Das von Kriegen und Erdbeben zerrüttete Amerika wird von einem totalitären Regime regiert, welches mit harter Hand gegen alle vorgeht, die die bestehende Ordnung zu untergraben versuchen. Gleich zu Beginn werden wir Zeuge davon, wie die Schergen der Machthaber eine Gruppe potentieller Unruhestifter erbarmungslos niedermetzeln. Eine Rebellin kann dem Massaker entkommen und wird kurz darauf Zeugin davon, wie vor ihr eine Frau quasi aus dem Nichts materialisiert. Der mysteriöse Neuankömmling (Elizabeth Kaitan), Sabina getauft, landet wenig später ebenso in Militärgewahrsam wie der gutaussehende Einzelgänger Willie (Jay Roberts Jr.) und der schwarze Widerstandskämpfer Danny (Chuck Jeffreys mit heftiger Zahnlücke), welche vom brutalen Regionschef Quinn (John Saxon) wenig herzlich empfangen werden. Den Dreien gelingt jedoch die Flucht, und wie sich bald herausstellt, ist Sabina eine außerirdische Besucherin, die zwecks Informationsbeschaffung auf die Erde gebeamt wurde. Die hochintelligente aber etwas naive Blondine muß zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein, um die Heimreise antreten zu können, ansonsten wird sie sterben. Quinn und seine Handlanger denken allerdings nicht daran, das Alien entkommen zu lassen...
Da ich ein Faible für Endzeitfilme habe, mußte dieser amerikanische Genrebeitrag über kurz oder lang natürlich auch in meinem Player landen. Was uns die Herren Frank Harris (Regie) und Michael Standing (Drehbuch) mit Aftershock aufgetischt haben, lädt des Öfteren zu verdutztem Kopfschütteln und verhaltenem Schmunzeln ein. Als Hauptschauplätze standen den Machern zwei Drehorte zur Verfügung (das Kaiser Steel Plant in Fontana sowie die Domtar Gypsum Paper Mill in Vernon), welche einerseits zwar nett anzusehen und heruntergekommen genug sind, um ein wenig Endzeitatmosphäre zu verbreiten, sich andererseits aber auch rasch abnützen und den Low-Budget-Charakter dieser Produktion nur unterstreichen. Daß mit der ansehnlichen Elizabeth Kaitan eine Außerirdische ins Geschehen geworfen wurde, die beschützt und an ihr Ziel gebracht werden muß, ist eine hübsch bescheuerte Idee, aus der jedoch viel zu wenig gemacht wurde.
Überhaupt ist das Drehbuch eine einzige Katastrophe, verschwinden doch einige Figuren ohne Hinweis drauf, was mit ihnen passiert ist, und sind die Aktionen der Pro- sowie der Antagonisten bisweilen kaum nachvollziehbar. Dazu kommt, daß die Figuren so gut wie gar nicht charakterisiert sind, daß die Dialoge ausgesprochen dämlich sind, und daß die Handlung zwischen den Actionsequenzen fast zum Stillstand kommt und gemächlich dahinplätschert. Die Actionszenen - inklusive Schießereien, Pfeil- und Schwert-Action, Prügeleien, und Explosionen - sind nett anzusehen, wobei vor allem die Martial Arts-Fights, die sich unser Held mit Quinns Schergen liefert, recht ordentlich choreographiert sind. Und einen dicken, fetten Pluspunkt gibt es für die Dummys, die anstelle von Stuntmen schreiend in die Tiefe stürzen und hart auf dem Betonboden aufprallen. Daß man Aftershock nicht allzu ernst nehmen sollte, dafür sorgt der seltsame Humor, der sich immer mal wieder in den Vordergrund zwängt und so lustig ist wie eine Gastroskopie.
Was den Streifen dann doch einigermaßen sehenswert macht, ist die Besetzung. Neben John Saxon (Apocalypse Domani), der als böser Obermotz eine routinierte Show abzieht (mit Abstand die beste schauspielerische Leistung des Filmes), agieren Russ Tamblyn (Twin Peaks), Matthias Hues (I Come in Peace), Michael Berryman (The Hills Have Eyes), Christopher Mitchum (Final Score) sowie - in einem besseren Cameoauftritt - Richard Lynch (Inferno in Diretta) als Commander Eastern. Berrymans Rolle als sadistischer, übel geschminkter Transvestit ist ziemlich undankbar, Hues darf in einer völlig unmotivierten Szene seine Muskeln spielen lassen, und Tamblyn gibt während einer Autofahrt ein scheußliches Lied zum Besten. Regisseur Frank Harris hat sich mit Aftershock wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert; da war sein 1984 inszenierter Leo Fong-Actioner Killpoint um einiges besser.
Aftershock ist passable, leidlich unterhaltsame Actiongülle für den anspruchslosen Endzeitfilmfan und eignet sich ideal für einen tristen, verregneten Sonntagnachmittag. Da kann man zwischendurch auch mal sanft entschlummern, ohne etwas zu verpassen, denn einen Sinn wird man in diesem Streifen auch dann nicht entdecken, wenn man das abstruse Geschehen voller Konzentration bis zum Abspann verfolgt.