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Brian de Palmas Melange aus Spionage- und Geheimdienst-Thriller, Action und Drama, Horror- und Psycho-Elementen, sowie aus Übersinnlichem, Spirituellen stellt im Schaffen des Hitchcock-Epigonen eine Besonderheit dar. Und auch heute noch lässt einen das Gefühl beim Betrachten dieses an sich merkwürdigen Films nicht los, dass hier eine Perle besonderer Art produziert wurde.
Mit Carrie hatte sich Brian de Palma schon einige Zeit vorher dem Thema Telepathie genähert, bei The Fury treibt er es noch mehr auf die Spitze. Etliche Sequenzen des Films sind für sich gesehen Kabinettstückchen technischer Filmkunst, die de Palma genüsslich zelebriert und ausspielt. Auch wenn dadurch eine stringente Handlung niemals richtig statt findet, bleibt man an den unglaublichen Szenen, die sich in Intensität und Brutalität bis zum furiosen Showdown steigern, mit feuchten Händen dran und atmet erst nach dem letzten Bild, das jedem, der den Film zum ersten Mal gesehen hat, nie mehr los lässt, entspannt aber völlig geschafft auf.
John Cassavetes, der hier großartig und mit sichtlichem Vergnügen den Bösen mimt und von dem man kaum annehmen würde, dass er im wirklichen Leben Independent-Filme drehen würde, die sich hauptsächlich mit Beziehungskrisen auseinandersetzen, ist ein großes Plus der gesamten Darstellerriege. Dass er am Ende aus x-facher Kamera-Perspektive buchstäblich in die Luft geht, ist ein gewaltiger Schlusspunkt und bleibt unkommentiert. Das Monster, das hier aus einem braven und unschuldig wirkenden Mädchen geschaffen wurde und das dem Treiben des Bösen schließlich ein Ende setzt, hätte genügend Potential gehabt, in Fortsetzungen a la Freitag der 13. weiter zu leben. de Palma aber beendet die Geschichte und lässt den Zuschauer etwas verstört zurück.
Was als harmloser Actionkracher beginnt, entwickelt sich zu einem handfesten Psychodrama, gespickt mit allerlei inszenatorischen Finessen (natürlich dürfen auch hier ausgedehnte Zeitlupensequenzen nicht fehlen!) und aufwendigen Katastrophenszenarien (die Rummelplatz-Sequenz!). Kirk Douglas beweist zudem Mut zur Selbstaufgabe und die Nebenfiguren, gespielt von Charles Durning und Carrie Snodgress, ergänzen den Cast um wertvolle, mitmenschliche Aspekte.
Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch die an Bernhard Herrman erinnernde Musik von John Williams, der sich hier mal weniger bombastisch gibt wie in seinen Star Wars-Scores, sondern die Stimmungen und Gefühle der Protagonisten auch musikalisch perfekt umsetzt.
Für eine nachhaltige Beschäftigung mit den Themen des Films sind diese jedoch zu sehr angerissen, de Palma deutet viele Botschaften an, ohne sich auf eine einzige festlegen zu wollen. Zu spekulativ geraten die meisten Szenen, als dass eine Kritik an der Forschung übersinnlicher Phänomene, wie an ihre Macht missbrauchenden Organisationen beim Zuschauer ankommen könnte. Der Thrill überwiegt - vergleichbar mit dem Gefühl einer Achterbahnfahrt.
Sofern de Palma dies bezwecken wollte, hat er sein möglichstes getan, um dieses Gefühl beim Zuschauer zu erwecken.
Mitunter aber denkt man dann doch, dass er vielleicht hat mehr sagen wollen. Wenn dies der Fall sein sollte, dann ist ihm das gründlich misslungen.

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