Review

Die Franzosen retten die Welt. Vor den Deutschen. 60 Jahre nach Kriegsende und noch immer die alten Konflikte.
Na gut, so schlimm ist es nicht geworden, aber wer von der Fortsetzung der „purpurnen Flüsse“ einen brauchbaren Mystery-Krimi erwartet, wird sich ganz schön wundern. Mit einem langsam aber sicher zu knackenden Fall ist es nämlich Essig, stattdessen gibt der Film dem Zuschauer richtig Schmackes.
„Die Engel der Apokalypse“ ist nämlich ungewöhnlich brutales Actionkino mit Bibel-Touch (speziell mal hier: die Offenbarung) und mischt Jesus und Jünger-Motiv mit apokalyptischen Bildern, ehe der Film im letzten Drittel irgendwo zwischen „Der Name der Rose revisited“ und „Indianer Niemans“ strandet.

Mitreißend ist es schon, was hier auf Tempo hin zusammeninszeniert wurde. Brutale Morde, reichlich purpurne Flüsse (ersatzweise Lachen, Pfützen, Teiche), Verfolgungsjagden und schier unüberwindbare Gegner. Dabei verliert man meistens schnell aus den Augen, daß Niemans und Kollege Renard (Benoit Magimel schneidet übrigens wesentlich sympathischer ab als Vincent Cassel) den Ereignissen meist hinterherhinken, die schön der biblischen Reihenfolge nach abgearbeitet werden.

Dabei ist der Plot nicht mal sooo orginell, der halbwegs mysterytaugliche Zuschauer kommt relativ schnell hinter die Inhalte, wenn er aufmerksam Hinweise aus der Geschichte und rund um den 2.Weltkrieg (Maginot-Linie) heraushört. Was bleibt, ist das Rätsel der gesichtslosen Mönche.

Leider kommt innerhalb der nächsten 48 Stunden nach Kinobesuch die Absurdität ins Bewußtsein des Zuschauers. Kleine Aussetzer, wie der seit einer Woche eingemauerte Tote, der noch blutet, sind da fast nebensächlich (schließlich war die Zwillings- und Lawinenpointe im ersten Teil der Holzhammer schlechthin). Aber das Zusammenkommen von gleich zwölf fanatischen Gläubigen, die alle Voraussetzungen an die Apostel so perfekt erfüllen, um dieses Rätsel- und Mordspiel zu ermöglichen, ist so unwahrscheinlich, daß es sich ernsthaft nur ein Drehbuchautor zusammenphantasieren kann.

Ebenfalls ein Klops von gigantischer Bauart ist die Überwachung des nächstmöglichen Opfers über die Kameras eines Supermarkts, wobei trotz der bekannten Kräfte der Angreifer nur unsere zwei Hauptdarsteller zum Schutz antreten. Klar, in einem Buddy-Movie machen sie es auch immer im Alleingang, aber der Umgang mit dem Leben Verdächtiger ist hier schon fahrlässig zu nennen.

Zum Schluß schließlich kippt der Film auf Spielberg-Terrain um, wenn es um die Bergung eines historischen Buchs in einem alten Tunnelsystem geht. Sämtliche Erklärungen über die Killermönche werden in zwei Sätzen mal so hingerotzt und die sind noch nicht mal gut (Amphetamine? Aus dem 2.Weltkrieg? Von den Nazis? Für Übermenschen? Und nach 60 Jahren noch mit Sofortwirkung? Neeeeeee....).

Obwohl man sich von Aufwand her zum Ende hin Mühe gibt, ist die Tunnelflutung weiß Gott kaum noch etwas, was irgendwie errgend wirken könnte, Christopher Lees Rolle ist glattweg verschenkt und der gesamte Showdown ist so nachlässig geplottet, als ginge es darum, nur schnell Schluß zu machen. Weswegen dann auch nicht ein Wort über eine Nachbetrachtung fehlt!

Inhaltlich also monströs schludrig, macht der Film mit visuellem Adrenalin einiges wieder wett, wenn man von der Geistlosigkeit nicht von Anfang an brüskiert wird. Er sorgt für unterhaltsame 100 Minuten, aber man sollte ihm nicht mehr Gedanken als einer durchschnittlichen Comicverfilmung widmen, sonst wird’s bitter.
Falls da ein Franzmann tatsächlich an einer zweiten Fortsetzung basteln sollte, bitte weniger Okkult-Mystery-Käse und mehr Plot, dann klappts vielleicht auch noch mal mit Jean Reno. (5/10)

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