik im “Rolling Stone” zum deutschen Kinostart von Robert Zemeckis Neuverfilmung aus dem Jahr 2020, auf das ich weiter unten noch eingehen werde, und fügte noch hinzu, dass man sich durch die Darstellung der Hexen an “misogynen Tendenzen” bediene.)
Mögen diese Sachverhalte auch noch so nachvollziehbar sein, sind sie aber ohne Einfluss auf das junge Publikum, da ohne das Wissen um diese speziellen Hintergründe keine Ableitung von Hexen auf Juden zu erwarten ist und eine entsprechende antisemitische Ideologisierung nicht stattfinden kann. Vielmehr rücken mir als Verfasser dieser Zeilen und Familienvater unweigerlich Meldungen über reale Beispiele ins Gedächtnis. Denn, wie unerschrockene Menschen mittlerweile festgestellt haben, werden nicht nur Entführungen von Kindern, sondern auch Inobhutnahmen aus ihren Familien durch staatliche und auch kirchliche Netzwerke ermöglicht, um die Opfer an Päderasten weiterzuleiten, wo sie in der Regel auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Seltsam, konspirativ und unglaubwürdig erscheinen uns solche Untaten zu sein, aber sie sind leider bittere Realität.
Vermutlich dürfte diese spezielle Darbietung der Hexen auch der düsterste und eindringlichste Moment von HEXEN HEXEN sein. Selbst die Enttarnung der Hexen, wenn sie ihre Perücken und Masken absetzen und ihre glatzköpfigen, grotesken Fratzen zeigen, wirkt zwar gerade für Kinderaugen zweifellos erschreckend grauslich. Aber für Erwachsene ist das bestimmt weniger verstörend, denn diese metaphorischen Bezugspunkte zu unserer Realität.
Dabei ist gerade das Maskenbild für die Oberhexe, herrlich unsympathisch gespielt von Anjelica Huston, schrecklich grandios. So abstoßend hässlich mit ihrer extrem langen Nase, den überlangen Krallen, der verschorften Glatze und dem deformierten Körper ist nur noch die Sumpfhexe in Ridley Scotts prachtvollem Fantasyfilm LEGENDE (1985) gewesen. Aber eine so geniale Meisterarbeit forderte auch ihren Tribut. Denn Huston ging bis an ihre Belastungsgrenze, wenn sie insgesamt einen halben Tag in der Maske sitzen musste (sechs Stunden fürs Auftragen und sechs fürs Entfernen des Make-up) und dann noch Stunde um Stunde damit unter heißem Scheinwerferlicht vor der Kamera agieren musste.
Regisseur Nicolas Roeg, der vor allem durch seine eigenwilligen und nicht zuletzt kontroversen Filme WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN (1973) und DER MANN, DER VOM HIMMEL FIEL (1976) nicht nur beim Publikum, sondern vor allem auch in Kritikerkreisen für Aufsehen sorgte, erzählte seinerseits, dass er guten Gewissens ein paar besonders gruselige Szenen im Schneideraum liegengelassen hat. Denn nach der Reaktion seines Sohnes bei einer Testvorführung, besann er sich offenbar eines Besseren und erleichterte seine Horrorkomödie um einige gruselige Details.
In der Tat ist der Film in der ersten Hälfte für junge und zarte Gemüter starker Tobak, denn wenn Hexen hexen, verheißt das nichts Gutes. Zumal dem Film hierzulande eine Altersfreigabe ab sechs Jahre bescheinigt wurde, was sicherlich diskutabel sein darf. Aber der Schreck, so herausfordernd er auch sein mag, könnte sich dankenswerter Weise an seinem Gewöhnungseffekt und dem weiteren, komödiantischen und harmloseren Verlauf der erzählten Geschichte abnutzen.
Die zweite Hälfte entpuppt sich sowohl als rührselige, wie auch turbulente Achterbahnfahrt mit tollen Ideen und geradezu niedlichen Mäuse-Puppen-Animationen, wie sie nur aus der magischen Hand von Muppet-Erfinder Jim Henson erschaffen werden konnten. Es sollte bedauerlicherweise Hensons letzte Arbeit sein, denn am 16. Mai 1990, nur neun Tage vor der Filmpremiere in London, starb der beliebte und preisgekrönte Schauspieler und Puppenspieler unerwartet an einer Sepsis, die eine verschleppte Lungenentzündung verursacht hatte. Übrigens ein halbes Jahr später starb auch Roald Dahl, der neben “Hexen hexen” hierzulande vor allem auch für seine Geschichte “Charlie und die Schokoladenfbrik” bekannt geworden ist, an einer seltenen Art von Blutkrebs.
