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Es ist schon ein wenig skurril, was sowjetische Filmemacher in den Sechzigern als Pendant zu typischen Jack-Arnold-Filmen hervorbrachten. Die literarische Vorlage stammt immerhin von Aleksandr Belyaev, einem der ersten Science-Fiction-Autoren seines Landes, doch die Umsetzung schwankt völlig unentschlossen zwischen Zukunftsmusik und schnulziger Romanze.

Als Kind litt Ichtyandr an einer Lungenkrankheit, weshalb ihm sein Vater, ein begnadeter Arzt und Wissenschaftler, Teile von Haikiemen implantierte, woraufhin der Junge sehr viel Zeit im Meer verbringt und als vermeintlicher Seeteufel gejagt wird. Als er der hübschen Gutiere beim Schwimmen das Leben rettet, verliebt er sich in sie, doch der reiche Don Pedro will die junge Frau alsbald heiraten...

In der ersten Viertelstunde erinnern viele Elemente an den "Schrecken vom Amazonas". Der Kiemenmann mit erstem Kontakt zu einem weiblichen Wesen, als Fremder wird er ständig gejagt und in Gefangenschaft wird er für die Zwecke der Reichen und Spekulanten ausgenutzt.
Die Kostümierung ist billig und besteht eigentlich nur aus einem Taucheranzug mit Flosse und schlichter Tauchermaske, doch die Unterwasseraufnahmen machen definitiv Laune und sorgen zunächst für ein angenehmes Abenteuer-Flair.

Als die Identität des vermeintlichen Seeteufels aufgedeckt wird und der junge Mann vermehrt in der Stadt unterwegs ist, verkommt die Geschichte zusehends zu einer vorhersehbaren Liebesschnulze mit leicht märchenhaften Einflüssen. Zwar gibt sich der Bösewicht als Retter aus, um die Gunst seiner Geliebten zu erhaschen, versucht das Seeungeheuer dingfest zu machen und unterdrückt sämtliche Untergebene, doch daraus resultiert nur selten Spannung, etwa, als Don Pedro direkt auf Ichtyandr losgeht oder ihm die Polizei auf den Hals hetzt.

Vielmehr ereignen sich viele Belanglosigkeiten, denn spätestens beim Tanzfest, welches einige Minuten andauert, ist es mit der Stimmung dahin. Rock ´n Roll mit russischem Gesang geht gar nicht und auch einige Themen, die arg an Edgar Wallace-Verfilmungen erinnern, sind arg neben der Spur, obgleich der Score insgesamt um Abwechslung bemüht ist und innerhalb der ruhigeren Parts punkten kann. Das kann man von den Mimen nicht behaupten, denn die performen durch die Bank hölzern und teils stocksteif.

Die wenigen Effekte sehen zumindest okay aus, kameratechnisch sind sämtliche Aufnahmen über und unter Wasser recht gelungen und obgleich in Kuba nicht nur Russen herumlaufen, kommt einem das Szenario zuweilen spanisch vor.

Indes zieht sich die unentschlossene Erzählung ab und an, Tanzfilm, Sci-Fi, Krimi und Romanze wollen phasenweise nicht zueinander passen, lediglich gegen Showdown wird ein wenig an der Spannungsschraube gedreht, als es um eine kollektive Flucht mit ausgetüftelten Plan geht. Die FSK6 legt dabei nahe, wie wenig brutal es hier zur Sache geht.

Für Nostalgiker aus dem Osten des Landes mag der Streifen mit Erinnerungen verbunden sein, doch so wirklich geht die Mischung nicht auf, da sie kein Klientel konkret anspricht und definitiv zu wenig aus den wissenschaftlichen Ansätzen herausholt.
Anfangs noch einigermaßen stimmungsvoll, gehen die Anteile des Phantastischen von Szene zu Szene verloren, während die Liaison schlichtweg zu steif vorgetragen wird, um irgendwelche Gefühle anzusprechen.
5,5 von 10

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