Aus mehrerlei Gründen ist Rage of the Ninja so etwas wie der kleine Ableger vom Ninja Knight: Thunder Fox (1987), der missratene, auf die schiefe Bahn abgesackte Bruder, der die Herkunft und die Bindungen zur Verwandtschaft trotzdem nicht verleugnen kann und dies auch nicht unbedingt machen muss. Zum einen handelt es sich bei dem erneuten Stückwerk, der dieser Film hier nun wirklich und auch in den (verschiedenen?) Quellen leider nicht genau zu identifizieren ist, um das zweite und letzte Zusammentreffen von sowohl Marko Ritchie und Peter Cressall als die neuen Gesichter auf der Seite der Langnasen, wobei Erstere noch in den Kontakt mit ebenfalls und (oft oder auch fast immer) auf Mike Abbott aus Hintermann treffen. Während im originalen Material der Schnitttvariante auch erneut Lee Miu-chan zu sehen ist:
Mel Simons [ Marko Ritchie ] hat alle Hände voll zu tun, ein wertvolles Handbuch vor einem Verräter [ Mike Abbott ] zu beschützen, der damit die Unsichtbarkeit erlernen und zum Ultimativen Ninja werden will. Währenddessen bekommt Mels frühere Ehefrau Cindy Chen unliebsamen Besuch von dem vor der Polizei flüchtigen Versicherungsmakler Steve Yung [ Lee Miu-chan ], der seine Holde daheim mit einem Ehebrecher erwischt und diesen vor Wut und Rage getötet hat. Steve ist eigentlich ein lieber Kerl, muss nach dem Erlebten allerdings erst auftauen, was ihm in Anwesenheit der ihn vor Nachfragen der Inspektoren verheimlichenden und so beschützenden Singlefrau allerdings recht bald gelingt, durch das Eintreffen ihrer Cousine, der jüngeren und sichtlich den Teufel im Leib habenden Winnie aber bald auf die Probe stellt. Außerdem bekommt er es mit den Schergen vom 'Evil Ninja', allen voran Paul [ Geoffrey Brown ] und den Juwelendieb und ihm schon bei seiner Versicherungsgesellschaft unangenehm zu Lasten fallenden John [ Wong Ching-Lam ] zu tun, die auch im einsam gelegenen Haus von Cindy das Manual am Suchen sind.
Die Geschichte selber, die Godfrey Ho hier als Autor und Regisseur gestrickt hat, ergibt noch weniger Sinn als gewohnt, soll dies allerdings nicht der größte Störfaktor sein und ist man um derlei Beschwerden nach Kenntnis von Stand und Dinge auch bestimmt eher verlegen. Die zusätzlichen Bilder halten sich dabei recht in Grenzen und dienen nur etwas als Verbindungsstücke zwischen den einzelnen Szenen, als Auflockerung zuweilen auch von zuviel Gespräch und zuviel Drama oder Melodrama, dass sich aus dem taiwanesischen Ursprungswerk ergeht. Dabei gibt es hier recht wenig Einblicke in das Lokal- und Zeitkolorit Hong Kongs, wird doch mal in einem stillen Park, beim Blumenschneiden im Garten oder später nur kurz an einer Strasse und gleich darauf fortführend in der anonymen Seitengasse gedreht. Auch die Darsteller wie eben Ritchie als Protagonist oder Cressall, der nur für fünf Sekunden auftaucht und dann schon wieder den Ort mit den Füßen voran als Leiche verlässt, kommen hier im Vergleich zur früheren Zusammenarbeit viel zu kurz, was durchaus schade und nicht ganz im Sinne des Erfinders ist.
Auffällig ist dabei höchstens noch, dass diesmal ausnahmsweise auch kurz eine westliche Dame unter den Akteuren, eine eigentlich schießwütige, aber im geeigneten Augenblick aufgrund der Gefühle zu ihrem Partner in Gefahr doch zögernde Frau anwesend ist; die im Übrigen auch nicht besser als ihre männlichen Mitstreiter spielt. Und dass hier ebenfalls vermehrt auch die Schusswaffen gezückt und betätigt werden, entweder direkt nach dem Einsatz mit dem Ninjaschwert oder doch gleich als Ersatz dessen, als Mittel der Wahl, die dem schon fortgeschrittenen Herstellungsjahr, dem Heroic Bloodshed Aufkommen und dem später noch folgenden Einsatzgebiet von Godfrey Ho und seinen Girls with Guns Abenteuern entspricht.
Auffällig ist noch, wie sehr teilweise die Haupthandlung sich dem neugedrehten Zusatz anpasst, wird dort doch auch gleich mehrmals und im Sinne von Joseph Lais International Finance Development (IFD) ebenfalls mit maskierten Einzelkämpfern und ihrem Talent zum Unsichtbarmachen und so den tödlichen Kampfmaschinen im Tarnanzug agiert. So richtig passen zur nachvollziehbaren Erzählung von dem Manne auf der Flucht und der Begegnung mit erst einer und dann einer zweiten Frau passen diese Beifügungen allesamt nicht, bringen aber durchaus etwas Esprit in die schwülstige, mit allerlei Sex- und Nackedeiszenen wie Kopulation oder Masturbation angewürzten Dreieckstragödie hinein und halten auf diese Art aufmerksam und wach. Vermuten könnte man als Filmemacher hinter diesem exploitativen Konstrukt einer Seifenoper den taiwanesisch stämmigen Lai Wan, eventuell ist es gar sein Debüt Midnight Passion (1986), was zu den Mitwirkenden Lee Miu-chan und Wong Ching-lam passen täte, ohne weitere Information aber reich im Bereich der Spekulation ist. [Lai Wan hat fortführend auch die Vor- oder gleich die ganze Arbeit für IFDs Angels in Hell (1988), The Vice Squad (1988) und Whirlpool Instinct (1988) geleistet, was sichtlich den Vorstellungen und Erfordernissen sowohl des Produzenten als auch denen der Käuferschar entspricht.]
Filmisch möglichst einfach und strikt simpel gehalten, kann die düstere Mär von dem mehrfach gefangenen Mann – drinnen die beiden Frauen und das erst weiträumige scheinende, aber dann bald zu eng gewordenen Haus, draußen entweder die Polizei und noch schlimmer: die einzelnden Attacken von außen auf die bald löchrige Bastion – mit Dauer seine eigenen kleinen depressiven und verstörenden Spiralen entwickeln, was auch stark an den Eindrücken der Umgebung, dem bösen Omen allerorten, dieser Behausung aus dem gar schrecklichen Devil Fetus liegt. Zudem nimmt das Geschehen plötzlich kurz vor der Lethargie wie losgelöst von allem, mit angeschnittenen Zwischenplots einer räudigen Vergewaltigerbande und einem Dreifach- bis Vierfachshowdown derart rasant an Fahrt auf, dass man dem Zuschauer gar nicht richtig das Abspannbild, den entscheidenden Moment der Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse, sondern nur eine "The End" Texttafel gönnt.