Gegenüber Roels Verfilmung zeigte sich Dahl recht kritisch, da diese sich im Gegensatz zu seinem Buch um ein gutes Ende bemüht. In Dahls Erzählung gibt es keine Hexe, die sich letztlich zum Guten bekehrt und den Kindern ihre menschliche Gestalt wiedergibt. Die Kinder bleiben Mäuse. Roeg und Henson zeigten sich dem britischen Autor anfangs noch recht versöhnlich und drehten ein alternatives und rührseliges Ende, verwendeten aber schließlich das nun bekannte Ende für die finale Filmfassung. Wohl nur mit gutem Zureden konnte Jim Henson den verärgerten Dahl davon abhalten, seinen Namen aus den Credits streichen zu lassen. Auch sind Luke und seine Oma, die nicht wie hier an Diabetes leidet, sondern an einer Lungenentzündung erkrankt und deshalb Erholungsurlaub benötigt, im Roman namenlos und die Handlung wird aus der Perspektive des Jungen geschildert. Abgesehen von diesen Abweichungen ist HEXEN HEXEN eine recht detailgetreue Adaption.
Die Besetzung leistet tolle Arbeit und verfällt trotz der komödiantischen Interpretation nie in überflüssige Albernheiten. Die Darstellung der Hexen kratzt teilweise an der Grenze zum Overacting, bleibt aber in einem angemessenen Rahmen. Neben der bereits erwähnten Anjelica Huston, die zu dieser Zeit mit Jack Nicholson liiert war, sticht dabei die englische Schauspielerin Anne Lambton hervor, die als “schwarze Frau” nicht nur unverschämt gehässig ist, sondern auch sehr bedrohlich wirkt. Die gebürtige Schwedin Mia Zetterling spielt die liebenswürdige Oma mit Wonne. Wenn sie mit ihrem Enkel ihr Wissen über Hexen teilt, strahlt sie eine Sicherheit aus, die in den tatkräftigen Auseinandersetzungen mit den Hexen jedoch an ihre Grenzen stößt.
Ihren Enkel Luke verkörpert Jasen Lee Fisher, der für seine Rolle ein Jahr später mit dem Saturn Award als bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet wurde. Angesichts der starken Leistung, die der damals Zehnjährige abliefert, wenn er sich mit Händen und Füßen gegen den Hexen-Mob vergeblich zur Wehr setzt, ist das zweifelsfrei berechtigt. Ein Jahr zuvor wurde der gebürtige Chicagoer schon für den Preis des besten Nebendarstellers nominiert, als er in der Komödie EINE WAHNSINNSFAMILIE sein Debüt gab. Aber bereits ein Jahr nach HEXEN HEXEN beendete er nach seinem ebenfalls für einen Filmpreis nominierten Auftritt in Steven Spielbergs Fantasy-Hit HOOK seine Schauspielkarriere.
In einer Nebenrolle als Hotelmanager glänzt übrigens Rowan Atkinson, der kurz zuvor im selben Jahr mit seiner TV-Kultserie “Mr. Bean” auf Sendung gegangen war. Nicht ganz so skurril wie in seiner berühmtesten Rolle, hat Atkinson dennoch ein paar Lacher auf seiner Seite und ihm gebührt am Ende sogar die Ehre, der Oberhexe - nunmehr in Mäusegestalt - das Lebenslicht auszupusten. Hinter den Kulissen passierte ihm allerdings ein gehöriges Malheur. Nachdem er versehentlich den Wasserhahn in seinem Hotelzimmer laufen ließ, zerstörte die dadurch verursachte Überschwemmung einen großen Teil des elektronischen Equipments der Filmcrew. Ein Szenario, das auch aus einer “Mr. Bean”-Episode stammen könnte.
Mittlerweile hat HEXEN HEXEN einen kleinen Kultstatus erlangt, was dazu führte, dass die Geschichte, wie oben schon erwähnt, dreißig Jahre später unter der Regie von Robert Zemeckis (u.a. ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT) und mit Anne Hathaway in der Rolle der Oberhexe neu verfilmt wurde. Leider geht dieser Verfilmung die emotionale Dramatik, zumal die zwischenmenschlichen Beziehungen der Figuren zueinander, im Vergleich zur vorliegenden Originalverfilmung ab. Dafür bedient sie großzügig, wenn auch oberflächlich, die gesellschaftlichen Konflikte zwischen den weißen und schwarzen Bevölkerungsgruppen. Vor allem mangelt es Zemeckis Film an visuellem Einfallsreichtum. Die zeitgemäßen CGI-Effekte dieser 45 Millionen Dollar teuren Produktion lassen die Liebe zum Detail, die wir in den tollen Maskenarbeiten und Hensons Puppenspielereien finden, schmerzlich vermissen. Von der scheußlichen Fratze der Oberhexe ist hier nichts mehr zu sehen. Stattdessen beschränkt man sich auf etwas verpustelte Kopfhaut, flatternde Nasenflügeln und in erster Linie die groteske Mundpartie. Charakteristisch unterscheiden sich die Oberhexen deutlich. Strahlte die eine eiskaltes Kalkül aus (Huston), leidet die andere größtenteils an Kontrollverlust (Hathaway) ohne Rücksicht auf Verluste der eigenen körperlichen Unversehrtheit. Zemeckis Film hält zwar den einen oder anderen Schockmoment für das junge Publikum parat, aber die oberflächliche Inszenierung bewahrt sie vor einer tiefergehenden Traumatisierung. Da hat dreißig Jahre zuvor Nicolas Roeg seinen Zuschauern offenbar mehr zugetraut.