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Eine Höllenfürstin kommt inkognito auf die Erde und bietet der jungen Rika die Chance, einen Blick in die Hölle mit ihren Schreien der Gepeinigten zu tun, um sie auf dem richtigen Pfad zu festigen, ihre Mitmenschen zu warnen oder ähnliches. Genauer will das sicher keiner wissen, denn zwei Dinge sind von vornherein klar: erstens nimmt sich dieser Film nie ernst und zweitens dient das nur einer fadenscheinigen Handlung, um dann schnell zum Sex- und Gewaltszenario zu schreiten, mit dem Exploitationpionier Teruo Ishii bekannt wurde. Ähnlich wie Jess Franco entwickelt auch Ishii im hohen Alter einen fast schon kindlichen Humor, der diesen abstrusen Trash begleitet. Dazu gehört ein Milchbubi als Kindermörder mit einer Comedysynchro aus dem Off, als wäre es ein Nachmittagsaufklärungsfilm für Kinder, Höllendiener mit Struwelpeterperücken, Hörnern und Keilerzähnen, die mit ihren ebenso albern grummeligen Stimmen ihr blutiges Treiben kommentieren. Darauf verwendet Ishii viel Zeit, die Strafen in seiner Hölle sind vornehmlich mit Zerstückelungen jedweder Art verbunden, egal ob Köpfe, Arme oder Beine abgesägt werden, früh offenbart er seinen psychedelischen Schundstreifen als Splattertrash. Im Gegensatz zu seinen früheren Filmen, die sich mit Epochen von Tokugawa-Dynastie bis zu den Yakuzas der Siebziger Jahre beschäftigten, steht zeitgemäß eine Sekte im Mittelpunkt, die Giftgasanschläge in der U-Bahn verübt, selbstverständlich enden auch die Sarin-Terroristen in der Hölle und holen sich ihre gerechte Strafe ab. In quietschbunten Studiokulissen und mit overactenden Darstellern ist diese japanische Hölle, passend zu den schräg-plumpen Dialogen, ein filmgewordener Comic, bei dem gehörig die Sau rausgelassen wird, vor allem filmisch ist das ein kunterbunter Haufen Schnipsel, von denen vor allem die surrealen, stets billig aussehenden Szenen selbst Vergewaltigung seitens des Sektenführers und Verstümmelung wenig ernst dastehen lassen. Mitunter erinnert dieses augenzwinkernde und wohl auch bewusst sich der Ernsthaftigkeit entziehende, reflexive filmische Vermächtnis Teruo Ishiis kurz vor dessen Ableben ein wenig an Lucio Fulcis "Nightmare Concert", was die Rückblicke solcher B-Filmer auf ihr eigenes, oft ausschweifendes Werk angeht. Tolle Bilder, die man selbst bei den früheren Foltereskapaden der Tokugawa-Reihe vorfand, gibt es nicht, dafür gleicht die Ästhetik Kammerspielen und Theaterszenen auf Independent-Niveau. Ein paar Spritzer Fantasy und Eastern neben dem Horror gibt es in diesem Sammelsurium auch, wer genau hinhört, wird einige Male den Score von "Hellraiser" heraushören, dessen Hölle freilich in einer anderen Preisklasse spielt. Hier werden meterlange Zungen mit ebensolch überdimensionierten Zangen herausgerissen, mit denen man auch prima Hände abknipsen kann, das vergossene Blut dient gesammelt einem stets warmen Blutbad für die Menge, lecker mit Blutsaugern drin. Die Gummimasken der höllischen Dämonenhelfer sind nicht einmal die Höhepunkte an Low-Budget-Latexkunst, sondern wohl der "unbarmherzige Todesvogel", trashiger als jeder Godzilla und immer 'nen Menschen quer im Maul hängen. Sicher ein Film, der nur für ganz wenige Trashfans geeignet ist, doch für die dann "besser, als in die Berufsschule zu gehen", wie Rika über ihren Höllenausflug meint.

Fazit: Die japanische Hölle, auch Jigoku genannt, gehört zu den schon vielfach verfilmten Themen des Horror-Genres, allzu bunt wird es Teruo Ishii bei seiner Darstellung von dem Abgrund, der sich den fortgeschrittenen Trashfans in dieser Exploitation-Splatter-Komödie auftut. 5/10 Punkten

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