Review

Aus der Tschechoslowakei kamen in den 1970er Jahren eine Reihe sehr schön gemachter und aufbereiteter Märchenverfilmungen. Allen voran die "Drei Nüsse für Aschenbrödel". Und auch ich habe viele dieser Verfilmungen damals im Nachmittagsprogramm der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten gesehen. Darunter war auch "die kleine Meerjungfrau" und im Nachhinein - beim heutigen Wiedersehen auf DVD - weiß ich, weshalb mir in der Erinnerung an das Märchen immer ein wenig unwohl war.

Die Verfilmung hält sich recht dicht an die Märchenvorlage von Hans Christian Andersen. Die kleine Meerjungfrau lebt mit ihren Schwestern bei ihrem Vater, dem König der Meere,  auf dem Meeresgrund. Bald soll sie einen Prinzen aus einer anderen Meeresregion heiraten. Doch die kleine Seejungfrau ist interessiert an den Menschen, die auf dem Festland leben. Geht ein Schiff unter durchstreift sie mit ihren Schwestern das Wrack und sammelt verschiedene Dinge.
Da zerschellt das Schiff eines Prinzen der Menschenwelt an den Klippen. Die kleine Meerjungfrau rettet den Prinzen und verliebt sich in ihn. Besessen davon ihn wiedersehen zu wollen, geht sie einen Pakt mit der Meereshexe ein. Sie gibt ihr ihre Stimme und darf für einen gewissen Zeitraum an Land gehen, um die Liebe des Prinzen zu erobern. Dieser nimmt sie auf, verliert aber sein Herz an eine andere Prinzessin, die ihn damals nach der Rettung durch die kleine Meerjungfrau am Strand gefunden hat. Als die Hochzeit der beiden vorbereitet wird, bietet der Meereskönig seiner Tochter einen Rettungsweg an. Sie solle den Prinzen töten (sein Schiff zerschelle sowieso an den Klippen), andernfalls würde sie sich in der Morgenröte in Meeresschau verwandeln. Die kleine Meerjungfrau bringt dies aber nicht übers Herz und löst sich bei den ersten Sonnenstrahlen im Meer auf bzw. verwandelt sich in ein Blütenmeer, das verhindert, dass das Schiff des Prinzen zerschellt.

Das alles klingt recht traurig und das ist es auch. Es mag sein, dass ich schon zu "ariellisiert" oder zu "disneysiert" bin, aber die stark an der Vorlage orientierte tschechische Filmfassung ist für mich und für Kinder nur schwer auszuhalten. Meine beiden ältesten Töchter warnten mich deshalb auch, diesen Film ihren beiden kleinen Schwestern zu zeigen und ich muss ihnen aus oben genannten Grund zustimmen. Auch ist es erklärungsbedürftig (gegenüber jüngeren Kindern), weshalb die Meeresnixen in den Wracks zwischen Ertrunkenen (die man zahlreich zu Gesicht bekommt) lustwandeln.

Der Film selber ist recht opulent gemacht, aufwendige Kostüme und die nicht minder aufwendigen Inszenierungen der einzelnen Schauplätze verstehen zu überzeugen. Die Meernixen kommen dabei auch gut ohne einen Fischschwanz aus.
Auch die schauspielerischen Leistungen bewegen sich Großen und Ganzen auf dem Niveau, wie man es von den tschechischen Märchenverfilmungen dieser Zeit gewohnt ist.
Die Musik ist nicht mehr up to date und eher gewöhnungsbedürftig (auch hier herrscht in den Texten der Lieder ein trauriger Ton vor).

Alles in allem der Film ist gerade mit Blick auf die späteren Disneyversionen arg in die Jahre gekommen und  tieftraurig...
So tieftraurig, dass ich den Film mit meinen jüngsten Töchtern erst in ein paar Jahren schauen werde. So lange lasse ich ihnen noch die heile Welt von "Arielle", die mir persönlich auch besser gefällt.

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