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Wer ohne mit der Wimper zu zucken Elemente eines paranoiden Agentenkrimis mit jenen eines übernatürlichen Psychothrillers in einer Parallelhandlung verknüpft, der beweist zweierlei: Dass ihm eine große Fallhöhe nicht viel auszumachen scheint. Und dass die Neugier nach merkwürdigen Genre-Cocktails höher ist als die Furcht vor dem Scheitern.

Und wie so viele von De Palmas interessantesten Werken ist eben auch „The Fury“ eines seiner gescheiterten. Als Kirk Douglas im Prolog seinen sehnigen, von unzähligen Abenteuern gezeichneten Körper aus dem Meer zieht, betritt er ein Set wie aus einem Bond-Film. Ein völlig ungewöhnliches Szenario für den Regisseur, der aber nicht lange damit fackelt, es sich zu eigen zu machen. Die kurz gezeichnete Vater-Sohn-Idylle wird schon bald mit bewährten Trümpfen des Unterhaltungskinos in Form von Feuerbällen und Schussgefechten zerstört. Dass diese zugleich auch als Ablenkungsmanöver bzw. Taschenspielertricks taugen, macht er sich für seine Zwecke zu eigen und stellt bereits innerhalb der actiongeladenen, jedoch nach Grundsätzen des New-Hollywood-Kinos noch bodenständigen Einführung klar, wo seine Interessen tatsächlich verteilt sind.

Den höchsten Preis für den offenen Umgang mit vermeintlich unvereinbaren Inhalten zahlt De Palma im Mittelteil, solange sich die Wege von Douglas und seiner Co-Darstellerin Amy Irving noch nicht gekreuzt haben. In diesem Zeitraum fühlt sich die Sichtung von „The Fury“ schizophren an, so, als sei ein imaginärer Sitznachbar Herr über die Fernbedienung und könne sich nicht entscheiden, ob er nun lieber auf einen paranoiden 70er-Thriller von Alan Pakula schalten soll oder ob ihn nicht doch eher der paranormale Coming-Of-Age-Streifen interessiert, der auf dem anderen Programm läuft. Die Grundlagen sind in beiden Fällen in De Palmas DNA verankert. Einen Grundstein hatte er erst zwei Jahre zuvor mit „Carrie“ gelegt, die andere Spur würde er in den 80ern vor allem mit „Scarface“ und „Untouchables“ noch weiter verfolgen.

Das Erzählerische gelangt jedenfalls über lange Zeit nicht zu einem gemeinsamen Nenner; also wird die leere Fläche mit filmischen Experimenten gefüllt. Obgleich sich die Form diesmal nicht mit allerletzter Konsequenz vor den Inhalt drängt, ist „The Fury“ doch reich an extravaganten Schnittfolgen, Perspektiven und Bildschichtungen, das Highlight vielleicht eine Rückprojektion, bei der die Hauptdarstellerin, während sie auf einer unsichtbaren Drehplattform synchron zum Schwenk der Kamera zum gescannten 3D-Modell objektifiziert wird, selbst zur Zuschauerin wird, während sich der Bildhintergrund in eine überdimensionale Leinwand verwandelt, auf der verborgene Geheimnisse gelüftet werden – all das ausgelöst durch eine zarte Handberührung, die eine regelrechte Explosion von Sinneseindrücken nach sich zieht und ein kleines Puzzleteil der Handlung mit krachendem Klick-Geräusch einfügt. Kino, wie es schriller, aber eben auch sinnlicher kaum sein könnte.

So wie die Handlungsebenen sich schließlich verbinden, wird dem Hauptdarsteller-Duo dann auch endlich etwas Zusammenspiel gewährt. Aus emotionaler Perspektive ein notwendiger Schritt, der spät, aber gerade noch rechtzeitig auf das furiose Finale vorbereitet, in dem Unschuld mit Terror besudelt wird, die Gesetze der Physik mit telekinetischen Phänomenen und ein in weiße Stoffe getauchtes Erholungszimmer mit einem letzten Knalleffekt aus der Effektekiste. Eine finale Metapher für die vielen kleinen Bomben, die De Palma stets aufs Neue zündet, ohne zu wissen, ob sie ihm schaden oder nutzen.

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