School's out for summer,
school's out forever
Im Herbst 1999 ging’s mit der zweiten Staffel weiter:
Kaum hat Vera Herzog in der ersten Episode ihre neue Stelle als Schulleiterin des Internats angetreten, stellt sie ein neuer Schüler vor Probleme: Georg Brückner (Jan Andres, „Laura und Luis“), Spitzname: Grobi, ist impulsiv und gewalttätig und gerät direkt nonverbal mit Mario aneinander. Grobi fliegt gleich wieder vom Internat und ist daraufhin so verzweifelt, dass er einen Selbstmordversuch unternimmt. Als Vera Grobis Hintergrundgeschichte erfährt (er stammt aus einem zerrütteten Elternhaus und hat einen ebenfalls gewalttätigen, alkoholabhängigen Stiefvater), gibt sie ihm noch eine Chance, er kann also doch auf dem Internat bleiben. Weniger überlegt handelt Vera jedoch ihr Privatleben betreffend: Aus nichtigen Gründen trennt sie sich von Fritz Bülow. Diese Folge versucht die häufig traurigen Hintergründe gewalttätigen Verhaltens aufzuzeigen und empfiehlt pädagogische Ansätze statt Sanktionen. Die Beziehung zwischen Vera und Fritz mutet immer bizarrer an und ist für Außenstehende kaum noch nachvollziehbar. In einer Nebenrolle: „Großstadtrevier“ und „Neues aus Büttenwarder“-Star Peter Heinrich Brix.
In Episode 2 kommt Lolle zum Zuge: Zusammen mit ihrer Freundin Rosa (Bernadette Heerwagen, „Die Nacht der Engel“) trainiert sie für die Aufnahmeprüfung an der Hamburger Musicalschule. Daraus entbrennt jedoch ein Konkurrenzkampf untereinander, der erst endet, als beide von der Schule abgelehnt werden. Lolle-Darstellerin Dorina Maltschewa kann damit endlich einmal zeigen, wie gut sie singen und tanzen kann. Kein Wunder, ist sie doch eine ausgebildete Musicaldarstellerin, die, 1973 geboren, wesentlich älter als ihre Rolle war. Bisweilen enervierend wirkt jedoch das Gezicke zwischen Lolle und Rosa, wenngleich die daraus letztlich abgeleitete Aussage, Freundschaft sei wichtiger als eine etwaige Karriere, wiederum stimmt. Im Nebenstrang streiten sich Vera und Dr. Blüm um Lieblingsschüler Alf, an dem beide einen Narren gefressen haben. Gut gelungene, in sich abgeschlossene Folge, die auch den Umgang mit Niederlagen thematisiert.
Eine weitere neue Mitschülerin und damit ein weiterer Konflikt in der dritten Episode: Passend zum Thema „Gewalt zweier rivalisierender Gruppen“ wird im Unterricht „Clockwork Orange“ behandelt. Laras Freund Magga (Matthias Koeberlin, „Schimanski: Rattennest“) hat nämlich Streit mit den Prinzenhäuslern und fordert ein Duell. Neuling und Boxsportler „Prince“ alias Grobi wird auserkoren, sich mit ihm zu messen, will aber eigentlich nicht – schließlich hat er seine Lektion aus der vorausgegangenen Folge gelernt. Andererseits will er aber auch nicht als feiger, kneifender Verräter dastehen. Er sucht den Dialog und lässt sich sogar erniedrigen, nur um dem Kampf zu entgehen. Maggas Clique misshandelt jedoch Alf, womit das Fass zum Überlaufen gebracht wird. Die übrigen Prinzenhäusler trainieren nun ebenfalls Boxen. Stefan soll’s an Grobis Stelle richten, Grobi wird geschnitten. Und Ex-Boxer Fritz Bülow mischt sich auch noch ein… Der sekundäre Erzählstrang hat diesmal die Krise zwischen Hausmeister Zierlich und Sekretärin Ehrchen zum Thema, denn Zierlich hat eine Rendezvous mit einer Amateurfunkbekanntschaft, das vom hereinplatzenden Ehrchen unwirsch beendet wird. Zeit für die beiden, sich einmal auszusprechen. Insgesamt handelt es sich um eine spannende Folge um Konfliktbewältigung, die dankens- und auch ein bisschen überraschenderweise nicht in die hippiepädagogische Litanei von der absoluten Gewaltlosigkeit verfällt, sondern verdeutlicht, dass man nicht umhinkommt, sich manchen Konflikten konfrontativ zu stellen – und dass manche Soziopathen einfach mal ein paar aufs Maul brauchen.
