Review
von Leimbacher-Mario
Ekliger die Glocken nie läuten
Es ist Tag der offenen Tür auf der Erde... und die Hölle nimmt das gerne an! Lucio Fulcis (vor allem in Deutschland) berüchtigtster Film ist einer seiner besten. Ein Alptraum aus ausgekotzten Gedärmen und höllischen Priestern, ein hypnotisierend schöner Cocktail, wie ihn der Teufel persönlich kaum hätte besser zubereiten können. Surrealismus trifft Gänsehaut, Ekel trifft Faszination, "The Beyond" trifft "Woodoo", die ich früher intensiver und besser fand, doch von Sichtung zu Sichtung holt der aufgehängte Zombie auf. Bilder, Szenen, Momente wie das verweste Baby oder die Innereien auf Abwegen können noch immer verstören und Fulci hält sich keine Minute in der realen Welt auf, er muss gar nicht erst abdriften, ablegen, ausholen - die Hölle ist längst angekommen!
"City of the Living Dead", wie er international vertrieben wurde, öffnet das Tor zur Hölle durch einen priesterlichen Galgensuizid, sodass die faulenden Geister/Kadaver der Verstorbenen die Welt ein ganzes Stück unsicherer machen... Von der legendären Innereien-Hochwürg-Szene über zerquetsche Gehirne oder zerbohrte Schädel bis zu den blutigen Tränen - "Ein Zombie hing am Glockenseil" ist noch immer einer der ewigen Gorechampions und hätte es sogar heutzutage nicht so leicht, unbeschadet durch die Zensur zu kommen. In einer recht verrohten und abgebrühten und freien Zeit, in der etliche Indextitel aus den 80ern nun uncut ab 16 eingestuft werden, will das schon was heißen. Fulci ist ein König des Brutalen - doch derart rigoros und spektakulär wurde er nie mehr. "Seil" wirkt wie ein etwas holpriges und steifes Warm-Up für "L'Aldila", doch auch er hat schon viel von einem absoluten Klassiker. Unendlich brutal, nahezu hoffnungslos, sagenhaft vertont - da kommt trotz sprunghafter "Geschichte" und manchmal dilettantischen Schnitten und Übergängen wahre Freude auf. Vor allem bei Gorehounds, doch beim Rest ebenso. "City of the Living Dead" packt einen bei der Gurgel und zieht uns in seinen Schlund... und man will gar nicht weg!
Fazit: wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, oder wahlweise sich ein gruseliger Priester erhängt, dann lassen dich die Toten rote Tränen weinen... Fulcis Auftakt zur inoffiziellen Gates of Hell-Trilogie berstet vor Atmosphäre und bringt ein paar der legendärsten Goreszenen aller Zeiten auf die Leinwand. Selbst wenn noch lange nicht alle Rädchen ineinandergreifen... seine Imperfektion macht ihn nur noch anziehender und sympathischer.