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Basierend auf den Tagebüchern von Ernesto Guevara de la Serna, den meisten wohl eher als Che Guevara bekannt, erzählt „The motorcycle diarys“ zugleich die Geschichte eines Mannes, der wie kaum ein anderer für das Wort Revolution steht und die Geschichte eines Kontinents, der ausschlaggebend ist für das weitere Leben und letztlich auch den Tod von Ernesto. Doch darum geht es dem Film nicht, er ist frei von allem was schon tausendmal diskutiert wurde, as man alles über Che Guevara lesen kann. Er erzählt vielmehr von Freundschaft, von Hilfsbereitschaft und von einem Volk, das auch wenn es auf mehrere Länder verteilt ist, doch irgendwo immer eines geblieben ist.

Frei von Politik sollte er sein, der Film und letztlich ist er genau das nicht. Er zeigt , auch wenn er in den 50er Jahren spielt, ein Bild von Südamerika, an dem sich bis heute nicht viel verändert hat. Regisseur Walter Salles nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise quer durch einen Kontinent der vor purem Leben nur so übersprudeln zu scheint. Er führt den Zuschauer durch eine Welt, die ihm nahezu unbekannt ist und lässt ihn einen kleinen Eindruck davon gewinnen, was Ernosto empfunden haben mag als er sich gemeinsam mit seinem Freund Alberto Granado Anfang der 50er Jahre auf eine abenteuerliche Reise machte.
Ernosto war zu diesem Zeitpunkt Anfang 20, befand sich mitten in seinem Medizinstudium. Alberto, Ende 20 und bereits anerkannter Wissenschaftler. Gemeinsam machen sie sich auf mit dem alten Motorrad von Alberto auf die Reise einmal quer durch den südamerikanischen Kontinent, bis zu ihrem Ziel einer Leprastation, in der sie gemeinnützige Arbeit erledigen wollen.

Walter Salles erzählt die Geschichte seines jungen Revolutionärs in wundervollen Bildern. Immer wieder fängt er in wunderschönen Bildern die Landschaftliche Vielfalt und Weitläufigkeit des Kontinents ein. Von den Höhen der Anden, über Wüstenregionen bis hin zu großen Städten und letztlich der Leprastation im tiefen Dschungel führt die Reise seiner zwei Helden. Sie lernen dabei hauptsächlich das Elend und Leid der einfachen Bevölkerung kennen und insbesondere der eher ruhige und sehr nachdenklich wirkende Ernesto wird von diesen Eindrücken nachhaltig beeinflusst. Am Ende der Reise sind die Wege der beiden Freunde vorgezeichnet, und es werden Jahre vergehen bis sie sich wieder sehen, die gemeinsame Erinnerung an diese Reise wird ihnen aber bleiben.

Man mag Salles einen verklärenden Blick auf Guevara vorwerfen, zu einfach macht er es sich mit der Wandlung des jungen, Studenten hin zu einem glühenden Kommunisten und Revoluzzers. So erscheint auch die Motivation hinter dem letztlichen Weg den Ernesto einschlagen sollte mit der Reise zu einer humanitären Mission etwas einfach und wirkt zu weit hergeholt, zeigt zu sehr, dass Sellas hier in gewisserweise Verklärung betreibt und sich auch mit der Motivation seiner Figur etwas zu sehr auf die einfache Tour verlässt.
Wie man zu diesem politischen Teil des Films steht, mag jeder für sich entscheiden. Er wirkt aber zu keinem Zeitpunkt aufdringlich oder störend.

An der Qualität des Films und seinem Unterhaltungswert ändert es auch nichts. Denn hier gelingt Salles wirklich ein großartiger Film, der immer wieder herrlich zwischen Situationskomik und nachdenklichen Szenen balanciert und dabei doch nie aus dem Gleichgewicht kommt. Die Mischung stimmt einfach und nimmt den Zuschauer von den ersten Minuten an mit auf eine Entdeckungsreise der besonderen Art. Episodenhaft, zeitlich eingeordnet immer wieder durch Datums und Kilometer Einblendungen, schildert der Film von einer Männerfreundschaft, die auch schon mal auf die Probe gestellt wird, letztlich aber doch über alle Widrigkeiten der Reise siegen wird. Man fiebert einfach mit mit den beiden sympathischen Hauptfiguren, man lacht mit ihnen, leidet mit ihnen und wenn sie am Ende das Ziel ihrer Reise erreichen und den ärmsten der Armen helfen, dann weiß man, dass auch ein verklärter Blick, etwas Wahrheit enthält.

Ein wahrer Glücksfall für den Film sind dabei seine beiden Hauptdarsteller. Gael García Bernal zeigt Ernesto als stillen, schüchternen Denker, der gewissenhaft an seine Mutter schreibt und dem Wahrheit und Aufrichtigkeit über alles gehen. Ihm gegenüber steht Rodrigo De la Serna als Lebemann Alberto. Der ist selbstsicher, schlagfertig, immer auf der Jagd nach einem Abenteuer und doch zugleich auch eine Art Vaterfigur für den nur wenige Jahre jüngeren Ernesto. Beide Darsteller verkörpern ihre Figuren mit vollem Einsatz und verleihen ihnen sowohl Tiefe als auch Glaubwürdigkeit. Was kann man mehr erwarten?

„The motorcycle Diarys“ ist nicht der erwartete Überfilm, als den viele ihn bereits im Vorfeld gelobt hatten. Er ist viel mehr ein gelungener Unterhaltungsfilm, der in mal lustigen mal nachdenklichen Episoden die Jugendjahre einer historischen Figur beleuchten. Man erfährt zwar wenig Neues über die Figur Che, aber zumindest wird einem der Mensch, der hinter dem Revolutionsführer steht etwas näher gebracht. In wieweit man sich dabei von der politischen Gesinnung und der Verklärung durch Regisseur Salles beeinflussen lässt, sollte jeder selber entscheiden. Der Film selber ist aber allemal sehenswert und bietet zwar wenig Höhen und Tiefen, vermag aber sehr gut zu unterhalten und sorgt auch noch für einigen Unterhaltungsstoff nach dem Ende.
7 von 10 Punkten.

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