In Episode 4 steht Alf im Mittelpunkt: Seine Eltern wollen sich trennen, was ihn wie der Schlag trifft. Er versucht, sie wieder zusammenzubringen, doch als zur Debatte steht, dass er aus diesem Grunde das Internat verlässt, entscheidet er sich letztlich für seine Freunde und die Schule. Außerdem lernt er in Anna (Katharina Eckerfeld, „Härtetest“) ein Mädchen kennen, in das er sich verguckt und die ihm ihrerseits Interesse suggeriert, ihn jedoch auch für dumm verkauft und sich vor einer festen Beziehung ziert. Eine Folge also über die Abkapselung von den Eltern und das Einschlagen eigener Wege, in der Alf zudem lernen muss, dass er ein Mädchen nicht ohne Weiteres an sich binden kann.
Das war jedoch noch verhältnismäßig harmlos gegenüber dem, was die fünfte Episode an Beziehungskonflikten bereithält: Lolle hat Geburtstag. Obwohl sie mit Carla liiert ist, ist sie eigentlich noch immer mit Hans (Oliver Broumis, „Stalingrad“) zusammen, der nichts von Carla weiß, ihr aber seinerseits einen längeren Auslandsaufenthalt als ursprünglich geplant vorschwindelt. Der Grund dafür ist, dass er als Überraschungsgast auf ihrer Party auftaucht. Lolle gesteht ihm ihre Beziehung zu Carla, die wiederum verständlicherweise genervt auf Hans‘ Anwesenheit reagiert, zumal Lolle Carla gegenüber ihrer Mutter verschweigt. Tatsächlich lässt sich Lolle dazu hinreißen, noch einmal mit Hans herumzumachen, was jedoch nicht lang andauert, da sie herausfindet, dass er eine Affäre in den USA hatte. Und was macht eigentlich Antonia? Die hat ihre Matheklausur versemmelt, woraufhin sich Dr. Blüm arrogant über sie auslässt und ihr ein Durchfallen durchs Abitur prognostiziert. Der Konflikt zwischen beiden Parteien droht zu eskalieren, doch Antonia büffelt für die Nachprüfung – und reagiert eifersüchtig, als ihr Freund Stefan derweil mit Lara einen trinken geht. Anstatt die Nachprüfung anzutreten, dreht sie durch und will abhauen. Du liebe Güte, geht’s hier hoch her! Es ist schön, dass sich die Serie wieder mehr Antonia widmet, und es weiß auch zu gefallen, wie Lolles und Carlas Beziehung noch einmal aufgegriffen wird – gleichzeitig ist man angesichts all dieser Verunsicherungen, gekränkter Eitelkeiten und Zankereien jedoch froh, selbst kein Teenager mehr zu sein. Obwohl, sind die Erwachsenen so viel besser…?
Fritz' jüngerer Bruder Leo (Oliver Böttcher, „Black Jack“) kommt in Episode 6 zu Besuch und versucht, ihn für seine Segelschule an der Côte d'Azur abzuwerben. Eigentlich keine schlechte Option, denn im Prinzenhaus geht’s mal wieder drunter und drüber und er scheint an Autorität einzubüßen, während Grobi seine Probleme im Alkohol zu ertränken versucht. Vera liegt derweil mit einer Blinddarmentzündung im Krankenhaus, Dr. Blüm vertritt sie als Betreuer im Prinzenhaus. Es wird sich leidenschaftlich um den leidigen Abwasch gestritten und die Situation eskaliert, als es zu einem Küchenbrand kommt. Als Fritz auch noch regelrecht verarscht wird, hat er die Schnauze voll und kündigt, macht jedoch einen Rückzieher, als sich Grobi wieder fängt. Ehrchen feiert ihr Jubiläum, das Dr. Blüm glatt vergisst, woraufhin sie in Tränen ausbricht. Und Antonia? Hat sich eine neue Frisur zugelegt und trägt passend zum allgemeinen Chaos einen stacheligen Punk-Look auf dem Haupt. Eine recht unterhaltsame Folge, in der es sich einmal mehr um Konfliktbewältigung dreht, aber auch um berufliche Leistungen, die andere mitunter erst zu schätzen wissen, wenn sie zu entfallen drohen oder bereits ausfallen und halbherzig oder improvisiert ersetzt werden. Oder kurz: Vera und Fritz sind wichtig und müssen bleiben.
