Renée (Annabella) und Pierre (Jean-Pierre Aumont) haben sich entschlossen, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Alle Anstrengungen scheinen vergeblich, eine Hoffnung auf die letzte Freiheit lassen sie einen Pakt schließen, in welchem Pierre erst seine Geliebte und dann sich selbst töten soll. Hierzu kehren in das Hôtel du Nord in Paris ein. In dieser von manch illustrem Gast bevölkerten Herberge nehmen sie ein Zimmer und wollen ihren Plan in die Tat umsetzen. Doch statt zweien fällt nur ein Schuss.
Und so wie sich die Schleuse auf dem Kanal vor dem titelgebenden Hotel öffnet und schließt, fließen die Gefühle mal in die eine oder andere Richtung. Manche Wendung ist dabei so sprunghaft wie menschlich, im Kontext des emotional aufgeladenen Melodramas jedoch stimmig.
Zu verdanken ist dies auch den Darstellern. Annabella gibt die sich auf der Flucht vor dem Leben Wähnende, die ohne dies wirklich zu wollen allen den Kopf verdreht und kann mit ihrer gefühlvollen Darstellung in den Bann ziehen. Louis Jouvet spielt die Figur des undurchsichtigen und bisweilen unsympathischen Edmond mit fortlaufender Spielzeit differenzierter, sodass er als Figur weit interessanter wirkt als Pierre. Aber auch der Rest der Figuren führt in dieser Welt im und vor dem Hotel sein Eigenleben, welches mit kleinen Episoden weiterentwickelt wird. Keine von Ihnen wirkt irrelevant, somit bleibt alles lebendig und im Fluss.
Ein Liebesdrama in wechselnder Helligkeit, sowohl in Stimmung als auch Beleuchtung. Regisseur Marcel Carné inszeniert einen Mikrokosmos, der mit lebendigen, da widersprüchlichen Figuren angereichert leider immer wieder mal ins Rührselige abgleitet, sich jedoch auch wieder fängt. Ein melancholisches Szenario nicht ohne Humor. Hoffen und scheitern, finden und verlieren.