"Was nutzen Dolche gegen Zombies, vor allem gegen den, der am Glockenseil hing" ......
Wow, mal ehrlich: Auf so einen Satz, zu hören im deutschen Kinotrailer zu dem am 11.09.1980 in Deutschland erstmals aufgeführten Film "Ein Zombie hing am Glockenseil", muss Mann oder Frau erstmal kommen!
Vom Trailer zum Film:
Von Regisseur Lucio Fulci, auch gerne als "Godfather of Gore" bezeichnet, inszeniert - handelt es sich bei "Ein Zombie hing am Glockenseil" um einen der bekannteren Vertreter der Zombie-Welle die von 1979 (Kinostart von George A. Romeros "Zombie" in der BRD) bis ca. 1982 zuerst die Kinos und danach oder gelegentlich auch mal zeitgleich, die Videotheken der Republik "überflutete".
Vermutlich wäre der Bekanntheitsgrad des "Glockenseil-Zombies" wesentlich geringer, wenn nicht zeitgenössische Reportagen oder reißerische Zeitungsartikel den Film immer wieder gerne dazu verwendet hätten, dem braven, deutschen Bürger die angebliche Gefährlichkeit dieses Films, geradezu mit der Brechstange zu suggerieren. Frei nach dem Motto: "Wenn Film böse, dann wird auch Gesellschaft böse, Film muss weg".
Wie war das noch mit der Küchen-Psychologie?
Doch was verbirgt sich eigentlich wirklich hinter dem "Glockenseil-Zombie"?
Aus heutiger Sicht viel weniger, sogar sehr viel weniger, als damals z.T. suggeriert wurde. Dies betrifft sowohl den Inhalt, vor allem und noch viel mehr, aber die vermeintliche Gefahr der "Verrohung" durch diesen Streifen, vor allem in der Gegenwart des Jahres 2024, im Jahre 1986 mag dies anders gewesen sein, schon auf Grund der damals viel eingeschränkteren Medien-Vielfalt.
Die Handlung des Films ist schnell erklärt:
Der Selbstmord eines Priesters mittels eines handelsüblichen Stricks, also keine Spur von einem wie auch immer gearteten Glockenseil, öffnet die Tore der Hölle und gestattet den Toten die Wiederkehr in die Welt der Lebenden. Letzteres freilich nur als untote Vasallen eben jenes Priesters, der sich erhängt hat: Pater William Tomas.
Fortan versuchen ein Medium und ein Journalist die Tore zur Hölle, wieder zu schließen und den untoten Priester, Pater William Tomas, zu stoppen. Zu diesem Zweck fährt man gemeinsam nach Dunwich, dem ehemaligen Salem, "der Stadt der Hexen und alles Bösen" - um nochmal ein weiteres, Audio-Highlight des Trailers zu spoilern.
Das ist die ganze Rahmenhandlung, garniert mit einigen Gore-und-Splatter-Szenen, die vor über 40 Jahren mal schockierten, sich aber heute nur noch in eine Reihe einordnen können - hinter zahlreichen anderen Horrorfilmen, die heute ähnlich explizite Szenen bieten, allerdings dafür nicht seit anno 1986 auf der Liste der bundesweiten Beschlagnahmen "verfaulen" - so wie Leichen verfaulen, um die sich der Film "Ein Zombie hing am Glockenseil" ja nun mal dreht.
Sicherlich: Die "berühmte" und vor allem berüchtigte Drillbohrer-Sequenz ist auch heute noch starker Tobak. Die italienischen Effekt-Künstler haben dort, gerade gemessen an Budget, Zeitdruck und anderen Faktoren die gerade den Low-Budget-Bereich stark beeinflussen, hervorragende Arbeit geleistet. Aber:
Es ist nur ein Film und bei genauem Hinsehen ist der seinerzeit gute bis sehr gute Spezial-Effekt, dann anno 2024 nun mal doch eindeutig als das zu identifizieren, was er nun mal ist: Ein Spezial-Effekt, nicht mehr und nicht weniger! High Definition "entblößt" halt (fast) alles.
Hinzu kommt: Das ist die wirklich einzige, explizite Szene des Films - und im übrigen auch die einzige Szene, die seinerzeit zur Erst-Beschlagnahme führte.
Die anderen Szenen, die immer wieder genannt werden, wie z.B. das orale Ausscheiden der Gedärme oder das "Ausquetschen" einiger Hinterköpfe, waren zumindest für die Erst-Beschlagnahme (von 1986) gar nicht relevant.
