„Farewell, My Lovely“ ist die inzwischen zweite bzw. dritte (zählt man „The Falcon Takes Over“ auch noch dazu) Adaption der gleichnamigen Novelle von Raymond Chandler – und gleichzeitig auch diejenige, die der Vorlage am stärksten gleicht. Nichtsdestotrotz kommt diese Verfilmung nicht an die 44er Version von Edward Dmytryk heran:
Privatdetektiv Philip Marlowe (Robert Mitchum) erhält von dem frisch entlassenen Sträfling Moose Malloy (Jack O'Halloran) den Auftrag seine ehemalige Freundin Velma, die er nach seiner Festnahme vor sieben Jahren das letzte Mal gesehen hat, aufzuspüren. Diese eigentlich simple Aufgabe entpuppt sich jedoch schnell als harte Nuss und Marlowe dringt tief in die Vergangenheit ein; vielleicht zu tief, denn immer mehr Parteien scheinen sich plötzlich für den Fall zu interessieren. Von Velma fehlt weiterhin jede Spur und einige Hinweise erweisen sich als Sackgassen. Marlowe nimmt daraufhin etwas Abstand von diesem Fall und widmet sich einem einfachen Job – einer Geldübergabe. Doch ehe er sich versieht, steckt er in einem Mordfall, nicht ahnend, dass diese Angelegenheit und Velmas Verschwinden mehr miteinander zu tun haben, als zu erst angenommen. Je näher er des Rätsels Lösung kommt, desto gefährlicher wird die Situation und man trachtet ihm das ein oder andere Mal nach seinem Leben...
Das, was einen hier erwartet, ist ein klassischer Film-Noir, so wie er in seiner Blütezeit Gang und Gebe war: spärlich ausgeleuchtete Sets, an denen oftmals nur nachts gedreht wurde, zwielichtige Gestalten, Privatdetektive, verführerische Frauen, Korruption, Mord und Verrat. Das sind die Zutaten, die diese Filme ausmachen. Die Geschichte beginnt in einem kleinen Hotelzimmer und in einer Rückblende erzählt uns Marlowe, oftmals mittels Voice-Over, wie er in diese Situation geraten ist. Und diese Story hat es wahrlich in sich, denn sie ist gespickt mit diversen Personen, Orten und falschen Fährten, sodass nicht nur unser Protagonist im Dunkeln tappt, denn auch der Zuschauer kann sich zu diesem Zeitpunkt schnell verloren vorkommen. Zu viele Informationen prasseln auf einen ein, doch zum Glück beginnt sich der Nebel langsam zu lichten. Interessant an diesem Film ist, dass die Spannungskurve relativ weit oben einsetzt, resultierend aus der unbekannten und verworrenen Situation und über die gesamte Laufzeit ein konstantes Level beibehält. Dabei ist das Erzähltempo von ruhiger, manchmal zu ruhiger Natur, und der Film scheint wenig vorwärts zu kommen. Damit das Publikum in diesen Momenten nicht die Lust verliert, streut Regisseur Dick Richards auch einige dynamische, actionreichere Szenen ein, die dem Ganzen einen kurzen Schub geben, bis es wieder in gewohnten Bahnen verläuft. Problematisch bei Werken dieser Art ist meist die finale Aufklärung des Geschehens, denn die verschiedenen Erzählstränge müssen halbwegs plausibel zusammengeführt werden. Ist dies nicht der Fall, so wirkt das Gesehene mehr als unglaubwürdig und zu sehr gestellt. Zum Glück schafft „Fahr zur Hölle, Liebling“ diesen Spagat zu großen Teilen und bei der finalen Konfrontation erfolgt dann die Auflösung der Geschichte, welche jedoch den gewissen Aha-Effekt vermissen lässt. Dies liegt wahrlich nicht Chandlers Vorlage, sondern an den verpassten Chancen bei dessen Umsetzung. So geht nicht nur diese letzte, wichtige Szene in dem Gezeigten unter - wird der Akzent falsch gesetzt - wodurch eine Konzentration auf diesen wichtigen Moment nicht richtig stattfindet und die Spannung, die Dramaturgie, nicht weiter gesteigert