Inhalt:
Dunwich, Neuengland: Pater Thomas erhängt sich mit einem Glockenseil im örtlichen Friedhof. Diese gotteslästerliche Tat soll nicht ungesühnt bleiben. Die Pforten zur Hölle öffnen sich und die lebenden Toten steigen aus ihren Gräbern.
New York: Nach einer spirituellen Siounce wird die junge Frau Mary Woodhouse tot aufgefunden. Der Reporter Peter Bell will den mysteriösen Tod des Mädchen näher erforschen. Auf dem Friedhof hört er Schreie aus Marys Grab und kann die für totgeglaubte, lebendig begrabene Frau vor dem Ersticken retten. Mary erzählt von ihren grauenhaften Visionen über Dunwich. Zusammen brechen sie in die verfluchte Stadt auf, um vor Allerheiligen dem Zombie am Glockenseil Einhalt zu gebieten und die Tore zur Hölle wieder zu schließen …
Kritik:
Lucio Fulcis 1980 gedrehter großer Genreklassiker „Ein Zombie hing am Glockenseil“ gehört neben dem ein Jahr später realisierten „Über dem Jenseits“ zu den bekanntesten und nicht zuletzt Dank der deutschen Zensur berüchtigsten Werken des Italo-Schmuddelfilmers. In Anlehnung an einer HP Lovecraft-Geschichte realisierte Gore-Virtuose Fulci ein nahezu sinnfreies Werk, bestehend aus einer schier unglaublich stimmungsvollen Atmosphäre und einer Aneinanderreihung grauenhaftester Splatter- und Goreexzesse ohne besonderer Logik.
Dank der von FX-Spezialist De Rossi inszenierten unvergesslichen Bluteskapaden, wie das Durchbohren eines Kopfes, das Auskotzen der eigenen Gedärme und Innereien oder das „Blutweinen“ konnte Kultregisseur Fulci erneut auf plottlosen Effektekel und Grausen zielen.
In der damaligen goldenen Zeit der italienischen Subgenres Zombie/ Kannibalen war dies dem Publikum einmal mehr recht und der Film wurde nicht nur ein Goldesel für die Produzenten sondern auch beim Filmfestival 1980 mit Preisen ausgezeichnet.
Unter der Fuchtel des italienischen Erfolgsproduzenten Fabrizio De Angelis und durch den enormen kommerziellen Erfolg von ca. 30 Mio. US $ für seine zuvor realisierte Goregrante „Woodoo – Schreckensinsel der Zombies“, gelang Fulci erneut das Kunststück den Nerv der Zeit zu treffen.
Dieses Werk unterscheidet sich aber durch grandiose Schauer-Atmosphäre, nebelumwogene Lokations, passende Set-Ups und dem ohrenbetäubenden Soundtrack von Fabio Frizzi, der auch durch den Score in „Woodoo“ sein Talent bewies.
Fulci-Stammschauspielerin Katriona MacColl („Über dem Jenseits“, „Haus an der Friedhofsmauer“) überzeugt in der Rolle der Mary durch genügend Dramaturgie und Christopher George (Peter) – bekannt aus wundervollen B-Movies wie „Der Exterminator“ oder dem Slasher „Pieces“ – wird man zwar für seine Leistung nicht mit Preisen überhäufen, kann aber letztendlich überzeugen. Etwas abfallen aber Carlo De Mejo und Janet Agren („Lebendig Gefressen“). Dank der stümperhaften und miserablen deutschen Synchro darf man auch nicht vor ein wenig Trash zurückschrecken. In einer Ausnahmerolle als Sonderling überzeugt Giovanni Lombardo Radice, bekannt aus Perlen wie „Asphalt-Kannibalen“, Deodatos „Der Schlitzer“ und natürlich „Die Rache der Kannibalen“, der in der Rolle des MIKE neue Maßstäbe im europäischen Exploitationskino setzte. In kleinen Nebenrollen gibt es dann auch noch Fulci selbst sowie Jungtalent Michele Soavi („Dellamorte Dellamore“) zu sehen.
Nicht unerwähnt soll auch die Verbotswelle bei diesem Fulciwerk bleiben, die wohl in der deutschen Zensurgeschichte nahezu einzigartig ist. Der Film wurde in der an Handlung gekürzten Videofassung verboten, weshalb eine 1. geschnittene Fassung mit „Ein Toter hing am Glockenseil“ erschien – erneut wurde dieser Film beschlagnahmt, wonach der Film in einer nun 2. geschnittenen Fassung namens „Eine Leiche hing am Glockenseil“ veröffentlicht wurde, die schließlich bestehen bleiben durfte, obwohl Grafiker schon das Cover für „Ein Kadaver hing am Glockenseil“ – Cut-Fassung Nr. 3 (!) – fertiggestellt hatten. Die Folge sind zusammenhang- und sinnlose Filmschnipsel auf einer Kassette.
Nichtsdestotrotz erweist sich „Gates of Hell“ als ein absolutes Highlight der grün-weiß-roten Schmuddelära, mit – abgesehen der Pflockszene am Ende – realistischen Gore- und Makeupeffekten, eindringlichem Soundtrack und schaurig-schöner Atmosphäre, bei dem man über die Plottlosigkeit hinwegsehen kann. FULCI LIVES!