Auch wenn es natürlich diskutierbar ist: Für mich ist „Muxmäuschenstill“ die deutsche Antwort auf „Fight Club“. Anders als bei „Fight Club“ ist Hauptdarsteller Mux allerdings nicht der Kopf militanter Anarchisten, sondern ein militanter Pedant auf der Suche nach Sinn. Und diese Sinnsuche ist äußerst skurril und absurd komisch geworden – einfach köstlich.
Zur Story: Mux hat einen Plan: Der pedante selbsternannte Weltverbesserer und Moralapostel bestraft alle kleinen und großen Sünder, deren Verbrechen von der Gesellschaft teils ignoriert werden. So geht er z.B. Schwarzfahrern, Schwimmbad-Pinklern und Spannern auf den Leim. All seine „Ordnungsmaßnahmen“ lässt er von seinem Angestellten - den verwahrlosten Langzeitarbeitslosen Gerd - auf Camcorder dokumentieren. Als er allerdings von seiner scheinbar reinen Beinahe-Freundin Kira enttäuscht wird, eskaliert die Situation…
Regiedebütant Marcus Mittermaier gelang mit Drehbuchautor und Hauptdarsteller Jan Henrik Stahlberg ein originelles und nachdenklich stimmendes Highlight des deutschen Films jüngeren Datums. Stahlberg spielt sowohl herrlich skurril und pedantisch als auch idealistisch und realitätsnah. Fritz Roth als Gerd spielt den Durchschnittsdeutschen schlechthin: im Leben gescheitert, treudoof und etwas bieder.
Seine Komik bezieht „Muxmäuschenstill“ aus seiner Absurdität: der unkonventionellen Bestrafung von „Wiederholungstätern“ zum Beispiel. Da wird ein Hundehalter schon einmal mit der Nase in die Exkremente seines Lieblings gedrückt. Das millimetergenaue Drehbuch kennt dabei in seinen fiesen Ideen keine Begrenzung und die Pointen sitzen. Auch das Finale ist hinsichtlich dessen äußerst konsequent, was etwas überrascht.
Die Gesellschaftskritik ist äußerst unterhaltsam verpackt und hält dem ordnungswidrigen Sünder in jedem von uns den Spiegel ohne erhobenen Zeigefinger vor. Einzig die Medienkritik (hauptsächlich nur im Epilog am Schluss des Films zu finden) kommt etwas zu kurz.
Den Begriff Experimentalfilm sollte man auch hier vermeiden, allerdings kann man den Inszenierungsstil schon als extravagant bezeichnen. Auf jeden Fall ein erfrischender und hoch aktueller gesellschaftskritischer Film mit originellem Drehbuch. Einziger Schwachpunkt: Manchmal ist selbiges etwas trocken geraten und mit Längen – aber diese Stellen sind selten. In deutschen Landen ist ein solches filmisches Kleinod allerdings leider eine Seltenheit…