Man nehme eine alte irische Sagengestalt (wenn auch sehr stark durch den Hollywood-Fleischwolf gedreht), Jennifer Aniston ganz am Anfang ihrer Karriere, eine Handvoll skurriler Nebencharaktere und herrliche 90er-Jahre-Computereffekte – fertig ist einer der schrägsten Horrorfilme seiner Dekade, der so erfolgreich war, dass er bis heute knapp ein halbes Dutzend Fortsetzungen nach sich zog: „Leprechaun“ erzählt die Geschichte eines ebensolchen grün gekleideten Gnoms, der gierig jedem nach dem Leben trachtet, der es wagt, sein Gold zu stehlen. Aniston und ihre Gefährten geraten eher zufällig in seinen Weg, sehen sich aber gezwungen, ihm sein Gold zu beschaffen, um mit dem Leben davonzukommen.
Vieles an dieser mittelgroßen Produktion (immerhin knapp 900.000 Dollar Budget) sieht vor allem aus heutiger Sicht skurril bis bizarr aus: etwa die Witzfiguren, aus denen das zentrale Personal besteht – ein jugendlicher Klugscheißer, ein so sympathischer wie mental beschränkter Kumpel und ein gutaussehender und vernünftiger Anführer; Anistons Figur muss dagegen dafür herhalten, eine Entwicklung vom verwöhnten Großstadtkind zur mutigen Freundin durchzumachen. Auch die erwähnten Computereffekte sorgen für den einen oder anderen echten Lacher, vor allem, wenn urplötzlich ein magischer Regenbogen am Himmel erscheint. Und die Dramaturgie fällt alles andere als subtil oder zielgerichtet aus – immer wieder werden Szenen gegeneinander geschnitten, die die Story nur bedingt voranbringen.
Doch „Leprechaun“ hat für Zuschauende, die sich mit einer leichten Trash-Note abfinden können, auch durchaus mehr zu bieten: So fallen etwa die handgemachten Splattereffekte, auch wenn sie nur spärlich zu sehen sind, recht überzeugend aus. Eine abgetrennte Hand, die zu ihrem Besitzer zurückkriecht, ein herausgerissenes Auge, blutige Attacken gegen mehr oder weniger zufällige Menschen können sich tatsächlich sehen lassen. Und auch das Make-up der zentralen Figur, verkörpert von Warwick Davis, wirkt mit seiner hässlich missgestalteten Art ziemlich eindrücklich.
Vor allem die Unbekümmertheit, mit der der kleinwüchsige Hauptdarsteller hier für allerhand absurde Szenen herhalten muss, schwankt aus heutiger Sicht irgendwo zwischen diskussionswürdig und mutig-vorbildhaft: So lässt er immer wieder seinem Spieltrieb hemmungslosen Lauf, wenn er etwa mit einem Hüpfstab einen Ladenbesitzer zu Tode hüpft oder mit einem elektrischen Spielzeugauto für Kinder über die Landstraße flitzt – und dabei direkt von einer Polizeistreife angehalten wird! Insgesamt überrascht „Leprechaun“ immer wieder mit grandios bescheuertem Humor, und das bis in die Details: Die Malerfirma, die die drei männlichen Hauptfiguren zusammen betreiben, heißt allen Ernstes „3 Guys who paint“, und der Leprechaun schreckt auch nicht vor Dreirädern oder Rollstühlen als Fortbewegungsmittel zurück, was immer wieder für absurde Bilder sorgt.
Zugegeben: Über der Skurrilität des „Monsters“ und der platt-witzigen Hauptfiguren geht der Horror ein wenig verloren. Richtig gruselig oder gar spannend wird es zu keinem Zeitpunkt, und auch die Gewalt bleibt insgesamt überschaubar. Auch ist die Dramaturgie wie gesagt reichlich hölzern, ähnlich wie viele Dialoge vor allem in den ruhigen Passagen, und von formaler Originalität braucht man hier gar nicht erst zu reden (auch wenn ein oder zwei Kameraeinstellungen überraschend exzentrisch ausfallen und manche künstlichen Beleuchtungen mit giftig grünem Licht einen Hauch Horrorfilm-Expressionismus versprühen).
Trotzdem kann „Leprechaun“ als eher witziges denn gruseliges Beispiel für unbekümmert-quirligen 90er-Horror recht gut unterhalten – dafür sorgen die irrwitzigen Ideen und Details, ein herrlich überdrehter Hauptdarsteller in tollem Make-up und eine Inszenierung, die immerhin für viel Tempo sorgt. Für Genre-Fans definitiv ein kleiner Klassiker-Tipp.