Nach einer wahren Begebenheit: Die Kellnerin Bonnie, gespielt von Faye Dunaway, und der Kleinganove Clyde beginnen während der großen Wirtschaftskrise eine Beziehung und schlagen sich als Bankräuber durch die USA. Unterwegs nehmen sie einen weiteren Ganoven und Verwandte von Clyde mit, doch schnell sitzt die Polizei ihnen im Rücken.
1967-1980 gab es in Hollywood den Urknall des modernen Films, mit einem neuen Erzählstil, mit neuen Ideen, neuen Charakterdarstellern, wie Jack Nicholson, Al Pacino, Robert de Niro oder Dustin Hoffman und neuen Regisseuren, wie Woody Allen, Stephen Spielberg, Martin Scorsese oder Francis Ford Coppola. Und zusammen mit "Die Reifeprüfung" gilt "Bonnie und Clyde" als Begründer eben dieses neuen Kinos, dass mittlerweile als "New Hollywood" bezeichnet wird. Damit setzte "Bonnie und Clyde" neue Maßstäbe und mag objektiv betrachtet locker 9-10 Punkte verdient haben. Doch nach dem Erfolg von "Bonnie und Clyde" fanden sich natürlich einige Nachahmer, die an diesen Sensationserfolg anknüpfen wollten und mit "Thelma and Louise" und "Natural Born Killers" wurde der Film locker erreicht und ist damit heute, 40 Jahre danach, nicht mehr so überraschend und schockierend. Auch bei der Filmmusik und bei den Action-Szenen merkt man dem Film sein hohes Alter mittlerweile an. Wirklich überraschen und schockieren kann die damals knallharte Gangster-Ballade also nicht mehr, da Regisseur Arthur Penn, dem mit "Little Big Man" später ein weiterer Kultfilm gelang, das Erzähltempo hoch halten kann, ist "Bonnie und Clyde" wenigstens unterhaltsam und zum Ende hin relativ dramatisch. Mit einem bisschen Humor und ein paar blutigen Stellen wird der unterhaltsame Gangster-Film abgerundet, sodass man ihn sich durchaus noch ansehen kann.
Ob die Geschichte des Gaunerpärchens richtig und detailgetreu übernommen wurde und ob die Charaktere wie das echte Gaunerpärchen konstruiert sind, wage ich zu bezweifeln, aber darum geht es im Grunde auch nicht. Denn die Charakterkonstruktion und die Handlung sind so gut, wie sie gemacht wurden und heben sich deutlich von allen vorher erschienenen Gangster-Filmen ab. Stellenweise wird das freie Leben als Gangster glorifiziert, andererseits gibt es aber auch eine kritische Auseinandersetzung mit den Taten des Gangster-Pärchens, womit die Story auf jeden Fall gelungen ist. Zudem wird die Faszination des freien Lebens als Außenseiter vielschichtig behandelt und die Faszination dieses Lebens veranschaulicht.
Neben der starken Story kann aber auch der Cast voll und ganz überzeugen. Warren Beatty zeigt erneut, dass er zu den besten Filmemachern unserer Zeit gehört und glänzt neben seiner guten Arbeit als Produzent auch als Hauptdarsteller und passt mit seiner frechen, aber liebenswerten Art perfekt in die Rolle des Ganoven und kann auch mimisch und vor allem in den Liebeszenen voll und ganz überzeugen. Später zeigte er mit "Der Himmel soll warten", "Reds" und "Bugsy", dass er als Darsteller, als Drehbuchautor, als Produzent und als Regisseur großes Talent hat. Der Name Faye Dunaway wird wohl auf ewig mit "Bonnie und Clyde" assoziiert werden und das vollkommen zu Recht, denn die blonde Schönheit liefert eine brilliante Vorstellung ab und zeigt sich vor allem in den Szenen mit Beatty sehr stark und meistert ihre launische, teilweise charmante und teilweise zickige Rolle sehr gut. Auch die restlichen Darsteller, wie die Oscar-Prämierte Estelle Parsons, Jahrhundertdarsteller und Oscar-Preisträger Gene Hackman, sowie Michael J. Pollard sind überzeugend.
Fazit:
Mit einem nahezu perfekten Cast, einer starken Story nach wahrer Begebenheit und einer gelungenen Umsetzung ist "Bonnie und Clyde" ein Meisterwerk, dass jeder Cineast einmal gesehen haben muss. Da der Film über die Jahre jedoch dutzendfach kopiert wurde und aus der heutigen Perspektive nicht viel Neues bieten kann, ist er zwar sehr unterhaltsam, aber nur noch mäßig spannend.
65%