Review

Wenn ein Streifen vor Klischees nur so trieft, dann kann das für Cineasten mitunter einer der größten Kritikpunkte überhaupt sein. Nicht nur das solche Filme meist falsche Vorurteile anbringen, meist langweilen sie einen auch damit. Anders verhält es sich da allerdings, wenn der Streifen die Klischees zum Vorwand nimmt, um diese aufs gründlichste vorzuführen und zu veräppeln. Oder sie so derart zu überspitzen, das sie eigentlich keiner für ernst nehmen kann. Und mit dieser Art der Klischeebehandlung befasst sich "Eurotrip", der sowohl die amerikanischen, als auch (vor allem) alle möglichen europäischen Klischees aufs gründlichste durch den Kakao zieht und dadurch eine der besten Teenie-Komödien der letzten Zeit abliefert.

"The Ugly Americans" so der AT dieses netten Teenie-Spaßes, sagt schon einmal ganz viel aus über das, worum es in diesem Streifen hauptsächlich geht: um Amerikaner und ihre Vorurteile gegenüber den Europäern. In "Eurotrip" macht sich eine kleine Gruppe von US-Teenies auf, um in Berlin ein Mädchen ausfindig zu machen, welches Scott, einer der Teenies, über das Internet kennen gelernt hat. Doch bevor sie in Berlin landen, kommen sie u.a. in London, Paris, Bratislava und in den Niederlanden vorbei und später sollen sie sogar den Vatikan unsicher machen. Eine wahre Odyssee durch Europa nimmt ihren Lauf... Auch wenn die Geschichte unterm Strich sicher nicht die Tiefgängigste ist und auch nicht sonderlich Innovativ ist, so kann sie doch als Aufhänger, für die wahrliche Flut an guten Gags, standhalten.

Denn wie bei allen Teenie-Klamotten, kommt es hier hauptsächlich auf die Gag-Dichte an und die funktioniert hier größtenteils recht gut, vor allem immer dann, wenn die europäischen Klischees hier aufs deftigste überspitzt und durch den Kakao gezogen werden. So sind die Engländer hier natürlich hauptsächlich Hooligans, in Frankreich badet man nackt, die Holländer haben nichts gegen frei käufliche Liebe und Hasch-Muffins und wir Deutschen sind natürlich angeblich, na ihr wisst schon was. Und in Slowenien kann man schon für 5 Cent ein ganzes Hotel kaufen. Ja, spätestens an diesem (zugegeben sehr bösen) Gag müsste eigentlich ein jeder merken, dass die Klischees und Vorurteile hier nicht einfach nur ausgebadet-, sondern wirklich so hoffnungslos überspitzt und ins Absurde getrieben werden, dass sie in keinster Weise ernst genommen werden können. Hier ist die Übertreibung stehts präsent und alles so hoffnungslos aufgeputscht, dass man es den Machern in keinster Weise übel nehmen kann. Und schließlich muss man auch mal über sich selbst lachen können und das funktioniert beim "Eurotrip" wirklich prächtig.

Aber nicht nur die Europäer werden hier aufs Korn genommen, auch die Amis selbst werden hier, quasi von sich selbst, durch die Mangel gedreht. Denn unsere vier US-Teenies hier, sind in punkto Geographie wirklich so blöd, wie es das bekannte Klischee über die Amis uns gern weiss machen möchte. Paris ist hier z. Bsp. ein Vorort von Berlin, von den man locker zu Fuß laufen kann. Natürlich können unsere Amis auch kaum ein ausländisches Wort sprechen bzw. verstehen (schon gar nicht deutsch;)) und haben anscheinend auch sonst nicht all zu viel im Kopf. Und prüde sind sie obendrein auch noch. Man hat es also in keinster Weise versäumt, auch der landeseigenen Generation einen Spiegel vorzuhalten, der aber ebenfalls genauso hoffnungslos überspitzt wurde, wie der Europäische!

Ebenfalls positiv fällt zudem auf, dass es hier keinerlei Fäkalgags gibt. Während ja leider viele Teenie-Streifen ihre Gags hauptsächlich darauf aufbauen, den Zuschauer mit möglichst ekligen Gags bei Laune zu halten (man denke nur an "American Pie 3" oder "Party Animals"), so verzichtet "Eurotrip" nahezu komplett darauf. Viele Gags gehen zwar unter die Gürtellinie, aber sie bleiben halt alles in allem "sauber" und bieten keinerlei Ekel-Sequenzen, vielleicht mal abgesehen von der Szene mit dem rolligen Franzosen im Zug!;)

Schade nur, dass der Film zum Ende hin dann leider doch in einem recht typischen Schluss mündet und keine sonderlichen Überraschungen mehr bietet. Alles geht dann leider doch wieder "Friede, Freude, Eierkuchen" aus und will nicht so recht überzeugen. Zumal man dem Aufenthalt der Teens in Berlin dann, für meinen Geschmack, doch ein wenig mehr Zeit hätte gönnen können. Da hätten durchaus noch ein paar Gags mehr kommen dürfen, denn zu veräppeln gibt es doch auch bei uns so einiges, ohne das jetzt negativ zu meinen! Und über sich selbst zu lachen ist doch mitunter immer noch das Beste, sofern die Gags funktionieren. Und das tun sie hier im Vorfeld doch eigentlich größtenteils auch. Na ja!

Zu den Darstellern sei noch gesagt, dass sie ihre Sache allesamt ebenfalls ganz annehmbar machen und im Genre keine Enttäuschung darbieten. Auch wenn sie vielleicht nicht ganz mit dem Cast von z. Bsp. "American Pie" mithalten können, so machen sie ihre Sache doch auch recht überzeugend. Man kann zufrieden sein!

Fazit: Schwer unterhaltsame US-Teenie-Komödie, die sich genüsslich durch allerlei Klischees, sowohl von Europa als auch von Amerika selbst, hindurchkämpft und diese dabei aufs köstlichste ausschlachtet, überspitzt und durch den Kakao zieht. Auch wenn die Geschichte unterm Strich nur als Aufhänger funktioniert, so können die Gags doch größtenteils allesamt recht überzeugen, zumal man auf Fäkal-Humor verzichtet hat, die Witze gut getimt sind und mitunter wirklich so herrlich überspitzt worden, dass man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt. Wer sich hier an den Klischees aufzieht, der hat den Film entweder nicht verstanden oder kann anscheinend nicht über sich selbst lachen. Andernfalls ist bei diesem komischen "Eurotrip" wirklich viel Spaß garantiert!

Wertung: 7,5/10 Punkte

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