PEOPLE WILL TALK ist das amerikanische Remake von Curt Goetz' Klassiker FRAUENARZT DR. PRÄTORIUS (1949) mit Grant in der Goetz- und Jeanne Crain in der Valerie von Martens-Rolle. Die Fox wollte seinerzeit die Exklusiv-Rechte an dem Stück erwerben mit der Konsequenz, daß der deutsche Film nicht mehr hätte gezeigt werden dürfen. Darauf ließ Goetz sich Gott sei Dank nicht ein und so kam der Film hierzulande nie heraus.
Cary Grant als Dr. Praetorius war von vorn herein eine ungewohnte Vorstellung, doch es hätte m.E. sehr wohl als interessante Alternative funktionieren können. Dieser Film aber ist ein Musterbeispiel dafür, wie es die Amerikaner immer wieder schaffen, selbst ein wirklich gutes Stück von Grund auf mühelos kaputt zu kriegen. Regisseur/Drehbuchautor Joseph L. Mankiewicz hat den Gehalt von Goetz' Stück weder verstanden, noch interessiert er sich auch nur im Ansatz dafür. Der amerikanische Film ist 20 Minuten länger als das deutsche Vorbild, dafür wurden alle essentiellen und guten Szenen weggelassen (die Rede über die Mikrobe der Menschlichen Dummheit, die Krankenvisite bei dem kleinen Mädchen in der Klinik usw). Statt dessen wurde alles verwässert, geglättet und der wohldurchdachte Aufbau mit enervierendem Beiwerk verschleppt. Die Charaktere sind auf eindimensionales Minimum reduziert und selbst die wenigen noch übrig gebliebenen Pointen werden in den Sand gesetzt.
Grant, Jeanne Crain und Hume Cronyn sind hölzern, kalt und unglaubwürdig. In dem, was das Drehbuch von ihren schwierigen Rollen übriggelassen hat, werden sie von der Regie dann vollends allein gelassen. Grant hätte Prätorius tatsächlich gut spielen können, so aber ist er eine Total-Fehlbesetzung. Einzig Walter Slezak (Sohn des Opernsängers und Schauspielers Leo Slezak, der seinem Vater hier sehr ähnelt) als Prätorius' Freund und Margaret Hamilton (böse Hexe aus THE WIZARD OF OZ) in einer Nebenrolle lassen für Momente ein klein wenig Freude aufkommen und sind glaubhaft in ihren Rollen - das übrige ist nur noch ärgerlich.
Aus der liebenswert-geistreichen Vorlage wurde ein plumper, stupider, durch und durch amerikanischer Film. Kein Wunder, daß das Machwerk bei uns nie in die Kinos kam, denn im deutschsprachigen Raum hätte das wirklich kein Mensch sehen wollen. Peinlich und nicht mal des Vergleichs wegen von irgend einem Interesse. Sogar das schwache und überflüssige Remake mit Heinz Rühmann ist ein Meisterwerk gegen diesen Film. Vermutlich der absolute Tiefpunkt in der Filmographie von Cary Grant.