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„Stauffenberg“ ist eine überraschend gelungene TV-Produktion über das fehlgeschlagene Hitlerattentat und dessen zentrale Figur.
Klaus Graf Schenk von Stauffenberg (Sebastian Koch) macht unter Hitler eine Militärkarriere und bringt es dabei bis zum Rang eines Oberst. Doch bei den fehlschlagenden Feldzügen und den Nachrichten vom unglaublichen Völkermord, den auch viele andere Angehörige von Militär und Politik nicht mehr ertragen können, merkt er, dass Hitlers Größenwahnsinn ein Ende gesetzt werden muss. Außerdem verliert er im Krieg eine Hand und ein Auge. Die Einleitung des Films geht überraschend schnell vonstatten, aber man erfährt dennoch das wichtigste über Stauffenberg.
Zusammen mit anderen Leuten in seinem Umkreis beginnt Stauffenberg mit der Planung eines waghalsigen Unternehmens: Man will Hitler mit einer Bombe töten, durch die so genannte Operation Walküre die Macht übernehmen und den zweiten Weltkrieg zu einem möglichst guten Ende bringen. Die Planungsphase ist recht spannend gemacht, auch wenn der Nervenkitzel an einigen Stellen arg künstlich herbeigeführt (z.B. die Gestapo-Durchsuchung, die Stauffenberg und zwei Mitverschwörer zufällig miterleben).

Schließlich soll Stauffenberg vor dem Führer eine Präsentation über Reservetruppen halten – auch wenn er ihm dabei nicht die tatsächliche schlechte Lage präsentieren darf. Doch Stauffenberg will diese Chance ganz anders nutzen: In seiner Aktentasche befindet sich die Bombe, die Hitler töten soll…
„Stauffenberg“ lässt sich grob in drei Phasen einteilen, die auch jeweils ca. ein Drittel des Films einnehmen. Das erste Drittel umspannt die Vorgeschichte Stauffenbergs und die Planung des Attentats, wobei man erfrischend viel gerafft hat, um den Erzählfluss schneller zu machen. Hier sind auch die privaten Aspekte Stauffenbergs wichtig, die im weiteren Verlauf eher in den Hintergrund treten, aber doch sehr zur Charakterzeichnung der Hauptfigur beitragen.
Höhepunkt des Films ist sicherlich das zweite Drittel, auch wenn dieses vielleicht etwas reißerisch auf Spannung getrimmt sein mag. Aber sehr packend und lebendig erzählt der Film hier von dem Attentat und der unglaublichen Gefahr entdeckt zu werden, sowie Stauffenbergs schnellem Verschwinden nach der Bombenzündung. Mag hier auch der ein oder andere Spannungsmoment gekünstelt sein, so ist dieser Teil dennoch sehr fesselnd und hochspannend.

Im letzten Drittel wird dann das Durchführen der Operation Walküre und das Scheitern der Verschwörer am Ende gezeigt. Hier fällt vor allem die sehr gute Charakterzeichnung auf, die ziemlich ambivalente Charaktere zulässt und das Militär des Deutschen Reiches weder als fiesen Nazihaufen dämonisiert noch als heldenhafte Widerständler glorifiziert, sondern zeigt wie viele unterschiedliche Typen es gab: Vom Opportunisten über den Mitläufer bis zum Widerständler usw.; alles ist vertreten. Leider hat der Film hier zahlreiche Längen, da man das Ende schon anhand der historischen Ereignisse kennt.
Die Schauspieler sind zwar größtenteils unbekannt, aber für TV-Verhältnisse ziemlich gut. Vor allem Hauptdarsteller Sebastian Koch ist sehr überzeugend, aber auch der Rest muss sich nicht verstecken. Vor allem Ulknudel Olli Dittrich hätte ich seine überzeugende Darstellung von Goebbels nicht zugetraut. Leider hat der Film auch mit den typischen Schwächen einer TV-Produktion zu kämpfen: Nicht ganz so ausgereifter Look, etwas schmaleres Budget und eine solide, aber nicht überragende Regie.

Alles in allem ist „Stauffenberg“ eine recht spannende Geschichtsstunde, wenn auch mit den typischen Schwächen eines TV-Films. Für 6,5 Sterne meinerseits reicht es aber.

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