Eine der inhaltlich deftigsten der ganzen Serie ist die siebte Episode: Stefan hadert mit seinem Zivildienst-Job im Internat, durch den er aber immerhin der Schule (und damit der Serie) erhalten bleibt. Als die Schülerinnen und Schüler auf die Idee kommen, einen alten Kahn als Clubraum herzurichten, ist er wieder Feuer und Flamme und plant das Projekt mit Lara. Gegenseitig baut man eine engere Bindung auf, was Antonia und ihre Eifersucht wieder befeuert. Und tatsächlich: Lara hat sich in Stefan verknallt. Nach Antonias Streit mit Stefan knutschen Lara und Stefan miteinander und steigen sogar miteinander ins Bett. Antonia erwischt die beiden am nächsten Morgen und macht mit Stefan Schluss. Dann bescheidet die Schulverwaltung die Kahnpläne der Schülerschaft auch noch ablehnend. Was keiner ahnen konnte: Derweil bringt sich Lara um! Ein auch für die Zuschauerinnen und Zuschauer echter Schock, der in dieser Konsequenz nicht vorhersehbar war. Antonia und Stefan nähern sich zwar wieder einander an, doch Antonia entscheidet sich gegen eine Wiederaufnahme der Beziehung. Eine echte Scheißsituation, in der einem beide leidtun. Zu allem Überfluss verprügelt Grobi auch noch Stefan wegen Laras Tod – er war in sie verknallt. Stefan trägt jedoch keine Schuld, Lara hatte ihren Suizid schon lange geplant – was noch mal ein ganz anderes Licht auf ihre Nacht mit Stefan wirft – und der Grund ist in einem alten unverarbeiteten Trauma zu suchen. Dass sich Vera angesichts einer bevorstehenden Schulinspektion um ihren Job sorgt, gerät da zur Nebensache. Dennoch andere Probleme hat Alf: Seine Quasifreundin Anna glaubt schwanger zu sein. Er steigert sich voll in diese Vorstellung hinein und programmiert sogar eine Babysimulation zu Übungszwecken auf seinem Computer. Seine Welt bricht zusammen, als er erfährt, dass Anne gar nicht schwanger und zu allem Überfluss parallel auch noch immer mit ihrem Arno (Stefan Hornung) zusammen ist. Anna will eine Dreierbeziehung mit beiden, doch Alf lässt sich nicht darauf ein und verliert damit seine erste große Liebe. Was sich in Episode 4 der zweiten Staffel bereits andeutete, wird hier Gewissheit: Alf-Mime Philipp Niedersens schauspielerische Leistungen haben sich deutlich verbessert. „Schwarze Tage“ ist eine todtraurige Folge, die ans Eingemachte geht. Als habe Antonia die düsteren Ereignisse vorausgeahnt, tendiert sie nun mehr in Richtung Gothic, ihr Zimmer ist mit The-Cure-Devotionalien geschmückt. Das Ende jagt einem weiteren Gänsehautschauer über den Rücken und besiegelt eine Folge, die die ganze Staffel aufwertet und unerbittlich klarstellt: Es gibt nicht immer ein Happy End.
