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Schon so mitten der Hochphase des speziellen Subgenres des Ninjafilmes, einer damaligen Modeerscheinung zwischen etwa 1983 bis vielleicht 1988/89 gelegen, gehört Ninja the Protector von IFD Films & Arts Ltd. auch mit bereits vom Titel her gängigsten Werk; ein kleiner Ruhm, den man sich mit den früheren Arbeiten der Zusätze ...Thunderbolt und zur gleichen Zeit den weiteren schlagend benannten Ninja Terminator (1985), Ninja Dragon (1985), Ninja Squad (1986) teilt und entspricht. Alles davor, danach und drumherum ist meist ein großes Fragezeichen, das im Wust all der anderen Filme oftmals verschwindet und abseits der wirklich eifrigen Zuschauer oder gar der Sammlung dieser Gattung schon durch den Überfluss und Undurchschaubarkeit der Masse gar nicht mehr anspricht.

Um einmal in die Machart hineinzuschauen und sich selber einen Blick auf diese Arbeitsweise des copy & paste, des Zusammenschnittes aus einer bereits existierenden Geschichte mit neuen und oftmals gänzlich anderen Szenen zu machen, ist der vorliegende Film von eben dem Aushängeschild / Buhmann Godfrey Ho auch sein bestes exemplarisches Bestreben wert. Im Grunde werden nämlich zwei Handlungen erzählt, die eine immer wieder aufs Neue und die andere unabhängig davon und in einer gänzlich anderen, nur über das Telefon und mit herumgezeigten Fotographien und hier tatsächlich auch mit Anflügen von Selbstironie zu erreichenden Welt:

Eine Spezialeinheit des Yau Ma Tei Police District Headquarter, Tsim Sha Tsui Divisional Police unter Führung von Jason Hart [ Richard Harrison ] hat es sich zur Aufgabe gemacht, der Falschgeldbande von Bruce [ David Bowles ] das Handwerk zu legen, die ihre Blüten im näheren Umkreis von HK vertreiben und dazu extra ausgerüstete Ninja-Kämpfer [ u.a. Philip Ko, Chiang Tao, Suen Kwok-ming ] engagiert haben. Während die normalen Polizisten [ Andy Chworowsky &  Clifford Allan als Kommentatoren wie weiland Waldorf & Statler ] diesen Verbrechern nichts entgegen zu setzen haben, greift  Hart selber in Tarnkleidung und unabhängig von Recht und Gesetz in das Geschehen ein. Zudem hat er mit dem Model Warren Lee [ Wa Lun ] einen Undercover in die nach außen hin legal eine Agentur führende Susan installiert, der über die Frau eine Beziehung zu dem ebenfalls kriminellen Albert "Four Eyes" Wong [ Tin Ming ] aufbauen soll. Warren hat allerdings diverse private Probleme, allen voran mit Frauengeschichten, wobei nicht nur deren Gefühle, sondern auch die des in eines der Mädchen verliebten David, seines Bruders [ Lee Miu-chan ] verletzt werden und er bald auch an eine Gespielin von "Four Eyes" und er somit in dessen Ungunst und Zorn gerät.

Zugrundeliegen als Vorlage tut diesmal ein Original, dessen Existenz eigentlich deutlich identifizierbar sein könnte, aufgrund der Mitwirkung mindestens drei spezieller Schauspieler nämlich und dem Festlegen auf einen gewissen eingrenzbaren Zeitraum; dessen spezieller Titel und Regisseur, und somit die Herkunft außer eben der weitgehend sicheren Vermutung Taiwan bis einschließlich heute doch noch unbekannt ist. Die anwesenden Wa Lun, der den Gigolo spielt und ihn täuschend echt verkörpert, wie er leibt und lebt, sowie der weniger beschenkte Bruder in Gestalt von Lee Miu-chan sowie der späte Zusatz vom ebenso Gehörnten Tin Ming sind hervorstechend in ihrer Präsenz; dennoch lässt sich bei einer Recherche keine gemeinsame festgehaltene Tätigkeit, keine Übereinstimmung in der Filmographie finden.

Ob das namenlose Werk, eine räudige, da mit exploitativen Mitteln tätige Schmonzette, die später zum Modern Day Kung Fu Drama wird, nun tatsächlich nicht veröffentlicht wurde und als Material für den weiteren Umschnitt das einzige Dasein in der Welt fristet, oder die tatsächlich vollständige Geschichte einfach nur den Weg allen Irdischen und komplett unter den Radar ging, lässt sich mangels weiterer Informationen nicht konkret beantworten und bleibt als Mysterium zurück. [Der ehemalige Shaw Brothers Darsteller Wa Lun ist allerdings derart bekannt und prominent als Zugpferd belegt, dass ein komplettes Abschreiben des Originals, dass in seinen Bestandteilen von Sex und Emotion und etwas Düsternis durchaus die Bevölkerung und den Geschmack der Zeit anspricht – siehe auch seine Beteiligung in bspw. Queen Bee's Revenge (1981), Girl with a Gun (1982), Avenger (1982), Exposed to Danger (1984) – , so richtig glaubhaft nicht ist.]

Wie dem auch sei, für das normale westliche Publikum damals und auch heute ist die hier benutzte, getrimmte, an die Verbrecherjagd und die Falschgeldhandlung meist nur verbal angepasste Seifenoper aus gleich mehreren Dreiecksbeziehungen mit einem Hallodri in der Mitte, der erst alles haben kann und bald nichts mehr hat, natürlich eher das Stirnrunzeln und vielleicht auch den Verdruss und sonst nichts wert. Es wird geliebt und gelitten, manchmal auch offensiver in die Horizontale und das jeweilige Objekt der Begierde, die gerade attraktive junge Frau in den Strand oder die wogenden Wellen oder das weiche Bett gelegt und sich körperlich betätigt. Nackte Einblicke also, die die ganze Sache immerhin nicht langweilig machen, zumal gerade die Darstellerin der Susan, die relativ ähnlich wie Sophia Ching Sau-ying wirkt und aussieht, in ihrer speziellen Hommage an From Here to Eternity (1953) und da erst im Bikini und dann bald ohne störende Kleidung rein optisch wirklich verführerisch, zum genießerisch mit der Zunge schnalzen quasi aussieht.

Geprügelt wird in dem Abschnitt mit den beiden sich streitenden Brüdern sich übrigens auch, mit irgendwelchen Halunken, die zur falschen Zeit am falschen Ort um die Ecke kommen und einen am schief angucken sind; allerdings sind die Kämpfe schon inhaltlich nicht weiter wichtig und auch inszenatorisch bis auf viel Eifer bei den Geber- und Nehmerqualitäten nichts wert. Die richtige Action, der neue Anteil durch Godfrey Ho und sein Team sieht da schon etwas besser aus, hat zumindest den strammeren Schnitt und eine richtige Choreographie, allerdings verlässt man sich nahezu komplett auf das Schwert, was nicht Jedermanns Sache ist, und hält man vorhandene Talente wie eben Phillip Ko an der überaus kurzen Leine, was auf Dauer etwas verschwenderisch und ernüchternd wirkt. So richtig Lokal- und Zeitkolorit wie mancherorts anders ist hier durch das Begehen von zumeist nur Grünanlagen oder eben Innenzimmern auch nicht gegeben. Dafür ist die Titelszene, die Stadtansichten von HK im extra großen Panorama schon Berauschung und Frohlockung, und fast allein die Eintrittsgelder wert.

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