Als Regenmacher bezeichnet man Anwälte, die es in einem Prozess einen wahren Geldregen erklagen, der sich dann auch meist in ihrem Honorar niederschlägt.
Ein solcher ist Rudy Baylor (Matt Damon) noch nicht. Der junge Mann bereitet sich nach mehreren Jahren Studium gerade auf sein Abschlussexamen vor und seine Off-Kommentare sind es, die den Film begleiten. Rudy erklärt, dass er aus idealistischen Gründen Anwalt geworden ist und wie selten diese Spezies inmitten der sonst eher gewinnstrebenden Anwälte ist. Auch die Tatsache, dass sein Vater ein prügelnder Säufer war, erfährt man, was bald zu besondere Bedeutung bekommt.
Rudy heuert nämlich bei dem zwielichtigen Anwalt J. Lyman ’Bruiser’ Stone (Mickey Rourke) und dessen Kanzlei an, bei der es vor allem um Profit geht. Bei der Suche nach Unfallopfern, die irgendwen verklagen wollen, sehen Rudy und sein Mitarbeiter Deck Shifflet (Danny De Vito) auch Kelly Riker (Claire Danes), die von ihrem Ehemann krankenhausreif geschlagen wurde. Während Deck und Bruiser darin vor allem eine potentielle Mandantin sehen, empfindet Rudy echtes Mitgefühl und bald auch echte Zuneigung für sie, was wieder nur zeigt, dass er an sich zu gut für seinen Beruf ist.
Doch bereits kurz nach dem Examen ist Rudy gezwungen mit harten Bandagen zu kämpfen: Das FBI will Bruiser einkassieren, doch dieser flieht, und so müssen Rudy und Deck allein die Klage eines Leukämiekranken gegen die zahlungsunwillige Versicherung Great Benefit übernehmen. Diese hat skrupellose Topanwälte, doch Rudy gibt nicht auf…
Grishamverfilmungen gleichen sich immer sehr arg und so erzählt auch „Der Regenmacher“ mal wieder die Mär vom idealistischen Anwalt im Kampf gegen eine übermächtige Organisation. Ganz so packend wie „Das Urteil“ ist „Der Regenmacher“ zwar nicht, dafür traut sich dieser Film mit einem etwas böseren Ende daherzukommen, welches zwar ein Happy End ist, jedoch eines mit starken Einschränkungen. Da verzeiht man dem Film auch gerne, dass die Story kaum wirkliche Überraschungen bietet und das Plädoyer für die Gerechtigkeit zu kämpfen etwas dick aufgetragen wird.
So baut „Der Regenmacher“ dann auf die Stärken, welche die meisten Grishamverfilmungen auszeichnen: Winkelzüge beider Parteien, teils mit nicht legalen Mitteln, wobei die Versicherung natürlich skrupelloser, die Idealisten dafür gewitzter ans Werke gehen, möglichst bewegende Plädoyers und natürlich diverse Wortgefechte im Gericht. So ist es dann immerhin recht spannend zu sehen, wie Rudy und Deck gegen die Versicherung ins Feld ziehen, wenngleich man das Ende bereits absehen kann.
Zudem schildert Regisseur Francis Ford Coppola die Geschichte mit dem richtigen Maß an Emotionen und Witz. Gerade Deck, der vor allem auf den eigenen pekuniären Vorteil aus ist, und Bruiser sind als Schlitzohren immer ein amüsanter Konterpart zum porentief reinen Rudy, ebenso wie seine Vermieterin, die etwas eigen ist. Ebenfalls recht bewegend schildert Coppola das Schicksal des krebskranken Donny Ray Black (Johnny Whitworth), den Rudy nicht nur vertritt, sondern mit dem er auch privat Zeit verbringt – noch ein Zeichen dafür, dass er zu gut für seinen Beruf ist. Nur die Liebesgeschichte zwischen Rudy und Kelly lässt etwas den Elan vermissen, obwohl sie zu einer der interessanten Szenen von „Der Regenmacher“ führt, in denen Rudy seinen Gerechtigkeitssinn ausnahmsweise mal vernachlässigt.
Schauspielerisch ist das Ganze auch zufrieden stellend, wobei der quirlige Danny De Vito sowohl Matt Damon als auch Claire Danes klar die Show stiehlt. Mickey Rourke als Schweinehund mit Herz ist auch sehr überzeugend, ebenso Jon Voight als skrupelloser Anwalt der Gegenseite und Danny Glover als mit allen Wassern gewaschener Richter.
Alles in allem ist „Der Regenmacher“ eine solide Grishamverfilmung, die trotz stellenweise vorhersehbarem Ablauf ordentlich unterhält, dank spannender Gerichtsszenen, gut aufgelegter Darsteller und dem richtigen Quäntchen Witz.