Über weite Strecken fröhlicher und versöhnlicher geht es dann wieder in Episode 8 zu: Mario und Grobi leihen sich Zierlichs Oldtimer, um auf eine Party zu fahren, verunfallen jedoch am Weidezaun der attraktiven Jungbäuerin Rieke. Mit ihr treffen sie eine Abmachung: Als gelernte Kfz-Mechanikerin repariert sie das Auto, das rechtzeitig zum Vespatreffen fertig sein muss, dafür packen sie auf ihrem Hof kräftig mit an. Damit Zierlich tatsächlich zusammen mit Ehrchen zum Treffen brausen kann, muss er aber doch noch selbst Hand mitanlegen. Georg verknallt sich in Rieke, muss jedoch gegen Mario um ihre Gunst buhlen. Die gibt ihrem untreuen Mann den Laufpass und steigt zu Marios Überraschung mit Grobi in die Kiste. Im Internat tritt derweil der neue Schularzt Dr. Björn Bente (Dietrich Adam, „Tatort: Buntes Wasser“) seinen Dienst an und verguckt sich schnell in die Schulleiterin. Über die Sprechanlage teilt er versehentlich in alle Räume mit, dass er sich in Vera verliebt habe. Nach einem erfolgreichen Rendezvous kommen sie sich näher und küssen sich. Stefan versucht unterdessen, Antonia zurückzuerobern, doch die will ihre Ruhe vor ihm haben. Seine Geburtstagsüberraschung für Antonia geht in die Hose, aber immerhin können beide kurz miteinander reden. Somit handelt es sich um eine Folge sowohl über erfolgreiche Beziehungsanbahnungen als auch über die möglichen fatalen Folgen des Fremdgehens. Insbesondere die Handlung um Rieke und ihren unverbindlichen Sex mit Grobi gefällt, die genau wie alles andere hier ohne jegliches Moralisieren auskommt.
In der neunten Episode steht Weihnachten vor der Tür – und scheint’s im Internatsarchiv zu spuken: Irgendetwas erschreckt immer wieder Sekretärin Ehrchen. Alf kommt dem Spuk auf die Spur: Zierlich rächt sich damit an Ehrchen dafür, dass sie ihn bei einer Einladung zum Essen versetzt hat. Auch Fritz‘ Liebesleben ist nach Längerem wieder Thema, signalisiert die attraktive Silke Schloßmacher (Chris Hohenester, „Charley's Tante“-Neuverfilmung), die in einem Ladengeschäft auf ihn aufmerksam wurde, doch unmissverständlich ihr Interesse. Zunächst will Fritz nichts von ihr wissen, ändert im weiteren Verlauf jedoch seine Meinung. Und Dr. Blüm freundet sich immer stärker mit einer Kollegin an. Nur Ehrchen und Zierlich finden einfach nicht zueinander, sondern setzen einander zu. Insgesamt eine etwas alberne Folge, die viele lose Enden zurücklässt und sich enttäuschend wenig den Schülerinnen und Schülern widmet.
Episode 10 thematisiert eines der beschämendsten Ereignisse der jüngeren europäischen Geschichte: den Balkankrieg. Fritz‘ Freund Milosz kommt mit seiner Tochter Svetlana (Jacqueline Svilarov, „Lindenstraße“) aus dem Kosovo zu Besuch und reist alsbald allein wieder zurück, um seinen Sohn nachzuholen. Svetlana ist in tiefer Sorge, dass ihr Vater dort verhaftet wird. Die ganze Familie ist vom Krieg gebeutelt, Svetlanas Mutter und Schwester fielen ihm bereits zum Opfer. Seit ihrer Trennung von Stefan ist Antonia extrem unausgeglichen und gerät auch giftig mit Svetlana aneinander – bis sie deren Tagebuch findet und darin liest. Zusammen mit Lolle nimmt sie sich ihrer an, nachdem Milosz tatsächlich verhaftet wurde. Und als habe das eine gewisse therapeutische Wirkung gehabt, freundet sie sich auch mit Stefan wieder an. Im Nebenstrang lernt Vera den Sohn ihres neuen Partners Dr. Bente kennen, woraufhin es etwas kriselt. Die Probleme können jedoch noch innerhalb dieser Folge aus der Welt geschafft werden: Der Sohnemann freut sich, wenn Vater eine neue Flamme hat, braucht aber keine neue Mutter. Neben dieser Handhabungsempfehlung für sog. Patchwork-Familien vermittelt man einen Eindruck davon, wie unbedeutend eigene Sorgen angesichts des Leids, das andere ertragen müssen, sein können, und stellt die Wehwehchen des Stammensembles hintenan. Zudem verschließt man den Augen nicht vor der bitteren Realität des Krieges.
