Obacht, Herr Schneider! Mit diesem Film können Sie uns doch tatsächlich noch einmal von der Unverbrauchtheit Ihres Stils überzeugen.
Zum Inhalt:
Teddy Schu, seines Zeichens Hobbyjazzmusiker, schuftet täglich rund um die Uhr in den verschiedensten Jobs. Die Palette reicht vom Fischverkäufer, über Zeitungslieferant, zum argentinischen Erotikunterhalter der Agentur Senora Fuck oder eben Musizieren in einer immerleeren Jazzkneipe.
Daheim erwartet ihn seine vernachlässigte Frau, die die geringste seiner Interessen darstellt. Nein, der größte Wunsch für Terry und seine beiden Musikerkumpels Howard und Steinberg ist es, mit dem großen Jazzmusiker Earl Mobile zu spielen:"Eines Tages....".
So gibt Terry nie die Hoffnung auf, lebt vor sich hin, unterhält sich gern mit dem Obdachlosen am Tonnenfeuer, bevor er seine Wohnung betritt, um kurz zu schlafen oder gleich wieder zur Arbeit zu gehen und lässt die Spöttereien über sein liebstes Hobby, dem Jazz, über sich ergehen.
Als dann noch der Besitzer des Lokals verstirbt, scheint sein Leben in der Melacholie zu ersticken...
Zur Präsentation:
Wer jetzt anfängt zu weinen, dem sei gesagt, keine Angst, vor dem tragischen Inhalt agiert immer noch Helge. Oder hat einer bei Texas das Taschentuch gezückt, als erst Hank und dann seine Mutter umkamen?! Und was uns hier geboten wird, kann den alten Werken des Meisters locker das Wasser reichen. Es hagelt nur so Situationskomik, die an Absurtheit kaum übertroffen werden kann. Großartige Dialoge, teils zum Totlachen witzig (tragisch, denn so bekommt man nicht den ganzen Film mit) und alte Bekannte (Mama, der liebe Gott, der Nasenmann) lassen schnell einen gesellschaftskritischen Ansatz, so denn man ihn denn sehen möchte, verblassen.
Gefilmt wurde in realen Schauplätzen, auf der Strasse mit echten Passanten, die in die Kamera gucken.
Diese Art der Darstellung ist zwar gewöhnungsbdürftig, aber gerade im Verlauf des Films absolut erträglich, da sie erstens unerheblich für den Filmverlauf ist und zweitens nicht allzu exzessiv eingesetzt wird. Deutlich wird aber eine sehr viel bewusstere filmische Darstellung, als früher. Weniger Improvisation, stärkeres Einhalten eines offensichtlich existenten Drehbuchs.
Der Film verfolgt, trotz einiger abstrakter Charaktere eine klare non-fiktive inhaltiche
Linie und ist damit auch für Helge unerfahrene Zuschauer leichter verdaulich, als zum Beispiel Praxis Doktor Hasenbein.
Zur Präsentation Teil 2 - Zur Musik:
Hundertprozent Helgemade Score. Wer mit Helges Musik nichts anfangen kann (und trotzdem in den Film geht?), kann beruhigt sein. Helges Klänge untermalen immer, erwartungsentsprechend, entweder lustige Situationen oder bei Quellenmusik hat der Film ebensolustige Leckereien fürs Auge parat.
Zur Angst:
Mit besonders hohen Erwartungen bin ich nicht in diesen Film gegangen.
Zu schwer hat mich Helges Annäherung an ein Mainstreampublikum bei diversen TV-Auftritten gestört.
Zu sehr musste ich an Schwächen wie "dem Möhrchenlied" kauen.
Mit der Furcht, Helge hätte seinen Stil verloren oder würde einen Abklatsch seiner ersten Filme produzieren, habe ich den Kinosaal betreten. Der Beginn des Films schien meine Befürchtung zu bestätigen, doch der liebe Gott sei Dank, war dieser Einwurf, leichter, stilisierter Comedy, nicht filmprägend. Ganz im Gegenteil, er arbeitet sich sofort hoch und bleibt konstant Schneideresque, bis zum Schluss.
Puhh....
Zum Abschluss:
bleibt mir nur noch zu sagen:
Ein furioser Film, der wohl ein etwas breiteres Publikum anspricht, aber Helgefans auf ganzer Linie überzeugen dürfte.
Mit diesen Worten, viel Spass in Helges neuem Film. Ich hatte ihn!
Zum Abschluss Teil 2 - Zur Hoffnung:
Vielleicht ist diese Aktualisierung des Themas "Helge Schneider" für gewisse Filmverleihe ja sogar Anreiz seine alten Filme endlich Mal auf DVD zu bringen. Und solange die Scheiben nicht entsprechend der benutzten Filmrollen 2 Meter 2 Mark kosten, ist zumindest ein Käufer sicher. Die Hoffnung stirbt zuletzt!
Da lacht der Papagei zehnmal und fällt vom Baum.