Review

„Stauffenberg“ ist die neueste filmische Umsetzung des wohl bekanntesten Attentats auf den Führer und Diktator Adolf Hitler durch den militärischen Widerstand vom 20. Juli 1944.

Zu dieser Thematik liegen bereits einige Werke vor, so insbesondere der bekanntere „Es geschah am 20. Juli“ von 1955.

Mehr als bei anderen Verfilmungen dieses Stoffes – soweit mir bekannt – scheinen mir hier die verschiedenen darzustellenden historischen Persönlichkeiten, insbesondere natürlich um jenen Verschwörerkreis der „Bendlerstraße“
am tiefgründigsten und auch am treffendsten im Bemühen um geschichtliche Authentizität umgesetzt.
Allem voran natürlich die Figur des Claus Graf Schenk von Stauffenberg :
So wird anfangs des Films in Form anhand kurzer Momentaufnahmen aus dem Leben des Offiziers Wesen und Wandel Stauffenbergs eindringlich veranschaulicht:

1933: Stauffenberg begrüßt die Machtergreifung aufrichtig und ist offensichtlich fasziniert von Reichskanzler Hitler, dem er anlässlich einer Aufführung von „Die Walküre“ leibhaftig begegnet.
Nach Kriegsausbruch 1939 nimmt Stauffenberg am Polenfeldzug teil, glaubt fest an den deutschen Sieg.
1941 wird er zur Ostfront abkommandiert, dem Soldat überkommen dann erste Zweifel an der Richtigkeit seines Handelns. Er lässt sich zum Kriegsschauplatz Afrika versetzen, wird dort schwer verwundet. Nach seiner Genesung ist Stauffenberg fest entschlossen, sich aktiv am Widerstand zu beteiligen. Neben Ludwig Beck, Erwin von Witzleben und Henning von Tresckow wird er führende Figur der militärischen Widerstandsbewegung, welche sich die Ermordung Hitlers und den Sturz des Regimes zum Ziel gesetzt hat.

Am 20. Juli 1944 soll der Sprengstoffanschlag auf den Diktator im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ erfolgen, über den „Walküre-Plan“, der im Falle innerer Unruhen im Reich als Gegenmaßnahme vorgesehen ist, dann die bisherige Regierung abgelöst werden.
Claus Graf Schenk von Stauffenberg soll das Attentatsvorhaben umsetzen. Nach dem offensichtlichen Scheitern der Aktion gibt er sich in weiterer sturer Verfolgung der hinfälligen Umsturzpläne realitätsfremden Hoffnungen hin.
Auch die Einheit der Verschwörerclique zersplittert sich allmählich...

Die schauspielerischen Leistungen sind insgesamt hervorragend, die verschiedenen Rollen werden authentisch, nicht überzogen oder klischeehaft porträtiert. Die Hauptrolle des Stauffenberg wird von Sebastian Koch verkörpert, sehr akzentuiert zunächst von Zweifeln geplagt, am Ende ein die Realität verkennender Fanatiker.
Viele wichtige Personen im Zusammenhang des Attentats haben nur Kurzauftritte, doch auch in diesem engstem Rahmen ist es oft gelungen, auch solche im Film pointiert zu charakterisieren. So zum Beispiel Otto-Ernst Remer (Geniale Szene, in welcher Remer durch das Telefonat überzeugt wird, dass der Führer noch lebt) Propagandaminister Goebells oder auch Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel (Ebenfalls gelungen ist die Szene, in welcher Keitel Stauffenberg vor der Lagebesprechung instruiert: „Erwähnen sie um Himmels willen keine Verluste. Schonen Sie die Nerven dieses armen Mannes (Hitler).“)
Adolf Hitler findet im Film leider kaum Berücksichtigung, obwohl dieser Part ausgerechnet von Udo Schenk ("Die Bombe tickt" u.a.) dargestellt wird, den ich für einen der talentiertesten Schauspieler des Deutschen Fernsehens halte.

Da mir persönlich die Person des Claus Graf Schenk von Stauffenberg aufgrund verschiedener Faktoren alles andere als sympathisch ist, erscheint mir seine Darstellung mit Mut zu kritischen Untertönen im Film als sehr angemessen.

Aufwendige Verfilmung geschichtlichen Stoffes mit Tiefgang und Liebe zum (hístorischen) Detail :
7 / 10

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