Bei Jonas Pate´s 1996er Regie-Debüt „the Grave“, welches hierzulande den Titel „die Gruft in den Sümpfen“ trägt, eine generell nicht uninteressante Besetzung vorweisen kann und sich im Ganzen recht treffend als eine nette Kombination aus einem mit dramatischen Elementen angereicherten Thriller und einer schwarz-humorigen „Southern Gothic“-Kriminal-Geschichte umschreiben lässt, handelt es sich um einen dieser B-Movies, auf die man hin und wieder mal per Zufall im nächtlichen TV-Programm stößt und bei denen man im Folgenden dann manchmal geradezu unweigerlich „irgendwie hängen bleibt“, u.a. weil das Gebotene auf Anhieb Neugier erzeugt sowie einen fortan auch über die volle Laufzeit hinweg anständig zu unterhalten vermag. Genau so erging es mir vor etlichen Jahren mal mit dem hier vorliegenden Streifen – weshalb ich mich Mitte 2009 umso ausgiebiger über die Ankündigung seiner erstmaligen Veröffentlichung auf DVD (in Australien) gefreut habe...
Das narrative Rahmengerüst des Films markierend, berichtet ein Todeskandidat, der in einer merkwürdigen Stimmlage spricht und stets in den Schatten seiner Zelle verbleibt, einem interessierten Zuhörer (Keith David) in den Stunden vor seiner Hinrichtung von den beiden schon lange miteinander befreundeten Kleinganoven King (Craig Sheffer) und Tyn (Josh Charles), denen ein Mithäftling (Giovanni Ribisi) während eines gemeinsamen Knast-Aufenthalts (vor zwei Jahren) mal eine Anekdote über einen verstorbenen reichen Geschäftsmann erzählte, der sich angeblich zusammen mit seinem umfangreichen Vermögen (Gold, Schmuck etc.) hat beerdigen lassen. Innerhalb ausgedehnter Rückblenden, welche fortan die zentrale Story-Ebene bilden, schmiedet das Duo daraufhin nun also den Plan, auszubrechen und sich den verlockenden „Schatz“ unter den Nagel zu reißen. Mit Hilfe eines korrupten Wärters (John Diehl) gelingt ihnen ersteres sogar relativ zügig – doch ändert sich ihr Glück jäh, als Tyn auf der Flucht von einem Farmer angeschossen wird, wonach King (widerwillig) auf die Unterstützung seines alten Kumpanen Travis (Anthony Michael Hall) zurückgreifen muss, der in einem Bestattungsinstitut arbeitet und die fiese Bauchwunde (dank seiner dort erworbenen Kenntnisse) immerhin notdürftig verarzten kann...
Um ihren Vorsprung gegenüber den Behörden auszunutzen und das Ziel ihres Vorhabens möglichst rasch zu sichern, lässt King seinen Freund wenig später aber erst einmal (nach dessen Segen und Aufforderung) in Travis´ Obhut zurück – u.a. um seine ehemalige Flamme Jordan (Gabrielle Anwar) ebenfalls „mit ins Boot zu holen“, quasi als Wiedergutmachung für minder feines Verhalten (ihr gegenüber) in der Vergangenheit. Die Sache ist nur, dass Tyn parallel dazu an den Auswirkungen seines hohen Blutverlusts verstirbt – er unmittelbar vor seinem Ableben Travis jedoch noch etliche Details hinsichtlich der anvisierten Werttümer mitgeteilt hat, weshalb sich jener nun gemeinsam mit seinen Hillbilly-Buddys Cletus (Donal Logue) und Boo (Max Perlich) auf den Weg begibt, um sich selbst mit dem vergrabenen „Erbe“ die Taschen zu füllen. Zudem stellt sich dann aber (zu allem Überfluss) auch noch heraus, dass sie allesamt von einer weiteren Person verfolgt werden – und diese für den „Schatz“ (frei etwaiger Skrupel) über Leichen zu gehen bereit ist. Fortan an reiht sich ein Verrat, Twist, Rätsel, gelüftetes Geheimnis und unschönes Schicksal geradezu ans nächste...
„the Grave“ wurde an verschiedenen Locations im US-Bundesstaat North Carolina gedreht und verfügt über eine schön dichte „Southern Gothic“-Atmosphäre, welche eine Menge zur Stimmung des Films beiträgt sowie (des weiteren) auch dienlich mit der grundlegenden Gestaltung seiner Inhalte und Charaktere harmoniert. Unter brütender Sonne müssen die Häftlinge auf Feldern arbeiten, Tyn´s und King´s Flucht führt sie durch unwegsame Sumpflandschaften, die zu sehenden Gebäude (Häuser, Scheunen etc.) sind eher unmoderner, betagter Natur sowie im typischen Baustil jener Region erreichtet, Insektenlaute können allgegenwärtig vernommen werden und die permanent vorherrschende schwüle Hitze ist buchstäblich spürbar – nicht nur weil die Kleidungsstücke den verschwitzten Akteuren meist geradezu am Leibe kleben. Für die adäquate Bebilderung des Werks war Cinematographer Frank Prinzi („Night of the living Dead“ 1990) zuständig, was ihm alles in allem gut gelungen ist, und unterlegt wurde die ganze Angelegenheit dazu noch mit einem klangvollen Score Alex Wurmans („the Nines“) sowie diversen schmissigen Bluegrass-Musikstücken – was mich unweigerlich an Antonia Bird´s „Ravenous“ erinnerte, bei dem der „Klang“ des Soundtracks in vergleichbarer Weise einen ähnlich skurrilen Kontrast zu den eigentlich gebotenen Geschehnissen erzeugt...
