Der dem literarischen Stöffle zugeneigte Filmfreund darf hier eine äußerst gelungene Verfilmung der Romanvorlage von Patrick McCabe's The Butcher Boy (erschienen 1992, auf deutsch 1995 im Rotbuch-Verlag, Berlin) besichtigen, welche 1998 den silbernen Bären für die Regie einheimsen konnte. Und dies völlig zu Recht.
Dem Star-Regisseur Neil Jordan, in der filmischen Aufbereitung komplexer Stoffe durchaus bewandert, gelingt hier der überaus schwierige Spagat zwischen so differierenden Genre-Elementen aus Tragödie, Märchenerzählung, mit Komik durchsetzten Horror, sentimentalen Passagen und nacktem Entsetzen. Was am Ende eines bunten Reigens aus fesselnden, verstörenden und auch anrührenden Bildern zu destillieren ist, stellt nichts weniger dar als eine in extremen Formen verlaufende irische Kindheit und Jugend. The Butcher Boy ist somit so etwas wie ein groteskes Bio-Pic einer an sich selbst und seiner niederschmetternden sozialen Umwelt zerbrechenden Persönlichkeit.
Verziert wird diese sehenswerte Literaturverfilmung durch einen schwer metaphysischen Auftritt von Pop-Ikone Sinéad O'Connor als Jungfrau Maria.
Als Fazit verbleiben unbedingt verdiente 8/10.