Review

Eine Killercollage

„The Manson Family“ von Jim Van Bebber ist eine einzigartige Collage, Mockumentary, ein Alptraum und Ausschnitt aus einer ganz speziellen Episode der USA. Hier flackern Lichter wie Seelen. Sie ficken, foltern und fallen. Von der Ranch, von der anderen Seite, von den Anfängen bis zum Kult nach dem Kult. Eine wilde Fake-Doku, wirr und wahrhaft, verrückt und kreuz und quer. Aber genau das macht seine Faszination aus. Über 10 Jahre in der Mache. Ein pures Passionsprojekt. Ein Werk des Willens. Nah an Musikvideos, nah an Alpträumen. Von Heltah Skeltah bis zur Faszination von Serienmördern. Von einer verlorenen Generation zur verlorenen Spezies? Wenig Hoffnung, viele Orgien. Laut Mythos mit echten Sexszenen. Wüste und Büsche. Aber weit mehr als nur sprunghaftes und rebellisches Skandalschmuddelfilmchen. Für mich echte Kunst. 

Der Untergrund drängt nach oben 

„The Manson Family“ muss man fühlen und über sich ergehen lassen. Und dann wohl entweder lieben oder hassen, dazwischen gibt’s wenig, könnte ich mir vorstellen. Wie ein psychedelisches Brainstorming in freier Filmform, merkt man ihm seine lange Entstehung und sein „Chaos im Kopf“ in jeder Pore an. Aber das passt zum Thema und seinen verlorenen Protagonisten fast noch mehr. Keine Doku, aber auch nicht super meta a la „Once Upon a Time In… Hollywood“. Eine sehr eigene, fordernde und dreckige Mischung. Danach weiß man nicht unbedingt mehr, danach will man erstmal duschen, danach macht man sich noch lange Gedanken. Gefangen in einer Welt aus Perversion, Angst, vorgegaukelter Freiheit und Freundschaft. Kein Friede, nur Abgrund. Und da wurde nicht nur zu lange hineingeguckt, sondern direkt eine Orgie in ihm gefeiert. Von freier Liebe zum Mord an Unschuldigen, von Eigenständigkeit zu Abhängigkeit, vom Sommer '69 bis zum Morgen des 10. August '69. Von der Verehrung von Psychopathen bis zum Verlust der eigenen Identität. Drogen, Sex, Kontrollverlust. Natur und Gewalt. In „The Manson Murders“ gehen Gegensätze Hand in Hand, werden sie spürbar gemacht, will man weggucken aber kann es nicht. Zwischen Kunstausstellung, Snufffilm, Porno, Doku und Spielfilm. Ein Untergrundjuwel, nicht für jedermann! 

Hippies gone bad, Lovers gone mad 

Fazit: experimentell, exzentrisch, echt gut - „Manson Family“ könnte kaum weiter entfernt sein vom Mainstream, ist eine künstlerisch-kongeniale Kakophonie eines einmaligen Regisseurs. Dagegen wirken selbst „Natural Born Killers“ oder „Sid & Nancy“ ganz „normal“. Kompromisslos und kraftvoll! 

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