Bounty Hunter: The Hard ist ein weiterer dieser von OVA vertriebener 55 – Minuten – Reißer in feinster Animemanier, jedoch mit ungewöhnlichem Stil. Der Film spielt in New York. Hard ist Kopfgeldjäger. Er wird von seinen Auftraggebern mit Informationen versorgt um gewisse Verbrecher ausfindig zu machen, um die auf sie ausgesetzten Belohnungen von der Polizei zu kassieren. Dabei ist er nicht selten in düsteren Gefilden unterwegs und bekommt es mit gefährlichen Gangstern zu tun. Sein neuester Fall zieht ihn wider Willen in eine Mordserie hinein, bei der den opfern professionell Organe entnommen wurden. Dabei soll er eigentlich nur einen Kleinganoven ausfindig machen, der aus einer Sakristei Geld gestohlen hat, um die Operation seiner blinden Freundin bezahlen zu können. Hat etwa die Kirche mit der schleierhaften Organmafia zu tun...?
Wieder einmal so ein Film, den man gut und gerne auf die doppelte Länge hätte strecken können, den dieser durchweg unbekannte Reißer in bester Film Noir Tradition toppt so manches Vorbild echt um Längen. Die nächtliche Großstadtatmosphäre sorgt für düstere, aber auch stimmungsvolle Bilder, die Zeichnungen sind von oberster Qualität. Die Handlung ist kompliziert und verstrickt, und wie gesagt hätte man durchaus einen längeren Streifen draus machen können, um vielleicht etwas tiefer auf den ein oder anderen Charakter einzugehen. Dennoch ist am Ende noch genug übrig geblieben, um eine knappe Stunde wie im Fluge vergehen zu lassen. Wieder mal etwas ungewöhnlich ist auch die für das amerikanische Setting unpassende japanische Sprache (im Deutschen nur OmU), doch auch die lässt sich verschmerzen, da Handlung und Verlauf durchaus und trotz diverser leicht übertriebener Charaktere glaubwürdig erscheint. Einen weiteren Pluspunkt heimst der super spannende Thriller durch seinen Soundtrack ein, der nicht nur passend, sondern auch extrem stimmungsvoll daherkommt. Natürlich für einen Anime typisch wird auch manchmal mit einem Auge gezwinkert, in manchen Passagen betritt zwar deplaziert wirkender, jedoch auch auflockernder Humor die Szenerie um den grimmigen Kopfgeldjäger. Für seine kurze Dauer wirkt der Film sogar ziemlich differenziert; die Charaktere sind nicht nur Pappkameraden. Gerade der Hauptdarsteller, der Probleme mit seiner Exfrau und dem Sorgerecht seiner Tochter hat oder die Bösewichte, hinter deren Organisation eine kranke moralische Anschauung steckt...
Ist auch heute noch einen Kauf wert, diesmal allerdings nicht nur für Fans des Speziellen, da dieser Anime die genre- und herkunftstypischen Merkmale in den Hintergrund rückt, um einem realistischeren, nachvollziehbarerem Rahmen Platz zu machen. Geheimtipp!