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Der amerikanische Süden, Anfang der sechziger Jahre: der smarte Politiker Adam Cramer (William Shatner) kommt in eine Kleinstadt und macht sich unverzüglich daran, gegen die per Gesetz beschlossene Rassenintegration (v.a. von Schwarzen in öffentliche Schulen) zu agieren. Anfangs noch diskret, doch dann immer offensichtlicher macht er Stimmung gegen die Integration und stößt bei der weißen Mehrheit leider oft auf Zustimmung. Doch allmählich verliert er die Kontrolle über den Mob, bei dessen Aktionen sogar Brandanschläge auf Kirchen verübt werden und ein schwarzer Priester umkommt. Außerdem macht Cramer sich in seiner schmierigen Selbstgefälligkeit an die Frau eines Handelsreisender ran, eines der Dinge, die ihm später zum Verhängnis werden sollen.

Roger Corman, der Meister der Exploitationfilme (Rocker-, Horror- oder Sci-Fi-Filme), Entdecker späterer Regie- und Schauspielgrößen (Martin Scorsese, Jack Nicholson, Peter Fonda, Jonathan Demme) und verdienter Preisträger des diesjährigen Ehren-Oscars, schuf mit "The Intruder" einen seiner besten und eindringlichsten Filme überhaupt. Im Gegensatz zu vielen seiner anderen Filme ist er behutsam erzählt, gar nicht trashig oder eben ein Exploitation-Film. Vielmehr widmet er sich sensibel und kraftvoll zugleich einem Thema, das in jenen Tagen, 1961, höchst umstritten war. Die Dreharbeiten 'on location' im Süden Missouris waren, lt. seiner Autobiografie, von Drohungen überschattet und am Ende mussten einige Szenen im Guerilla-Stil gedreht werden.
Und obwohl Corman mit diesem Film Geld verlor (und er jahrelang keinen Verleih fand), ist "The Intruder" ein spannendes Stück über den Widerstand einzelner gegen Unrecht und gegen Demagogen, ein Lehrstück über Zivilcourage und Überwindung von Angst. Und trotz seines Alters dabei zeitlos und weiterhin packend.
Selbst William Shatner hat sein später so oft auftauchendes Chargieren und Grimassieren im Griff und liefert die beste Leistung seiner Karriere als selbstgerechter Demagoge, der am Ende über seine Eitelkeit und Unfähigkeit stolpert.
Der Film ist in Deutschland noch nicht auf DVD erhältlich und in den USA und Frankreich bei diversen Anbietern. Offensichtlich sind die Rechte abgelaufen, denn er ist legal im Internet von diversen Public Domains herunterladbar. Ein Geheimtipp!!

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