Dafür geht’s in Sachen Liebe, Lust und Frust bereits in der elften Episode wieder drunter und drüber: Zwischen Fritz uns Silke kriselt’s direkt, sie scheint eifersüchtig auf Vera zu sein. Mario wiederum hat einen HIV-Test durchführen lassen und will bei negativem Ergebnis der Promiskuität abschwören. Tja, er fällt tatsächlich negativ aus – von nun an geht Mario allen mit seiner Sexfeindlichkeit auf die Nerven, scheint bei den sexy Zwillingen, die neu im Internat sind und allen Jungs den Kopf verdrehen, damit aber gut anzukommen… Antonia indes reagiert immer noch eifersüchtig, wenn sie Stefan mit anderen Mädels sieht, lässt sich aber vom Herumtreiber und Hallodri Tom (Jens Eulenberger, „Der Landarzt“) aufreißen, worauf wiederum Stefan gar nicht klarkommt. Tom verdreht Antonia ihr hübsches Köpfchen, meint es aber keineswegs ernst mit ihr. Als Lolle dahinterkommt und ihre Freundin warnt, ist diese zu verblendet, um ihr zu glauben, und gibt die Freundschaft zu ihr auf. Fritz und Silke trennen sich, kaum dass ihre Beziehung begonnen hatte, schließlich schon wieder, treiben es aber spontan noch einmal miteinander. Und Antonia muss schmerzlich erfahren, dass sie einen Fehler gemacht hat. Zu schönen Bildern des Plöner Sees bei Sonnenuntergang warnt diese Folge naive Mädchen vor unehrlichen Don Juans und Gigolos und entlarvt passenderweise gleichzeitig Marios neue Keuschheit als perfide Masche. Männer sind eben Schweine, außer Stefan, und wie Antonia und er sich gegenseitig wehtun, wird für ein empathisches Publikum langsam aber sicher unerträglich. So möge Antonia ihm doch endlich verzeihen und einen Neuanfang mit ihm wagen, verdammt noch mal!
Eher seltsam mutet Episode 12 an: Die Schulklasse besucht die Bundeswehr, bei der sich Grobi insbesondere für die Fliegerei interessiert. Wie Mario hat auch er seine Einberufung zur Musterung bekommen, doch im Gegensatz zu ihm hat Mario überhaupt keinen Bock aufs Militär – wenn auch weniger aus pazifistischen Gründen als vielmehr wegen seines geplanten Auslandsaufenthalts. Grobi legt sich so sehr für ein Spitzenzeugnis, das ihn für eine Pilotenausbildung qualifizieren soll, ins Zeug, dass er einen Hörsturz erleidet. Mario will unbedingt ausgemustert werden, Grobi unbedingt bestehen – beide tun jeweils alles dafür und kommen schließlich auf die Idee, ihre ärztlichen Atteste zu tauschen. Doch als er bei der Musterung körperlich attackiert wird, erleidet Grobi einen zweiten Hörsturz, und Mario kommt mit seinen Schwindeleien nicht durch. Fritz und Silke sind eigenartigerweise doch noch ein Paar, aber bei einem gemeinsamen Abendessen mit Vera und Dr. Bente entdeckt Vera, dass sie wieder zärtliche Gefühle für Fritz empfindet. Doch, oh Schreck: Fritz und Silke wollen heiraten! Veras Gefühlsleben mutet hiermit endgültig chaotisch an und erfüllt jedes Klischee wankelmütiger Frauen, die kein Mann dieser Welt verstehen kann. Für meinen Geschmack eine Drehbuchkapriole zu viel. Fragwürdig ist es auch, dass die Bundeswehr mit ihren sich vor sozialer Verantwortung drückenden und lieber ihrem Wehrsport frönenden Soldaten so sehr im Fokus steht, während der Zivildienst keinerlei Thema ist – als existiere diese Option gar nicht. Unterm Strich keine sonderlich gelungene Folge.
