Handlung:
Dem japanischen Schulmädchen Rika begegnet eine gütige ältere Dame, die sie vor bevorstehenden schweren Prüfungen ihres moralischen Bewußtseins warnt. Um ihr dies noch deutlicher vor Augen zu führen, entpuppt sie sich als Herrscherin der Hölle, in die sie Rika umgehend zusammen mit zwei jungen Begleitern hinabführt. Hier soll sich Rika zur Festigung ihrer Tugend alles zu Gemüte führen, besonders soll sie sich einprägen, mit welch schaurigen Strafen die Verbrecher belegt werden. Bei letzteren handelt es sich überraschenderweise nicht etwa um Raubkopierer oder Radfahrer ohne Rücklicht, sondern um Kindermörder und Sektengangster. Zunächst erhält Rika einen Einblick in das perverse Treiben des Mörders, dem im folgenden von einigen sehr lustig anzusehenden Höllendämonen freudig die Gliedmaßen abgesägt werden, dann erleben wir, wie sie selbst in die Fänge der Sekte gerät, die einer vor Jahren tatsächlich existiert habenden Sekte mehr als ähnelt, z. B. verübt sie einen Sarinanschlag auf eine U-Bahn. Und der Sektenführer kümmert sich hauptsächlich um kultische Weihegaben wie schnelle Autos und die jungen Mädschen in der Sekte. Auch diese kriegen später ihr Fett weg. Alle diese Visionen sollen Rika ermöglichen, später einmal die Menschheit aus dem Fluch ihrer Sünden zu erretten...
Jigoku macht, so muß man feststellen, durchgehend Spaß. Zumindest, wenn man den Charme augenfreundlicher Japanmädels und plastikbestückter Tempelwächter-Dämonen zu würdigen weiß, die mit entblößtem Oberkörper bzw. mit überdimensionalen Sägen zu Werke gehen. Nur wie die doch sehr ernsten Themen Kindermord und Giftgasanschlag in diesen grotesken Kontext passen sollen, will grundsätzlich nicht recht deutlich werden. Seltsamerweise fügt sich dann aber doch alles zusammen, auf eine schwer zu erklärende Weise. Die dargestellten Verbrechen werden immer noch mit dem gebührenden Ernst behandelt, auch wenn sich oft zynische Kommentare einschleichen. Und schließlich dürfen wir ja erleben, wie die Übeltäter ihre gerechte Strafe erleiden. Insgesamt ergibt dies eine schwer deutbare, makabre Mixtur, die sich in Richtung Nihilismus bewegt. Derartige Verschwommenheiten sind eben typisch für das japanische Kino, ob man nun FUDOH, AUDITION, BATTLE ROYALE oder SUICIDE CIRCLE als Beispiel anführt. Im Vergleich zu letztgenannten Filmen fällt des Skandalregisseurs Teruo Ishii letztes Werk und "Vermächtnis" allerdings deutlich alberner und billiger aus. Aber die Gratwanderung zwischen bösem Realismus und kruder Höllenphantastik macht den Film doch zu einem eigenartigen Dokument fernöstlichen Ideenreichtums.
Zunächst ärgerte ich mich, daß auf der deutschen DVD zwar der japanische Ton, jedoch keine dt. Untertitel vorhanden sind. Aber der deutsche Ton ist über weite Strecken wegen seiner unverschämten Flapsigkeit, die jedoch nie ins Dümmliche ausartet, ein Vergnügen eigener Art. Wenn z. B. die Höllenmaid zwitschert: "Da hast du aber richtig Muffe gekriegt", der Sektenführer seiner transusigen Misanthropie Ausdruck verleiht oder die Höllendämonen die Sünder nach Herzenslust verbal zusammenstauchen, macht der Film wirklich Freude. Auch der freizügige Abspann, mit dem der Film seinen endgültigen Abschied von der Bürde der Sinnhaftigkeit feiert, ist sehenswert.
Größtenteils unterhaltsam-makaber und daher für Freunde des Grotesken durchaus zu empfehlen.