Die junge Rika bekommt Besuch von der Fürstin der Hölle, welche sie als Botschafterin für die Menschheit auserkoren hat und ihr das Martyrium des jenseitigen Lebens offenbaren will.
Rika begleitet die Höllenkönigin in die Unterwelt, wo Kindsmörder und sadistische Sektenführer auf ihre Läuterung warten…
Der mittlerweile nicht mehr unter uns weilende Turuo Ishii – Schöpfer der berüchtigten, mir leider aber noch unbekannten TOKUGAWA-Folterfilmreihe („Gequälte Frauen“, „Yakuza’s Law“, „Das Freudenhaus von Nagasaki“…) – meldete sich kurz vor seinem Tod im schon sehr fortgeschrittenen Alter von 75 Jahren und nach 20-jähriger filmischer Abstinenz mit HELL noch einmal auf der Bildfläche zurück und HELL, so verrät uns der kurze Vorspann, stellt auch zugleich sein Vermächtnis dar.
Gut, wie präsentiert uns der werte Herr Ishii also das Fegefeuer? – Hm…, hier geht’s verdammt krank zu und teuflisch brutal, allerdings auch unwahrscheinlich klischeehaft: Die Hölle ist voller garstiger Kreaturen und gehörnter Dämonen, Lava, Feuer und verkohlte Erde, soweit das Auge reicht und brutzeln müssen nur böse Menschen, die ein schlechtes Leben geführt haben (wie oben erwähnt, vor allem Kinderficker und Sektenführer). Die Abgrenzung zwischen „gut“ und „schlecht“ fällt also sehr platt und plakativ aus…
Die Unterwelt ist hier aber auch überraschend farbenfroh geraten und gleich mit der ersten Einstellung des Films erfährt man, dass Ishii größtenteils in den 70ern tätig war: schillernde Kostüme, fette Schulterpolster, psychedelische Farbenspiele im Hintergrund und Darsteller mit dicken Seitenscheiteln und Kotletten… es scheint fast als würde der Streifen auf der Retro-Welle surfen. In die heutige Zeit passt er von der Aufmachung und der Machart her jedenfalls nicht so wirklich…
‘Ne 70’s Disco im Inferno, oder wie!? Doch es kommt noch krasser:
Die Höllenfürstin regiert ihr Reich mit einem billigen Plastikzepter, welches sie sich wohl von „Skeltor“ oder „Hordak“ ausgeliehen hat,… die Dämonenfratzen bzw. –kostüme sind allesamt starre, ausdruckslose Gummiwabbeldinger, die Erinnerungen an die "Power Rangers" oder „Troll 2“ wach werden lassen… und zu den Effekten muss ich gleich noch was sagen…
Trash in seiner Reinform! Echt Wahnsinn, wie billig die Hölle in Japan ausfällt…
Okay, weiter im Text:
Die junge Rika kommt also in die Hölle, ihr und uns werden bildlich die Leben zweier verdammter Seelen geschildert (*gähn*) und dann folgt die Hinrichtung (*hurra!*), in der’s den Verurteilten ganz schön an den Kragen geht (*HURRRRA!!!*):
Es wird zersägt, geköpft, gehäutet…, Zungen werden auf fast schon comic-hafte oder Miike-typische Weise mit Riesenzangen langgezogen bzw. herausgerissen (Starke Szene!)…, doch auch dem Splatter merkt man das niedrige Budget deutlich an:
Holzköppe und Plastikgliedmaßen also wohin das Auge blickt! Alles sieht sehr „unecht“ (insofern man das bei einem Splatterfilm überhaupt sagen kann...) aus und auch hier zeigt das Trashometer gefährlich hohe Werte an.
ABER…, aber, liebe Jungs und Mädchen, genau das ist der Clou an der ganzen Sache! Die schäbige Aufmachung, die schludrige Machweise… - dies alles lässt den Fun-Faktor wolkenkratzerartige Ausmaße annehmen und macht diesen kleinen Folterstreifen zu einem ungewollt komischen Splatterspaß der Extraklasse.
Fehlen nur noch Dümmlich-Dialoge wie die:
„Hier ist die Quelle des Flusses Styx.“ – „Ist nicht dein Ernst. Und ich dachte, das wäre eine Rockgruppe aus den 80ern!?
Hammer Gespräche auch während der Exekutionen:
„Die Bezeichnung „Freak“ ist viel zu milde. Aber wir denken uns etwas für dich aus, während wir dich weiter zersägen.“
(…) „Nein! Bitte nicht meine Füße!!! Die Pediküre hat ein Vermögen gekostet!!!“
Ich fass’ noch mal zusammen:
Beinharter, aber dünngesäter Splatter, unvorstellbar trashige Dämonenkostüme und viele Budget-Löcher!
Einziges, aber gravierendes Manko sind die Schwächen der praktisch nicht existenten Handlung: Die Einblicke in die Leben der zu Peinigenden sind eindeutig zu langwierig und schläfern stark ein. Besonders der Abstecher in das Leben des Sektenführers ist mit seinen gänzlich unspektakulären 25 Minuten schon ein ganz schön heftiger Wermutstropfen…
Der Showdown, in dem ein unbekannter Schwertkämpfer alle Dämonen niedermetzelt (soll wahrscheinlich Gott oder Jesus sein...), und das Finale, in welchem sich unzählige nackte Weiber zu hypnotischem Singsang räkeln, setzt dem Unfug zwar noch die Krone auf...
...aber sei’s drum! Die japanische Trash-Hölle macht einfach ohne Ende Spaß und hat den imaginären Komposthaufen meines Gehirns wieder um ein paar Quadratmeter erweitert…
Fazit:
Für Normalo-Gucker dürfte der Streifen buchstäblich die Hölle sein, für "True Trashohilics" aber der Himmel auf Erden!