Dies war symptomatisch für den weiteren Verlauf der Staffel, in dem die Gäule mit den Autorinnen und Autoren endgültig durchgehen: Das Abitur ist durch, die meisten haben bestanden, manche Wege werden sich trennen – und das nicht nur unter den Schülerinnen und Schülern: Vera gesteht Dr. Bente, dass sie Fritz noch immer liebt, und trennt sich von ihm. Fritz und Silke stecken jedoch bereits mitten in ihren Hochzeitvorbereitungen, die Eheschließung soll offenbar übers Knie gebrochen werden. Vera reagiert schwer genervt, dass man sie darin involviert, und lädt Fritz noch einmal zum Essen ein. Dr. Bente platz herein und verplappert sich wutentbrannt. Fritz und Vera sprechen sich daraufhin aus. Fritz hat unter der damaligen Trennung von Vera sehr gelitten und will nicht das Gleiche noch einmal durchmachen müssen. Aufgedonnert erscheint Vera auf dem Polterabend – und knutscht wieder mit Fritz, der sie trotzdem nicht zurücknimmt. In der Kirche jedoch verweigert er das Ja-Wort und schnappt sich Vera! Auch andere ehemalige Antipoden finden überraschend zusammen: Chauvi Mario gesteht Goth-Punkerin Antonia aus heiterem Himmel seine Liebe, die sich daraufhin tatsächlich Mario öffnet und mit ihm ins Bett geht – ausgerechnet kurz vor Marios Abschied vom Internat. In dieser Folge explodiert der Soap-Overkill, nicht nur Vera und Fritz erweisen sich als vollkommen unzurechnungsfähig und eigentlich dringend therapiebedürftig. Anstatt endlich reinen Tisch mit Stefan zu machen und ihre einstige innige Beziehung wieder aufzugreifen, stürzt sich Antonia ins nächste Unglück mit einem eitlen, selbstgerechten Gockel und Womanizer, und nach dem Eklat in der Kirche wird ausgelassen gefeiert, als sei Fritz‘ gegenüber Silke ultrafiese Nummer die einzig richtige Entscheidung gewesen. Manch Zuschauer dürfte sich gefreut haben, Antonia mal wieder oben ohne zu sehen, ansonsten bereitet dieser Auftakt zum Staffelfinale aber mehr Stirnrunzeln und Kopfzerbrechen als gute Unterhaltung. Doch es ging noch schlimmer:
In der vierzehnten und letzten Episode der zweiten Staffel befinden wir uns in den Sommerferien. Grobi ist vorzeitig von zu Hause ins Internat zurückgekehrt, auch Antonia ist schon wieder da. Vera und Fritz renovieren ein altes Bauernhaus, das sie gemeinsam beziehen wollen. Doch als Fritz Vera während einer Autofahrt überraschend einen Heiratsantrag macht, scheint sie in eine Schockstarre zu verfallen. Der Vorfall resultiert in einem leichten Unfall, bei dem sich Vera den Knöchel bricht. Fritz‘ kleine Nichte Maike (Gesche Blume-Werry, „Doppelter Einsatz – Missbraucht“) kommt zu Besuch bzw. übernimmt er für längere Zeit die Verantwortung für sie, da ihre Mutter in einer Klinik behandelt werden muss. Dies muss auch Vera, die am Esstisch erneut mit einem Krampfanfall zusammenbricht, Diagnose: Hirntumor! Diese verschweigt sie Fritz jedoch – und verstirbt plötzlich und unerwartet noch in dieser Folge, die sich damit für das schlimmstmögliche Staffelende entscheidet, das für Entsetzen sorgt nicht nur wegen Veras Tod, sondern vor allem aufgrund der überhasteten Herangehensweise, mit der sie anscheinend aus den Drehbüchern geschrieben werden musste. Das ist nicht nur schade für die Serie, sondern auch ärgerlich und unbefriedigend fürs Publikum. „Die Schule am See“ tat sich keinen Gefallen damit, sich gegen Ende dieser zweiten Staffel zu einem seifigen, unglaubwürdigen Melodram zu entwickeln. Das einzige, das dieser Folge positiv zu entnehmen ist, ist Antonias schwarze Goth-Punk-Garderobe – der Hammer und sicherlich feuchter Traum manch pubertierenden Zuschauers. Veras Serientod ist jedoch umso tragischer vor dem Hintergrund, dass Schauspielerin Mareike Carrière 2014 tatsächlich einem Krebsleiden erlag. Ob unter diesen geränderten Voraussetzungen eine dritte Staffel überhaupt funktionieren kann?