Review

Guckt man Filme von Brian de Palma, sollte man immer auf die Kameraarbeit und die Ausleuchtung achten, beides dürfte in jedem Fall erlesen sein. Mit der Dramaturgie haperts schon manchmal und die Plots haben so ihre Schwierigkeiten.
Bestes Beispiel ist dafür sein „The Fury“, der in Deutschland unter dem schwachsinningen Titel „Teufelskreis Alpha“ erschien. Es geht zwar hier in einer Szene um Alphawellen, aber ein Teufelskreis ist nirgendwo zu entdecken.
Tatsächlich ist der Film aber ein Reißer rund um PSI-Fähigkeiten und kann, chronologisch rückblickend gesehen, als Quersumme zwischen "Carrie“ und „Dead Zone“ angesiedelt werden.

Es ist nicht ganz klar, wie gut der Roman von John Farris war, das Ergebnis ist jedoch ein Kuddelmuddel aus Action, Thriller, einer Prise SF und Horror, legendenhaft nur angeführt durch die finale Sequenz, die wirklich jeden wach nach Hause schickt.

Das Problem in Kürze: es fehlt dem Film an einer typischen Struktur, die ihn einfacher zu konsumieren, als technisch zu genießen macht. Zwar gibt hier nominell der langsam alternde Kirk Douglas die Hauptrolle, doch einen echten Protagonistenpart kann hier niemand ausmachen. Vage schwankt die Handlung ständig zwischen Douglas‘ besorgtem Agentenpapi auf der Flucht, Amy Irvings „Teenage Addict“ (die hier endlich die „Carrie“ geben darf), Charles Durnings Arzt und Cassavetes Bösewicht Childress hin und her. In den Vordergrund kann sich keiner spielen.

Schon die Anfangssequenz wirft den Zuschauer ohne Vorbereitung ins Geschehen, wenn im Nahen Osten ein Terroranschlag auf eine Urlauberkolonie erfolgt, um Peter (Douglas) von seinem medial begabten Sohn Robin zu trennen. Der Finsterling Childress (Cassavetes nur auf Notstrom als schwarzer Mann), einst ein Vertrauter, kriegt eine Kugel ab und dann blenden wir ein Jährchen in die Zukunft. Papi flieht noch, Childress ist immer noch sauer und irgendwie kommt dann die junge Gilian und ihre PSI-Begabung hinzu. Natürlich werden beide Seiten von ihr angezogen wie die Bienen von den Blüten und natürlich werden die Kräfte immer größer und unberechenbarer.

„The Fury“ hat durchaus seine Qualitäten und vor allem seine Härten, aber auf der anderen Seite ist er manchmal auch einfach nur schwach. Gilians erster Kontakt mit Robin, eine Postcognition, in der das Geschehen in einem 360-Grad-Schwenk um sie herum geschieht, ist ein feiner Moment, die versuchte Befreiung Gilians durch Carrie Snodgrass und Douglas in strahlend leuchtender Extremzeitlupe sogar de Palma vom Erlesensten. Und Schockeffekte liefert der Streifen gleich mit, wenn etwa der Kontakt mit Gilian den Effekt hat, daß ihre Partner zu bluten beginnen oder Robin am Ende seine Vertraute ausbluten läßt.
Auch die Idee, fast die komplette Besetzung (auch die positive) draufgehen zu lassen, hat so ihre Vorteile (einen schönen Gruß ans Heyne-SF-Lexikon, da steht es mal wieder falsch drin...),
Dagegen stehen jedoch Unklarheiten von enormem Ausmaß: wieso kann Gilian die Vergangenheit und die Zukunft sehen? Warum verwandelt sich Robin von einem netten Teenager binnen eines Jahres in einen größenwahnsinnigen, haßzerfressenen Kotzbrocken? Was will Childress eigentlich mit der Konditionierung der PSI-Begabten und warum mußte er dazu Douglas aus dem Weg schaffen? Warum befreit sich Robin nicht selbst aus dem Institut, wenn er offenbar kraft seines Geistes jeden ermorden kann?
Und warum geht er plötzlich seinem Daddy an die Kehle, als dieser ihn endlich wieder gefunden hat?

Wer das fleißig ignoriert, kriegt dafür aber wenigstens einen brauchbaren Thriller mit unüblicher Optik und selten benutztem Thema ab und wird eben mit der legendären Schlußszene belohnt, in der Irving (die titelgebende „Fury“ ist von Robin auf sie übergegangen), den fiesen Childress einfach mal so mittels Parakräften platzen läßt.
Die effektvolle Explosion von innen heraus wird gleich aus mehreren Perspektiven wiederholt und ist knackiger Eyecandy für alle, die sich am Ende gerne mal mit einem Bang aufwecken lassen.
Trotzdem eine relativ unausgewogene Mischung, die visuell interessanter ist, als ihre Logik nachvollziehbar. (6/10)

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