Tja, ein Schelm wer nun denkt "Warum wurden dann später die geschnittenen Fassungen beschlagnahmt, welche diese Szene mit dem Drillbohrer gar nicht mehr (in voller Länge) enthielten?"
Die Antwort lautet: Wer einen Grund sucht, der findet auch einen Grund. Es gab ja noch andere Horror-Szenen, was nicht verwundert, immerhin ist es ja ein Horrorfilm, gell.
Ganz am Ende blieb dann nur noch ein Torso übrig, den man auch problemlos um 22 Uhr im TV hätte senden können, denn die letzte Schnittfassung unter dem Titel "Ein Kadaver hing am Glockenseil" erhielt dann sogar eine FSK 16.
Tja, schon war wieder alles im Lot auf dem Boot - weg mit dem "Schund".
Was bleibt unter dem Strich:
Ein berüchtigter Schocker, dessen bundesdeutsche Zensurgeschichte sehr viel spannender ist, als der Film selbst - der aber auch und trotzdem seine Qualitäten vorzuweisen hat, einige echte und vor allem viele, welche eher dem Hang zur Nostalgie geschuldet sind, wovon ich mich keinesfalls ausnehme.
Der Film ist halt nichts für die Freunde moderner, schneller Schnitt-Technik, eher für die Anhänger des Italo-Horrors der späten 70er und frühen 80er Jahre, der Liebhaber der "alten" Zombie-Filme, aus der "Zombie-Welle" der damaligen Zeit.
Vergleiche mit "Dawn of the Dead", hier der Neu-Interpretation von 2004 - oder mit TV-Serien wie "Walking Dead" wären daher nicht sehr zielführend, da diese Produkte einer ganz anderen Epoche entstammen. Andere Zeiten, andere Sitten - und andere Sehgewohnheiten.
War der "Glockenseil-Zombie" besser oder schlechter, als die gerade genannten Beispiele, der 2004er Dawn oder die TV-Serie Walking Dead?
Ich denke: Weder das eine, noch das andere -der "Glockenseil-Zombie" war und ist anders, da er eben aus einer ganz anderen Zeit stammt. Das ist, wie ich finde, auch schon das ganze "Geheimnis".
Noch ein paar letzte Worte - oder besser Sätze:
In Kombination mit der musikalischen Untermalung von Fabio Frizzi, schuf Lucio Fulci, eine Geschichte über "Untote", die eher Züge einer Geistergeschichte trägt und in der die klassische Erscheinungsform des Zombies mit der von Geistern, von mir aus auch mit der von "Gespenstern", "verschmilzt":
Zombies erscheinen den Lebenden - und verschwinden von einer Sekunde auf die andere, ganz wie ihr Vorbild, dem "Hänge-Priester" Pater William Tomas. Die bereits erwähnten Spezial-Effekte sind nicht allzu zahlreich, aber durchaus treffsicher und wohl dosiert. Ganz klar aber auch: Es war, ist und bleibt ein Low-Budget-Streifen und dies begründet auch die Schwächen des Films, denn das soll beileibe hier keine Lobhudelei werden:
Die Story hat gute Ansätze, wurde aber nicht ausgearbeitet. Die Charaktere hätte man, zumindest etwas, vertiefen können - schon um den Zuschauer, abseits der Spezial-Effekte, emotional besser "packen" zu können.
Die Synchro, auch die Original-Synchro, ist nur Mittelmaß. In Zusammenspiel mit der Mimik ist daher oft ein Schwenk von absoluter "Teilnahmslosigkeit" zum "Over-Acting" zu registrieren. Ein anderer Kritikpunkt:
Das im Film erwähnte Buch "Ennok" wird nur einmal erwähnt, spielt dann aber gar keine Rolle mehr. Hier wurde ein möglicher Ansatz zu mehr Tiefe entweder gleich aufgegeben - oder was wahrscheinlicher ist, erst gar nicht beabsichtigt.
Fazit:
Früher ein berüchtigter "Schocker" der (angeblich) "das Blut in den Adern gefrieren ließ" - und heute? Ein wie ich finde, etwas härterer Horrorfilm mit wenig Tiefgang, guter bis sehr gute Sounduntermalung, unterdurchschnittlichen Dialogen und einigen doch gut gealterten Splatter-Effekten, was für Produkte aus jener Zeit nicht unbedingt selbstverständlich ist. Ohne Nostalgie-Brille eine 5,5/10, aber ich habe eine und die "trage" ich in diesem Fall auch: 7/10.