„Aftershock“ ist kleines B-Picture, überraschend prominent besetzt, aber trotzdem relativ unbekannt.
Es ist mal wieder Postapokalypse angesagt, die Menschheit lebt zu großen Teilen in alten Fabrikruinen und eine fieselige Regierung unterdrückt das Volk, wogegen eine Handvoll tapferer Rebellen aufbegehrt. Soweit so bekannt, doch dann landet eine seltsame Frau (Elizabeth Kaitan) mitten im Geschehen, eine Außerirdische, die von den Regierungstruppen gefangen genommen wird. Ja, reichlich krude ist die Mischung bereits in den ersten Minuten und in diesem Stile geht es weiter.
Natürlich braucht die Geschichte einen einsamen Helden, Willie (Jay Roberts Jr.), der von Übelwichten ebenfalls verhaftet wird, sich, die Frau und den Rebellen Danny (Chuck Jeffreys) rausboxt und dann mit ihnen zum Widerstand flieht...
„Aftershock“ ist ein Endzeitactioner unter vielen und zumindest im Drehbuchbereich hat man sich keine sonderliche Mühe gegeben. Man flieht zu den Rebellen, die aber außer reden, Flugblätter verteilen und Sprüche an Wände malen nicht viel tun, danach steht der Film auf der Stelle. Die Aufgabe des Aliens auf der Erde ist lächerlich, das Zurückbringen zum Abholpunkt dann die Heldenaufgabe in Filmhälfte zwei und sonderlich aufregend erzählt ist das nicht. Selbst ein Sturm auf die Rebellenbasis ist trotz obligatorischer Heldentode kaum dramatisch, viele Charaktere werden nach einer Weile gar nicht mehr erwähnt, als habe man ein Sequel geplant, das aber nie kam.
Zudem ist Regisseur Frank Harris kein Könner wie Albert Pyun, der auch mit geringen Budgets unheimlich atmosphärische Endzeitfilme drehen kann (siehe „Cyborg“ oder „Nemesis“). Schlecht ist Harris aber auch nicht, „Aftershock“ hat durchaus Flair und macht schon einiges aus seinem schmalen Budget, doch zur Oberklasse reicht es nicht. Zudem hat „Aftershock“ auch einen gewissen Trashfaktor, vor allem in dem Banditenduo aus Queen (Michael Berryman) und Cassidy (Matthias Hues). Ersterer ist Transvestit, letzterer legt in einer Kampfszene unmotivierte eine Bodybuilderpräsentation seiner Muskeln ein. Von den trashigen Spezialeffekten mal ganz zu schweigen.
Immerhin hält sich „Aftershock“ von einer kurzen Durststrecke in der Mitte mal abgesehen an die Prämisse, dass es im B-Film reichlich auf die Moppe geben muss. Ein paar Shoot-Outs und Explosionen gibt es auch, aber die sind nur ordentlicher Standard, Hauptaugenmerk liegt auf dem Fressegeballertem. Jay Roberts Jr. kann ganz ordentlich prügeln, mit James Lew und Chuck Jeffreys sind zwei wirklich exzellente Fighter am Start, wobei Lew auch gleich den Posten des Stunt Coordinator übernahm. Inszenatorisch könnten die Kämpfe mehr hermachen, die Choreographie bietet aber nette Moves. Und zum Schluss gibt es noch ein Duell nach klassischen Westernmotiven.
Darstellerisch hat Jay Roberts Jr. allerdings die Ausstrahlung eines feuchten Handtuchs, da sind die Nebendarsteller besser. Chuck Jeffreys ist OK, James Lew ein ordentlicher Bösewicht, doch in der Fieslingschefetage mischen mit John Saxon und Richard Lynch zwei Könner mit, wobei letzterer leider kaum Screentime hat. Elizabeth Kaitan ist ziemlich schwach, Michael Berryman und Matthias Hues sorgen in ihren wenigen Szenen eher für Belustigung.
„Aftershock“ ist weder top noch wirklich schlecht, ein trashiger Endzeitfilm mit einiger Action und dämlicher Story halt. Bei Konzentration auf die Kloppereien zur Befriedigung niederer Unterhaltungsinstinkte geeignet, aber das gibt auch vom B-Actionfan nur 5,5 Punkte.