Review
von Leimbacher-Mario
Geisterwahn
Auf dem Jahrmarkt ist die Hölle los, als eine Clique schleimiger Jugendlicher an ein paar fiese Schausteller und Rocker gerät und per Boot vor ihnen flüchtet. Doch das ist noch gar nichts im Gegensatz zu dem alten, abgeschiedenen, scheinbar mitten im Sommer für Silverfeierlichkeiten dekorierten Hotel, in dem sie danach landen und das die vorangegangene Geisterbahn auf der Kirmes wie eine Krabbelgruppe aussehen lässt...
„Bloody New Year“ ist kein echter Silvesterhorror, da das Geisterhotel ja nur derart dekoriert ist und die Umgebung und das Wetter eher Spätsommer schreien, wenig bis null Neujahrsstimmung aufkommt. Und ein echter Horrorklassiker ist er natürlich auch nicht, befindet er sich doch irgendwo zwischen „Shining“, Troma, „Evil Dead“ und Amateursplatterei. Ihn ganz von Charme und Höhepunkten freisprechen kann und will ich allerdings auch nicht. Es gibt bizarre Zeitspielereien wie bei „Tenet“ nur in billig und sinnlos. Es gibt eine damit zusammenhängende, fast schon originelle Auflösung/Prämisse, aus der man aber viel mehr hätte holen können. Die Atmosphäre pendelt sich passend zum Thema irgendwo zwischen ausgehenden 50ern und staubigen 80ern ein. Und es gibt erstaunliche Härten, die fast an Autokinoklassiker wie „Blood Feast“ und Co. erinnern. Das Ende ist böse und dumm zugleich, das komplette Teil ist schwer zu fassen oder zu kategorisieren. In Ohr oder Herz bleibt nichts zurück, Charakterisierungen Fehlanzeige und technisches Niveau oft genug dilettantisch. Aber ein unterschwelliges Grauen ist dann doch irgendwie zu erahnen und zu spüren... Manchmal wirkt „Bloody New Year“ wie eine positiv missglückte und glitschige Symbiose aus Slasher und Haunted House, die jahrelang im Giftschrank seines Studios lag und erst viel zu spät oder notgedrungen released wurde. Man findet auch Spuren in Richtung „Nightmare on Elm Street“ oder „Mary Lou“. Damaliges „Netflix&Chill“-Material.
Fazit: eine seltsame - mal gruselige, mal bescheuerte - Aneinanderreihung von „Schocks“ und „Lachern“. „Bloody New Year“ ist sicher kein reiner Trash - aber ernst nehmen fällt auch schwer. Komisches Ding. Gut nicht. Und doch teilweise mit Stärken und sehenswert. Das Poster ist aber mal wieder zu gut für alles Folgende.