Review

"Stauffenberg" mit Sebastian Koch in der Hauptrolle ist der Titel eines deutsch-österreichischen Fernsehfilms aus dem Jahr 2004, der im selben Jahr im Ersten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt und mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde.
20. Juli 1944, 0:15 Uhr: Mit dem Ruf „Es lebe unser heiliges Deutschland“ auf den Lippen stirbt Claus Schenk Graf von Stauffenberg (Sebastian Koch) durch die Gewehrsalven eines Wachbataillons. Dies ist die Geschichte hochrangiger Offiziere der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Die Geschichte von Männern, die Adolf Hitler anfangs aufgeschlossen gegenüber standen, dann aber an ihm zweifelten – und sich schließlich zum Widerstand entschlossen. Ein Widerstand, der im Attentat vom 20. Juli 1944 seinen tragischen Höhepunkt fand. Und der aufs engste mit der Person des jungen Offiziers Claus Schenk Graf von Stauffenberg verbunden ist.

Die auf historischen Begebenheiten basierende Geschichte eines militärischen Widerstands erzählt den gescheiterten Versuch, Adolf Hitler, den Führer des nationalsozialistischen Deutschland, durch einen Sprengstoffanschlag zu töten und einen Staatsstreich durchzuführen.
Der Film zeigt die Entwicklung des Wehrmachtsoffiziers Claus Schenk Graf von Stauffenberg und anderer Mitverschwörer gegen Adolf Hitler, vom Frontsoldaten in Afrika bis zu seiner Exekution nach dem gescheiterten Attentat. Dabei werden sowohl die Beweggründe der Verschwörer aufgezeigt, wie auch die Schwierigkeiten der praktischen Umsetzung des geplanten Attentats und der nachfolgenden „Operation Walküre“.

Jo Baiers "Stauffenberg"-Verfilmung ist handwerklich perfekt und detailgetreu inszeniert, wobei vor allem die kurze "Afrika"-Sequenz sehr aufwändig umgesetzt wurde. Der Ablauf des Attentats ist eng an den historischen Fakten gebunden, dennoch distanzierte sich der Stauffenberg-Biograf Peter Hoffmann von dem Werk. Hoffmann kritisierte, dass der Film "Stauffenberg" wirke, „als habe er den Massenmord an den Juden nie spezifisch und ausdrücklich verurteilt.“
Auch Stauffenbergs Sohn Berthold monierte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung die fiktiven Elemente des Fernsehfilms. Viele Details seien aufgrund einer filmgerechten Dramaturgie verändert oder erfunden worden.

Galt die TV-Produktion bis zur Verfilmung "Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat" noch als "die genaueste" (FAZ) aller Verfilmungen zur Thematik, so kann sie allerdings keinen Vergleich zur US-Produktion mit Tom Cruise aus dem Jahre 2008 standhalten.

Einen direkten Vergleich möchte ich nicht ziehen, allerdings ist nicht zu leugnen, dass die TV-Produktion die Geschehnisse rund um das Attentat und des versuchten Staatsstreiches zwar aufgreift, aber aufgrund einer Laufzeit von nur 92 Minuten das Herzstück der Attentats-Verschwörung - die Operation Walküre - dem Zuschauer nur unzureichend erläutert wird. Anstatt auf fiktives Füllwerk Wert zu legen - wie beispielsweise die frei erfundene Verlobung der Stauffenbergs während der Bayreuther Festspiele - hätte sich der Regisseur und Drehbuchautor Jo Baier viel mehr auf die Beteiligten des Aufstandes und ausführlicher um die Zeit nach dem Attentat bis hin zu Stauffenbergs Hinrichtung kümmern müssen.

Im Gegensatz zu Bryan Singers Verfilmung werden hier anscheinend vom Zuschauer genaue Kenntnisse erwartet. Es werden Namen aller Beteiligten ins Spiel gebracht, aber kaum auf deren Funktion oder Hintergrund eingegangen. Was genau die Operation Walküre ist wird in einem Satz erklärt und gilt von da an für den Regisseur auf seiner Liste als "abgehakt".

Schauspielerisch überzeugen vor allem Sebastian Koch, Ulrich Tukur und Axel Millberg. Hardy Krüger jr. versagt dagegen darstellerisch auf der ganzen Linie. Auch viele Nebenrollen sind mit schlecht agierenden Darstellern besetzt.

Dem Film mangelt es nicht nur an einer erklärenden und vor allem ausführlichen Inszenierung, sondern vor allem auch an Spannung und Dramatik. Trotz einer handwerklich soliden Leistung des Regisseurs bleibt nichts weiter als ein typisch deutscher Film, der das Potential eines solch historischen Ereignisses verschenkt.

6,5 von 10 Punkte!

Details
Ähnliche Filme