Man merkt vielleicht, dass ich mal wieder auf dem berüchtigten Düsseldorfer Bahnhofskino-Festival war, unter anderen Umständen hätte ich als genredesinteressierter mir niemals binnen 3 Tagen 3 Agentenfilme gegeben. Ich wiederhole hier gerne: für mich funktioniert das Genre einfach nicht so gut, wie es sollte. Und dennoch lasse ich mich immer wieder darauf ein und Falle ungebremst auf die Nase.
Nun, aus "Hammerhead" kann ich dann immerhin mal wieder das Gefühlsvollbad im bunten Hexenkessel der swinging 60's mitnehmen und mir ein Bild von der Übergröße Ian Flemings machen, denn "Hammerhead" basiert auf dem Roman eines befreundeten Autoren, der irgendwann mit seinen eigenen Agenten namens Charles Hood an den Start und damit in direkter Konkurrenz mit Kumpel Ian ging.
Es ist ja nicht so, als hätte der Film keine Ideen. Zu Beginn darf Heroe Hood nämlich in einer Mischung aus Salvador Dali-Performance und Hippie-Happening auf Kollege Hammerhead, einen berühmten Erotikasammler warten, dem der kunstbeflissene Agent Teile seiner Sammlung verkaufen will. 1968 verstand die britische Polente scheinbar genau so wenig Spaß wie dieser Tage, weshalb der Beklopptentreff erst mal gesprengt und zerknüppelt wird. Wogegen Model Sue Trenton was hat: eine Verhaftung macht sich nicht gut im Portfolio, deshalb klettert sie sich spontan an Hood dran.
Der sie von da an nicht mehr los wird, auch nicht, als sich seine wahre Mission enthüllt: Hood soll selbstverständlich nicht nur Edelschweinkram an den berühmten Pornographen verschachern, sondern diesen nebenher auch am Stibitzen von NATO-Geheimnissen hindern. Dass Sue und er dabei der einen oder anderen Bredoullie entgegenstolpern versteht sich von selbst. Dass Sue tatkräftig Mithilfe, den Sausack Hammerhead zu überlisten ebenfalls.
Machen wir uns nichts vor: die damals bekannten Bondfilme mit Herrn Connery haben die berüchtigte Messlatte in Kilometerhöhe hochgeschraubt und von Solos böhsen O. N. K. E. L. S. mal abgesehen hat es kaum ein anderer Vertreter geschafft, auch nur ansatzweise an die Filme heran zukommen. Aber "Hammerhead" kommt mit Nichten kläglich rüber: der Film ist für Genrefreunde auf der Suche nach Abwechslung vom mitunter etwas spießigen Bond eine gemischte Knalltüte bekloppte Ideen und poppigen Sechzigercharmes. Ich muss nur leider zugeben:als Parodie hatte der Film eine bessere Figur gemacht. Die richtigen Gagamomente wie die Kunstperformance zu Beginn und die Hippieparty am Ende sowie das Leichenverstecken und die Kabbelei in der Hauptpost sind für meinen Geschmack zu rar gesaht. Da hätte ruhig mehr kommen können.
Herr Hammerkopp selbst gibt sich nicht allzu lange die Ehre, ist aber ein dem Plot angemessenes Ekel und findet eines der witzigsten Enden, die ich je auf Leinwand gesehen habe. Zum Schmunzeln: der Schmuddelhistoriker Hammerhead pflegt, sich gelegentlich mit einer Art Hybrid aus Aufzug und Beichtstuhl aus Helikopter abzuseilen. Symbolismus? Vielleicht, mit Tendenz zum Nein.
Okay, ein paar nette Momente bietet dieser Film und man kann mit ihm eine gute Zeit haben. Aber zur Feature presentation reicht es bei mir zumindest nicht, zumal der bisher ausschließlich im VHS-Habitat ausgewilderte Film akkut vom Aussterben bedroht ist. Ob zu Unrecht oder selbstverschuldet, wer weiß... Ich verbuchte es mal als interessante Erfahrung. Achja: Erster, ätsch!