Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD von Marketing!
"Shock Waves" ist ein amerikanisches B-Movie von Ken Wiederhorn, Regisseur des späteren Films "Return Of The Living Dead II", zu dem er wie auch hier das Drehbuch verfasste.
"Schreckensmacht der Zombies", so ein reißerischer Alternativtitel, hat sehr viele gute Ansätze:
Wiederhorn schafft es von Anfang an, eine bedrückende
Atmosphäre zu schaffen, was trotz des geringen Budgets sehr gut gelungen ist: die mysteriösen Vorgänge auf der Yacht sind die Vorboten für das, was auf die Zuschauer und die Touristen wenig später zukommen wird. Die Szenen unter Wasser werden von unheimlichen Geräuschen begleitet und der Soundtrack ist einfach, verfehlt aber seine Wirkung nicht und erzeugt eine Bedrohung, die anfangs noch nicht greifbar und doch spürbar ist.
Mit John Carradine und Peter Cushing verpflichtete der Regisseur nicht nur zwei Zugpferde, sondern auch zwei altgediente Veteranen des Horrorfilms. Beide füllen ihre Rollen sehr gut aus, wobei vor allem Carradine als alter Seebär zu überzeugen weiss. Peter Cushing dagegen hat einen anfangs sehr zwielichtigen Part, der zudem die Touristen über die Gefahren der Insel aufklärt.
Und so erfahren wir, dass Wiederhorns Zombies keine lebenden Toten im herkömmlichen Sinn sind:
weder sind sie das Ergebnis eines Voodoofluches, noch waren sie Giften ausgesetzt, die sie von den Toten auferstehen ließen.
Wie schon von einem Erzähler zum Anfang des Filmes berichtet, handelt es sich bei den Zombies um die letzten Verbliebenen einer von Nazi-Wissenschaftlern kreiierten Todesbrigade von Superkämpfern, ohne jegliches Gefühl und nur darauf programmiert, gnadenlos zu töten, was im Verlauf der weiteren Handlung demonstriert wird. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden sie auf einem Schiff zurückgelassen und verschwanden in der Tiefe des Ozeans. Offensichtlich führte das Seebeben zu Beginn des Films zum Auftauchen des Schiffes. Nach Jahren steigen sie nun in ihren Wehrmachtsuniformen aus ihrem nassen Grab, um ihren Befehlen von einst Folge zu leisten: Die Touristen werden als feindliche Besatzer angesehen und die Zombies gehen zum Gegenangriff über.
Um dem Klischee vom bösen Nazi auch möglichst gerecht zu werden, sind alle SS-Zombies blond. Neben der Uniform verbergen sie ihre toten Augen hinter großen Sonnenbrillen.
Diese Idee ist wirklich mal etwas vollkommen neues und anderes, und die furchteinflößenden Sequenzen, als die Toten langsam aus den Fluten steigen, hat Joe d ´Amato sicherlich dazu veranlasst, sie für seinen "In der Gewalt der Zombies" zu kopieren. Auch Lucio Fulci fand seine Inspiration für seinen Unterwasser-Zombie sicherlich bei seinem jüngeren Kollegen Ken Wiederhorn.
Leider wird dieser Effekt allerdings im Laufe des Films zu oft wiederholt, auch wenn die Angriffe der untoten Soldaten sehr bedrohlich wirken. Aus Kostengründen gehen sie leider auch recht zahm mit ihren Opfern um, diese werden meist ins Wasser gezogen und anschließend erwürgt. Diese einfache Art des Tötens ist kostengünstig und spart das Geld für Make-up-Effekte ein. Die Zombies selbst sehen viel zu frisch aus, dafür, dass sie Jahrzehnte in den Tiefen des Meeres versenkt waren. Viel zu ordentlich wirken die Uniformen, obwohl es sich für einen Soldaten des Führers so gehört. Dennoch hätten hier bessere Masken und lumpigere Ausstattung eine effiktivere Wirkung erzielt, die jedoch einem knappen Budget geopfert wurde.
Nach 60 Minuten hat sich dann das immer wiederholende Motiv der aus den Fluten entsteigenden Zombies und die Jagd nach den Touristen erschöpft, auch wenn es einem anderen Alternativtitel - "Die aus der Tiefe kamen" - gerecht wird.
Trotzdem macht sich etwas Langeweile breit, dem der Regisseur durch geschickte Regieeinfälle entgegen wirkt:
so ist beispielsweise die Flucht in eine kleine Kühlkammer nicht nur beklemmend inszeniert, sondern auch noch dramatisch, da einer der Touristen die klaustrophobische Enge nicht mehr aushält und es untereinander zu ersten Spannungen kommt.
Letzten Endes weiss der Zuschauer von Anfang an, wer den Spuk auf der Insel überleben wird, da die einzige Überlebende die Geschichte des Films als Sprecherin aus dem Off einleitet.
Unter dem Strich bleibt ein atmosphärischer Film mit einer genialen, eigenständigen Idee. Auch wenn der Regisseur dem Zuschauer die Antwort schuldig bleibt, was es mit der Sonnenfinsternis auf sich hat, und der Film aufgrund des knappen Budgets nicht alle Möglichkeiten ausspielen kann, ist ein streckenweise spannender Gruselfilm entstanden, der zudem mit einer sorgfältigen deutschen Synchronisation mit vielen bekannten Synchronsprechern veredelt wurde.
Dafür gibt es 6 von 10 Punkte!