Review

Story:
Der junge "Killer" streift durchs nächtliche Hongkong und bringt für Geld Menschen um. Seine Partnerin "Agent" lebt im selben schäbigen Hotel, organisiert seine Termine, beseitigt seine Spuren und kundschaftet Opfer und Tatorte aus. Ihre heimliche Liebe erwidert "Killer" jedoch nicht. Er beginnt an seinem Job zu zweifeln, gabelt die blonde Ausreißerin Punkie auf und stürzt sich in einen Strudel der Exzesse...
Der zweite mit dem ersten leicht verwobener Erzählstrang handelt von einen stummen Kleinkriminellen namens "Ho Chi Mo", der nachts bereits geschlossene Läden öffnet und den Passanten seine Waren aufzwingt. Als Kind hat er einmal eine Dose Ananas gegessen, deren Verfallsdatum abgelaufen war, und spricht seitdem kein Wort mehr. Obwohl Ho nicht mit anderen Menschen spricht, sehnt er sich nach Wärme und sucht Kontakt. Schließlich trifft Ho auf die hyperaktive "Cherry", die auf der Suche nach „Blondie“ ist, die ihr den Freund ausgespannt hat. Gemeinsam mit ihr macht er sich auf die hoffnungslose Suche und verliebt sich in sie. Sie hingegen kann ihren Ex nicht ganz vergessen...


Kritik:
Fallen Angels war ursprünglich als dritte Episode zu dem Vorgänger Chungking Express gedacht. Doch da sich mit den ersten beiden Episoden ein voller Spielfilm füllen ließ, entschloss sich Wong Kar-wai dann aus der dritten einen eigenständigen Film zu machen.
Wie ich finde, eine sehr gute Wahl, da Fallen Angels doch ziemlich dunkel ist und von Romantik und Liebe nicht ganz so viel zu spüren ist. Es ist ein Drama, das vom Alleinsein vierer Personen erzählt, die alle etwas eigenartig erscheinen oder ein ungewöhnliches Leben führen, und wie der Vorgänger auch sehr experimentell gedreht wurde (siehe weiter unten) und somit ihm auch wieder etwas ähnelt. Einige Themen und Gedanken Wong Kar-Wais, die auch schon in Chungking Express eine Rolle spielten, werden hier wieder aufgegriffen, z.B. die Suche nach der Liebe, die Bestimmung und Aufgaben in seinem Leben, der einzelne Mensch - isoliert und verloren in einer riesigen Metropole voller Mitmenschen.

"Ich treffe mich manchmal mit ein paar Freunden.
Eigentlich kenne ich sie nicht gut.
Sie interessieren mich auch nicht weiter.
Ich weiß, dass sie bald aufhören werden zu existieren."
Ein Zitat aus Fallen Angels.

Der Film bietet einige solcher Kommentare und gesprochenen Gedanken der Charaktere. Das hat mir sehr gefallen.
Zudem findet man immer wieder Anspielungen und Hinweise auf Chungking Express, z.B. die Ananas-Dosen mit dem Verfalldatum, das Apartment von Ho und seinem Vater in den „Chungking Mansions“, die einzelnen Storys der Menschen, die sich im Film später mal über den Weg laufen.

Die Schauspieler sind zwar nicht besonders bekannt, machen ihre Sache aber doch sehr gut. Für wieder einzigartige Bilder sorgte wieder Kameramann Christopher Doyle. Er wählte u.a. Überbelichtungen, kluge Blickwinkel, Weitwinkel, Schwarz/Weiß- und Stop-Motion-Aufnahmen. Die Produktion aus Hongkong erhielt auf der Taipeh Golden Horse `96 die Auszeichnung für die Beste Kamera.
Doch nicht nur die Kameraführung wirkt experimentell, sondern auch der Storyaufbau. Oberflächlich betrachtet wirkt sie vielleicht dem ein oder anderen zunächst handlungsfrei oder verwirrend. Erst nach und nach wachsen die Geschichten der einzelnen Personen zusammen und ergeben dann einen Sinn. Ich denke, man muss halt etwas mit solchen Filmen anfangen und in diese Welt eintauchen können.

Fazit: Fallen Angels ist eine klasse Mischung aus Actionthriller, Situationskomödie und Melodram, welche durch berauschende Bilder und einem klasse Soundtrack zum Filmgenuss für Fans des asiatischen, experimentellen Kinos und Anhänger Wong Kar-Wais wird.

Film: 9/10

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