Review

Trash hört sich viel weniger abwertend an als „Müll“. Aber „Jigoku“/“Japanese Hell“, der vor kurzem beschlagnahmt wurde, hat nicht mal den Ausdruck Trash verdient. Denn auch wenn man sich noch so anstrengt, findet man hier doch nichts ansatzweise Brauchbares, Interessantes oder Gelungenes.

Rika wird von der Fürstin der Hölle in eben diese verschleppt, damit sie sich ansieht, was mit den Leuten, die dort hinkommen, passiert. Sie, und der Zuschauer, müssen sich die Taten eines Kindermörders ansehen, gefolgt von einem durchgedrehten Sektenführer, zu dessen Sekte auch Rika einst gehörte. Daraufhin werden alle beteiligten Personen in der Hölle verbrannt, gehäutet oder zersägt, bis Rika es hier nicht mehr aushält und wieder an die Erdoberfläche möchte…

Was ein nicht weiter vorgestellter Ninja noch in der Hölle zu suchen hat, weshalb man die Geschichte mit dem Kindermörder sieht, warum zum Schuss nackt eine Art Gebetstanz aufgeführt wird, wieso der Film beschlagnahmt wurde… alles Fragen, die man sich nach Ansicht von „Jigoku“ nicht beantworten kann.

Fangen wir beim wesentlichen Punkt an: der Story, die die wenigen Splatterszenen zusammenhalten soll. Keiner weiß, warum anfangs eine Mördergeschichte zehn Minuten angesehen werden muss, wenn man sich den Rest des Films sowieso auf Rikas Geschichte mit der Sekte versteift. Demnach hat die erste Geschichte keine Funktion, sondern bringt nur das erste Opfer in die Hölle, welches dann lachhafte Fantasyfigürchen in billigen Kostümen, die Dämonen der Unterwelt oder so was, zerhacken dürfen. Danach folgt eine Stunde eine Aufarbeitung der Geschehnisse rund um die Sekte: wie sich Mitglieder fragen, ob sie mit der bedingungslosen Folge ihres „geliebten Führers“ richtig handeln; dass der Führer sich alle Frauen schnappt und mit ihnen schläft; was mit Leuten passiert, die sich gegen die Gesetze und den Führer auflehnen; viel blabla… Das ist sterbenslangweilig, gepaart nicht mal mit etwas Gore und damit selbst als Trash komplett durchgefallen.
Erst danach geht es die letzten 20 Minuten in ein Blutbad über, das aber leider so dilettantisch umgesetzt wurde, dass man auch da nur gähnen kann. Immer wenn Körperteile abgehackt oder Zungen rausgerissen werden, fehlt nur noch das Preisschild an den Gummigliedmaßen. Das Lächerlichste sind da noch die Köpfe mit der meterlang herausgezogenen Zunge, die nur noch zur unfreiwilligen Komik verhelfen. Die anschließenden kleinen Blutfontänen mussten nicht mal rot sein, da alles in der Hölle in einem regenbogenartigen Licht, das mal blau, dann wieder rot ist, eingehüllt ist und entweder alles im Schatten liegt oder in den ungünstigsten Farben erscheint. Rotes Blut gibt es aber eigentlich nie.
Danach werden unsere Dämonenfreunde, der Oberboss und seine Synchronstimme sind ein weiterer Brüller vor dem Herrn, versteht man doch quasi kein einziges Wort bei seinem Gegrunze, vom auftretenden Ninja, der sonst keine Funktion hat, zerhackstückelt, was dann noch mal eine kleine Steigerung gegenüber des ganzen Dilettantismus darstellt. Sie bleiben regungslos direkt vor der Kamera stehen und zerfallen dann in zwei Teile inklusive einer Blutfontäne – ganz großes Kino.

Einen Sinn hier hinter zu suchen, wäre eine Lebensaufgabe. Ob das wirklich ein Aufruf zu mehr Nächstenliebe sein soll, bezweifle ich mal, aber wenn man sein Bestens versucht, etwas hier drin zu finden, dann bestenfalls das. Dass man sich für eine bessere Welt aber ausziehen und tanzen muss wie in der Schlussszene ist glaube ich sehr unwahrscheinlich, aber immerhin gibt’s dadurch noch mehr Titten – noch viel größeres Kino…

Die Synchronisation passt dann wie die Faust aufs Auge, ist total überzogen, dazu meist mit Kraftausdrücken durchzogen, die dem ganzen dann die letzte Prise Ernsthaftigkeit nehmen und sowieso überflüssig sind. Beispiel gefällig? Zwei Sektenanhänger gehen durch die Straßen, gerade vermasselten sie einen Auftrag (oder etwas in der Art) und nun darf der Führer davon nichts erfahren. Der Junge zum Mädchen: „Du hältst aber gefälligst deine dumme Schnauze…“ Komplett überflüssig und dabei so oft in den Dialogen vertreten. Ob das bei der Synchronisation schief ging oder schon im Original so beabsichtigt war – who knows. Genauso unpassend sind die „lustigen“ Sprüche des Sektenführers, die zwischen Sarkasmus und Ironie schwanken, ähnlich wie viele andere Jugendliche dies gebrauchen, die sich hier die Ehre geben und dabei noch weniger Schauspielkunst an den Tag legen als die Teenies in „Battle Royale“.

Und ob der Film gleich beschlagnahmt gehört, ist auch eine kleine Überlegung wird. Das hat nichts Ernsthaftes mehr an sich und die nicht mal amateurhafte Umsetzung zerstört hier selbst die Splatterszenen, die dann so schlecht rüberkommen, so dass sie noch für die breite Masse, die den Film sowieso nie sehen würde/wollte, vertretbar gewesen wäre. Da geht’s deutlich derber und vor allem besser in der Ausführung. Der einzige Vorteil nun: keiner kann den Schrott jetzt noch legal sehen und deshalb war die Entscheidung, den Film zu beschlagnahmen vielleicht doch nicht so falsch…

Also, Hände weg von diesem Möchtegernsplatter, der die ersten 80 Minuten nur eine dieser Szenen bietet, in der die Gummigliedmaßen eines Mannes stümperhaft abgesägt werden – was nicht heißen soll, dass die anderen Goreszenen besser ausfallen, denn lange Zeit danach wird kurz vor Schluss noch mal ordentlich gehackt, aber die Qualität steigt in keiner Weise. Somit haben wir hier 4/5 Langeweile und 1/5 Splatter, der dank der Qualität auch keinen Pluspunkt verbuchen kann. Also ein schrecklich amateurhafter Haufen an bescheuerten Ideen, dilettantisch umgesetzt, nicht unterhaltend und schrecklich gespielt, dazu gesegnet mit einer unpassenden Synchronisation. Ergo ein Totalausfall, der glücklicherweise, zwar etwas zu Unrecht, aber was soll’s, beschlagnahmt wurde, weswegen wir dieses Machwerk in den Regalen irgendwelcher Behörden vergammeln lassen können. Trash, der nicht mal diese Bezeichnung verdient…

Details
Ähnliche Filme