werden kann. Ähnlich ergeht es in anderen Szenen, wie z.B. im Bordell, als sich Marlowe in einer fast ausweglosen Szenerie befindet oder bei dem Hinterhalt, in den er und Moose geraten. Hier wäre ein „Anziehen“ des Plots, ein Zuspitzen der Situation, sicherlich schön gewesen, denn obwohl ich das hoch angesetzte Spannungslevel gelobt habe, so ist dies aber wenig nützlich, wenn es keine wirklichen Highlights gibt. Als Zuschauer möchte man eben die Hochs und Tiefs miterleben, die Spannung muss aufgebaut werden, aber es sollte ebenso Moment des Verschnaufens geben, damit man im Gegenzug gleich noch etwas weiter gehen kann. Hier wurde leider viel Potential verschenkt. Dafür knistert es ganz ordentlich, wenn die Femme fatale in Person von Charlotte Rampling die Bühne betritt. Lasziv umgarnt sie die Männer und setzt dabei geschickt die Waffen der Frauen ein. Überhaupt ist der Film in der Beziehung näher am Buch gehalten, denn auch die „offenherzigen“ Szenen im Bordell gibt es in den anderen Verfilmungen so nicht zu sehen. Eingerahmt werden diese Bilder, natürlich auch die restlichen, in einen wunderbaren Score, der perfekt zu der im Film dargestellten Zeit passt: düster, schwermütig, wie die Charaktere im Film, und dabei trotzdem melodisch. Auch das restliche Setting und die Ausstattung versprühen einen authentischen Look der Vierziger Jahre.
Wichtig bei solchen Projekten ist natürlich auch der richtige Cast und mit Robert Mitchum hat man einen genreerprobten Hauptdarsteller an Bord, der in vielen ähnlichen Produktionen sein Können unter Beweis gestellt hat. Seine Verkörperung Philip Marlowes ist im Großen und Ganzen angemessen und passt auch zu dem Bild des gebrochenen Mannes, dessen einzige Freude Baseball und hier insbesondere Joe DiMaggios Spiel, zu sein scheint. Hervorzuheben ist hier sicherlich die Szene, in der Marlowe versucht nach seiner Betäubung wieder Fuß zu fassen und dabei herumtorkelt oder aber auch die zynischen Kommentare, die während des Films über Mitchums Lippen wandern. In einigen Passagen wirkt er jedoch zu lethargisch und dröge und das führt auch dazu, dass der Film durchaus einige kleinere Längen hat. Zu den wichtigen Nebendarstellern gehört auf jeden Fall Jack O’Halloran, der allein optisch schon eine beeindruckende Figur macht. Aber auch seine Darstellung des etwas langsamen und einfältigen Moose kann durchaus überzeugen und mitsamt seiner dt. Synchronstimme wirkt er sehr authentisch. Des Weiteren hat Charlotte Rampling als Ehefrau des Richters eine große Bedeutung für den Film, wenngleich sie nur in vergleichsweise wenigen Szenen auftritt. Doch hier lässt sie ihren Charme und ihre Reize spielen und ihre Durchtriebenheit merkt man ihr schon an. Ganz interessant dürfte auch sein, dass der zu diesem Zeitpunkt eher unbekannte Sylvester Stallone eine kleinere Rolle als Handlanger der Puffmutter hat. Mit John Ireland und Harry Dean Stanton als die beiden ermittelnden Polizisten, trifft man noch weitere bekannte Personen an, die durch akzeptable Vorstellungen das Bild abrunden.
Abschließend bleibt zu sagen, dass „Farewell, My Lovely“ ein durchaus überzeugender Film-Noir ist, der jedoch durch seine teilweise schlechte Inszenierung viel Potential verschenkt und so nicht an die 44er Version herankommt. Nichtsdestotrotz ist der Film mehr als nur einen Blick wert und Fans der klassischen Hollywoodfilme werden angesichts der Machart und dem optischen Erscheinungsbild sowieso ihre Freude haben und auch der Rest darf durchaus mehr als nur einen Blick riskieren.