Review
von Leimbacher-Mario
Wackeliger Weirdo-Western
„Zachariah“ ist ein Kultwestern. Und hier ist das Wort „Kult“ wirklich mal nicht inflationär und hastig benutzt - den hier lieben nur einige wenige, kennen nicht viele und verstehen, fühlen noch weniger. Ich bin ihm nun das erste Mal begegnet und würde mich auf der Grenze zu den „Liebhabern“ beschreiben, da ich diese 90 psychedelischen Minuten zwischen Bromance und Musical, zwischen Jodorowsky und Bonanza, zwischen Charakterstudie und Farce, zwischen Komödie und Westernabgesang durchaus faszinierend fand. Aber natürlich auch verstehen kann, warum hier viele gar nichts mit anfangen können. Wir folgen zwei sehr eng befreundeten Revolverhelden bei ihrem Weg durch den wilden Westen, zuerst im Team, dann voneinander getrennt auf sehr unterschiedlichen Wegen zu Ruhm und Zufriedenheit...
Ein wahrhaftiges 69er-Baby, selbst wenn er natürlich ein wenig später erst die Kinos beehrt hat. Freiheit trifft Ehre, leicht schwule Untertöne treffen Rock, Drogenrausch trifft Traumtänzerei. Don Johnson mal derart blutjung zu sehen, hat was, der Soundtrack hat noch mehr und die Freundschaft, fast schon Liebe der beiden Pistoleros ist einzigartig, einflussreich im Westerngenre. Das Ganze ist eine traumwandlerische Gratwanderung zwischen genial und bescheuert, seiner Zeit voraus und absolut verstaubt, modern und zeitlos. Es werden viele Facetten des Genres und der Frontier-Legende angeschnitten und zum Teil beeindruckend unterwandert, widerlegt und auf links gedreht. Und die Auflösung ist in ihrer Intimität und Emotionalität fast schon episch. „Zachariah“ ist ein Kind seiner Zeit, voller Kolorit dieser und mehr als nur Flower Power und Gun Powder. Hier stecken Herz und Leidenschaft drin. Ob man es nun erkennt oder nicht, an sich ran lässt oder nicht. Da kann man fast verschmerzen, dass es sich eigentlich nur um ein paar absurde Episoden aus Staub, verdrehter Männlichkeit und vergebenen Kugeln handelt, eine durchgängige Story fehlt.
Fazit: ein echter Hippie, ein falscher (Western-)Fünfziger... „Zachariah“ hat Swag und Eier, ist sein eigener Herr und völlig vollgestopft mit Drogen aller Art, lässiger Mucke und Bro-Vibes. Kaum zu kategorisieren, als ob man „Blazing Saddles“ mit „McCabe & Mrs. Miller“ kreuzt. Eigen. Aber nicht schlecht und irgendwie berührend. Nimmt sich jede Freiheit, hält sich nicht an Grenzen und Klischees.