Review

Mit Fallen Angels übertraf Wong Kar-Wai meiner Meinung nach seinen schon als ultragenial eingestuften "Chungking Expreß" nochmal um ein ganzes Stück.
In beiden Filmen geht es generell nur um diverse Persönlichkeiten, die sich im bunt schillernden Hong Kong der Neunziger herumtreiben und dabei die interessantesten Geschichten erleben. Fallen Angels hat eigentlich nicht wirklich eine durchgehende Story, doch die fast wahllose Aneinanderreihung von Szenen und Situationen, die sich am Ende durch aberwitzige Pointen miteinander verknüpfen lassen, entschädigen für dieses Manko nicht nur, sie ersetzen es völlig und schaffen sozusagen fast einen neuen Typ Film.

Es geht u.a. um einen Auftragskiller, in den seine Auftraggeberin verliebt ist und der deswegen sterben muß, weil er ihre Liebe nicht erwidern kann. Dann gibt es da noch einen stummen Job-Rotator, der anderen gerne seine Dienstleistungen aufzwingt, um an Kohle zu kommen (genial gespielt durch Takeshi Kaneshiro). Früher oder später kreuzen sich die Wege der meisten Personen, doch erst, nachdem sie - begleitet von einem herrlich frischen, sympathischen Erzählstil - Dutzende unterhaltsamer Szenarien durchstriffen haben.
Getaucht wird das alles in famose Bilder der Stadt, wo die geniale, fast schon wohltuende Atmosphäre durch stimmige Musik, Neonreklamen und Zigarettenrauch definiert wird, all dies gepaart mit schrillen Schnitten und veränderten Optiken. Kein mit einer Großstadt erdenkliches Element kommt dabei zu kurz - weder Actio, Witz und Erotik, noch Emotion und Dramatik.

Viele fragen sich früher oder später nach der Botschaft des Films. Was will man uns damit jetzt sagen? Worum zum Geier ging es da denn jetzt eigentlich? Schwer zu beantworten. Wie auch schon in Chungking Express wollte Kar-Wai wohl schlichtweg durch das Beleuchten von mehr oder minder außergewöhnlichen Einzelschicksalen seine Art Hommage an eine Großstadt inszenieren - und das ist ihm auf grandiose Art und Weise gelungen.

Mit Sicherheit kann nicht jeder mit dieser Art von Filmen etwas anfangen, so wie mein Vorschreiber zum Beispiel. Auf diese Weise sind harte Kritiken an solchen Filmen auch entschuldbar, doch Leute wie ich, die sich durch eine solche Methodik des Inszenesetzens begeistern lassen, kommen voll auf ihre Kosten.

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