Insbesondere B-Movie-Fans ist innerhalb der Cast-Reihen das Erspähen so einiger vertrauter Gesichter möglich, was einen zusätzlichen „Pull-Faktor“ dieser relativ kleinen Produktion markiert: Unabhängig dessen, dass die betreffenden Mimen ihre Südstaaten-Akzente (trotz ausnahmslos redlicher Bemühungen) jeweils nur bedingt authentisch klingend zu meistern vermochten, legen sie (dem ungeachtet) durch die Bank weg vernünftige Performances an den Tag – füllen ihre (seitens des Skripts partiell nicht allzu reichhaltig gezeichnete) Charaktere also anständig mit Leben aus. Craig Sheffer („Nightbreed“) verkörpert die Hauptrolle ordentlich, was gleichermaßen auf die bezaubernde Gabrielle Anwar (TV´s „Burn Notice“) zutrifft, welche damals ja auch privat an seiner Seite stand. Josh Charles („Threesome“), John Diehl („Fail Safe“) und Keith David („Crash“) agieren gewohnt solide – ebenso wie Donal Logue („Ghost Rider“) und Max Perlich („the Missing“) als zwei unterbelichtete Rednecks. In Cameos sind überdies Giovanni Ribisi („Avatar“) und Eric Roberts („Runaway Train“) zu sehen, wobei letzterer eine echt vergnügliche Geschichte über seine Frau zum Besten gibt – doch es ist (zumindest meiner Meinung nach) ausgerechnet der ehemalige „Brat Pack“-80er-Jahre-Star Anthony Michael Hall („the Breakfast Club“), der als ständig zwischen „zielgerichtet ambitioniert“ und „mit der aktuellen Situation merklich überfordert“ schwankender Anführer des habgierigen Trios die sehenswerteste Leistung abliefert…
Frei klassischer „Heldenfiguren“, u.a. weil jeder (mehr oder minder stark ausgeprägt) sowohl vom eigenen Vorteil geleitet handelt als auch in irgendeiner Weise Dreck am Stecken hat, ist es dem brüderlichen Skriptautoren-Gespann Josh und Jonas Pate insgesamt jedoch prima geglückt, den meisten von ihnen trotzdem gewisse Sympathiewerte zuzugestehen – primär da nur die wenigsten von ihnen „wirklich böse“ sind, sondern sie (stattdessen) entweder einfach nur die sich ihnen bietende Chance auf ein gediegeneres Leben mit Nachdruck ergreifen wollen oder es schlichtweg nicht besser wissen (sprich: nicht unbedingt die hellsten Kerzen auf Gottes Torte sind). Obgleich die Story an sich weder allzu komplexer noch innovativer Beschaffenheit ist, funktioniert sie dennoch rundum zufriedenstellend – nicht unerheblich aufgrund der Tatsache, dass sie mit einem unverkennbaren Augenzwinkern erzählt wird. Der injizierte schwarze (sporadisch recht makabere) Humor bereitet Freude, der umfassende „Basis-Ton“ vermittelt (meist unterschwellig) einen eher „lockeren“ Eindruck und wartet zudem regelmäßig mit einer eigenwilligen Situationskomik auf, was so ja einen weiteren Gegensatz zu den präsentierten Intentionen, Taten und Set-Pieces darstellt – worüber hinaus (zusätzlich noch) bestimmte Dialoge, Ausführungen und One-Liner erheiternd zum grundsätzlichen Sehvergnügen beitragen. Für zwei „Drehbuch-Debütanten“ gar nicht mal übel…
„the Grave“ wurde von seinem Regisseur, welcher sich seither im Übrigen vorrangig als Produzent verschiedener TV-Serien (á la „Surface“, „the Philanthropist“ oder „Caprica“) einen Namen gemacht hat, mit einem Budget von nur rund 1,5 Millionen Dollar „handwerklich sauber“ umgesetzt. Frei jeglicher „stilistischer Experimente“ (wie etwa „flashy“ Kamera- oder Editing-Spielereien), die eventuell vom Plot bzw. der eigentlichen Verlaufsentfaltung hätten ablenken können, konzentrierte er sich bei seiner Inszenierung aufs Wesentliche – was die ebenso düsteren wie atmosphärischen Locations selbstverständlich mit einschließt. Da er diese Aspekte des generell erfreulich unterhaltsamen Films derart gut im Griff hatte, fällt es einem dann auch leichter, wohlwollend über kleinere „Unebenheiten“ hinwegzusehen (z.B. im Bereich des Tempos, welches man an einigen Stellen getrost einen Tick straffer hätte halten können). Erwartungsgemäß resultiert der gewählte narrative Aufbau (das Vortragen und Kommentieren der Gegebenheiten in Form von Rückblenden) in einer überraschenden finalen Offenbarung – welche aber bloß die letzte einer ganzen Reihe unterschiedlicher Wendungen markiert, die ihrerseits eine potentielle Vorhersehbarkeit entlang des kompletten Weges (bis hin zum Einsetzen der Schluss-Credits) ersprießlich minimieren…
Fazit: Fans vergleichbarer B-Movies, augenzwinkernder „Southern Gothic“-Kriminal-Geschichten und/oder auch der guten alten „Tales from the Crypt“-Episoden, von denen so einige ähnlich bitter-böse und verzwickt daherkommen, sollten Jonas Pate´s „the Grave“ (bei Gelegenheit) auf jeden Fall ruhig mal eine Chance zugestehen...
starke „6 von 10“